Islam verstehen

Kapitel 24Der Baumeister der Methode

Die schafiitische Rechtsschule

Die schafiitische Rechtsschule geht auf Imam Muhammad ibn Idris asch-Schafi'i zurück, möge Allah ihm barmherzig sein – einen Gelehrten, der von Mekka nach Medina, in den Irak und schließlich nach Ägypten reiste und unterwegs das Wissen seiner Zeit in sich vereinte. Mit seiner Risala legte er den Grundstein für die Wissenschaft der Rechtsmethodik. Heute folgen seiner Schule Menschen von Ägypten über Ostafrika und den Jemen bis nach Indonesien und Malaysia.

12 Min. Lesezeit

150 n. H.
Geburtsjahr Imam asch-Schafi'is (767 n. Chr.), nach dem bekanntesten Bericht in Gaza
204 n. H.
Tod in Fustat, dem alten Kairo (820 n. Chr.)
ar-Risala
gilt als erstes systematisches Werk der Usul al-Fiqh
2
Phasen seiner Lehre: die alte (Irak) und die neue Schule (Ägypten)

Ein Waisenkind aus dem Hause Quraisch

Imam Muhammad ibn Idris asch-Schafi'i, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde im Jahr 150 nach der Hidschra (767 n. Chr.) geboren – nach dem bekanntesten Bericht in Gaza. Es ist dasselbe Jahr, in dem Imam Abu Hanifa starb, und die Gelehrten haben darin gern ein Zeichen gesehen: Ein großer Imam geht, ein anderer kommt. Asch-Schafi'i stammte aus dem Stamm Quraisch und war über seinen Ahnen al-Muttalib mit der Familie des Propheten ﷺ verwandt.

Sein Vater starb, als er noch klein war. Seine Mutter, eine Frau mit festem Willen, brachte ihn nach Mekka, wo die Familie ihre Wurzeln hatte. Sie waren arm. Es wird berichtet, dass der Junge kein Geld für Papier hatte und deshalb auf Knochen, Tonscherben und die Rückseiten gebrauchter Blätter schrieb. Doch sein Gedächtnis und sein Eifer waren außergewöhnlich: Schon als Kind lernte er den Quran auswendig, und bald darauf auch das Muwatta' von Imam Malik.

Bei den Beduinen und den Gelehrten Mekkas

Um die arabische Sprache in ihrer reinsten Form zu lernen, lebte asch-Schafi'i eine Zeit lang beim Stamm Hudhail in der Wüste, der für seine Beredsamkeit und Dichtung berühmt war. Diese Jahre prägten ihn für immer: Seine Sprache war so klar und schön, dass spätere Gelehrte seine Worte als Beleg für korrektes Arabisch anführten. Bis heute werden Gedichte gelesen, die ihm zugeschrieben werden – Verse über Freundschaft, Geduld, Reisen und Gottvertrauen.

In Mekka lernte er bei den Gelehrten des Heiligen Bezirks, darunter Muslim ibn Chalid az-Zandschi, dem Mufti Mekkas, und Sufyan ibn Uyaina, einem großen Hadith-Gelehrten. Noch sehr jung erhielt er die Erlaubnis, Rechtsgutachten zu geben.

Die Reisen eines Suchenden

Das Leben Imam asch-Schafi'is ist eine Reise – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Jede Station brachte ihm ein neues Stück Wissen, und am Ende fügte er alles zu einem Ganzen zusammen.

Medina: bei Imam Malik

Mit dem Muwatta' im Gedächtnis machte sich der junge asch-Schafi'i auf den Weg nach Medina, zu Imam Malik. Es wird erzählt, dass Malik von seiner Begabung und seinem Vortrag beeindruckt war und ihm riet, Allah zu fürchten, denn er werde einmal eine große Stellung haben. Asch-Schafi'i blieb bei ihm bis zu dessen Tod im Jahr 179 n. H. und sprach sein ganzes Leben mit größter Hochachtung von ihm. Ihm wird der Satz zugeschrieben: Wenn die Gelehrten erwähnt werden, dann ist Malik der leuchtende Stern.

Der Jemen und der Irak

Danach nahm er eine Aufgabe im Jemen an. Später gelangte er in den Irak, nach Bagdad, und begegnete dort Muhammad ibn al-Hasan asch-Schaibani, dem großen Schüler Abu Hanifas. Von ihm lernte er die Rechtswissenschaft der Leute des Irak mit ihrer ausgefeilten juristischen Überlegung. Asch-Schafi'i soll gesagt haben, er habe von Muhammad ibn al-Hasan eine Kamelladung an Wissen mitgenommen. Die beiden diskutierten oft und intensiv – und blieben einander doch in Respekt verbunden.

So trug asch-Schafi'i nun zwei große Traditionen in sich: die Schule Medinas mit ihrer Nähe zu Hadith und Überlieferung und die Schule des Irak mit ihrer Stärke in Analogie und Begründung. Was ihm noch fehlte, war ein Rahmen, der beides miteinander verbindet.

Zurück in Mekka – und wieder Bagdad

In Mekka lehrte er dann im Heiligen Bezirk. Dort traf ihn ein junger Mann, der später selbst ein großer Imam werden sollte: Ahmad ibn Hanbal. Die Freundschaft zwischen den beiden ist eine der schönsten Geschichten der islamischen Gelehrsamkeit. Imam Ahmad sagte über ihn sinngemäß, asch-Schafi'i sei für die Welt wie die Sonne und für die Menschen wie Wohlergehen gewesen. Und asch-Schafi'i schätzte Ahmad besonders für sein Wissen im Hadith.

Bei seinem späteren Aufenthalt in Bagdad lehrte asch-Schafi'i seine Lehre in einer geordneten Form. Was er dort vertrat, nennt man seine alte Lehre (al-Qadim).

Ägypten: die letzte Station

In seinen letzten Lebensjahren ging asch-Schafi'i nach Ägypten. Dort überdachte er vieles noch einmal, überarbeitete seine Bücher und änderte in zahlreichen Fragen seine Ansicht. Diese reife Fassung ist seine neue Lehre (al-Dschadid). Er starb im Jahr 204 n. H. (820 n. Chr.) in Fustat, dem alten Kairo. Sein Grabmal im Gebiet der Qarafa in Kairo wird bis heute von vielen Menschen besucht.

Dass ein Gelehrter am Ende seines Lebens bereit ist, seine eigenen früheren Ansichten zu überprüfen und zu ändern, ist ein großes Vorbild. Es zeigt: Wissen ist kein Besitz, den man verteidigt, sondern ein Weg, auf dem man der Wahrheit immer näher kommen will.

Die Risala – der Grundstein der Rechtsmethodik

Bevor asch-Schafi'i schrieb, hatten die Gelehrten natürlich schon Methoden – sie wandten sie an, ohne sie ausführlich in einem eigenen Buch niederzulegen. Asch-Schafi'is ar-Risala („die Abhandlung“) gilt als das erste Werk, das die Grundlagen der Rechtsfindung systematisch darstellt. Damit wurde er zum Begründer der Wissenschaft der Usul al-Fiqh, der Prinzipien der Rechtswissenschaft.

In der Risala behandelt er unter anderem:

  • wie der Quran sich selbst erklärt und wie die Sunna den Quran erläutert (al-Bayan);
  • die verbindliche Autorität der Sunna und die Pflicht, dem Gesandten ﷺ zu gehorchen – er stützt sich dabei auf Verse wie „Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten“ 4:59;
  • die Annahme von Hadithen, die von einzelnen vertrauenswürdigen Überlieferern weitergegeben wurden (Chabar al-Wahid);
  • Aufhebung von Bestimmungen (Nasch) und den Umgang mit scheinbar widersprüchlichen Überlieferungen;
  • den Konsens (Idschma') und den Analogieschluss (Qiyas);
  • die Bedeutung der arabischen Sprache für das Verständnis der Offenbarung.

Damit schenkte asch-Schafi'i der ganzen Umma eine gemeinsame Sprache. Auch Gelehrte anderer Schulen schrieben ihre Werke über Rechtsmethodik später im Gespräch mit diesem Buch – zustimmend, ergänzend oder widersprechend.

Das Werk al-Umm

Neben der Risala ist al-Umm („die Mutter“) sein großes Werk der Rechtswissenschaft. Es enthält seine neue Lehre zu den Fragen des Gottesdienstes, des Handels, der Familie und vielem mehr, oft mit ausführlichen Begründungen und Diskussionen mit anderen Gelehrten. Überliefert wurde es vor allem durch seinen ägyptischen Schüler ar-Rabi' ibn Sulaiman al-Muradi.

Die Methode: wie die Schafiiten Recht finden

Die schafiitische Methode zeichnet sich durch ihre Klarheit und Ordnung aus. Die Quellen sind:

  1. Der Quran.
  2. Die Sunna – für asch-Schafi'i steht ein authentischer Hadith dem Quran als Quelle sehr nahe, denn beide kommen letztlich von Allah.
  3. Der Konsens (Idschma') der Gelehrten.
  4. Der Analogieschluss (Qiyas), den asch-Schafi'i genau beschrieben und an feste Bedingungen gebunden hat.

Daneben spielen die Aussagen der Gefährten und der Grundsatz des Istishab (man geht vom bisherigen Zustand aus, bis das Gegenteil feststeht) eine Rolle.

Gegenüber dem Istihsan, so wie er in seiner Zeit verstanden wurde, war asch-Schafi'i sehr zurückhaltend. Er wollte sicherstellen, dass jedes Urteil an einen klaren Beleg gebunden bleibt und nicht am persönlichen Gutdünken hängt. Andere Schulen verstanden unter Istihsan oft eine begründete Abwägung, die ebenfalls auf Belegen beruht – hier sprechen die Gelehrten manchmal mehr über Begriffe als über die Sache selbst.

„Wenn ein Hadith authentisch ist ...“

Berühmt ist ein Satz, der Imam asch-Schafi'i zugeschrieben wird: „Wenn ein Hadith authentisch ist, dann ist er meine Schule.“ Er wollte damit sagen, dass seine Meinung niemals über dem Wort des Propheten ﷺ stehen darf. Spätere Gelehrte der Schule haben betont, dass die Anwendung dieses Satzes tiefes Wissen erfordert – man muss den Hadith, seine Bedeutung und alle anderen Belege kennen. Er ist kein Aufruf, die Gelehrten zu übergehen, sondern ein Ausdruck großer Demut.

Ebenso schön ist ein Wort, das ihm zugeschrieben wird: Meine Ansicht ist richtig, mit der Möglichkeit, dass sie falsch ist; die Ansicht eines anderen ist falsch, mit der Möglichkeit, dass sie richtig ist. In diesem Satz liegt die ganze Kultur der Meinungsverschiedenheit (Adab al-Ichtilaf), die die großen Imame miteinander gepflegt haben.

Alte und neue Lehre

Weil asch-Schafi'i seine Ansichten in Ägypten überarbeitete, unterscheiden die Gelehrten der Schule zwischen der alten Lehre aus dem Irak und der neuen Lehre aus Ägypten. Wo beide voneinander abweichen, gilt grundsätzlich die neue Lehre als maßgeblich. Nur in einer kleinen Zahl von Fragen haben spätere Gelehrte der Schule die alte Ansicht bevorzugt, weil sie deren Belege für stärker hielten.

Die Schüler und die großen Gelehrten der Schule

In Ägypten sammelten sich um asch-Schafi'i Schüler, die seine Lehre bewahrten und weitergaben:

  • al-Muzani, dessen Muchtasar (Zusammenfassung) zur Grundlage vieler späterer Werke wurde;
  • al-Buwaiti, der nach dem Tod seines Lehrers dessen Lehrkreis übernahm;
  • ar-Rabi' ibn Sulaiman al-Muradi, der Überlieferer von al-Umm.

Im Irak hatten zuvor Gelehrte wie Abu Thaur und az-Za'farani bei ihm gelernt, und Imam Ahmad ibn Hanbal blieb ihm in Liebe verbunden.

Über die Jahrhunderte brachte die Schule eine beeindruckende Reihe von Gelehrten hervor. Einige Namen, die dir in der islamischen Literatur immer wieder begegnen werden:

  • Al-Mawardi, Richter in Bagdad, Verfasser von al-Hawi und dem Werk über die Grundsätze des Regierens al-Ahkam as-Sultaniyya.
  • Abu Ishaq asch-Schirazi, Verfasser von al-Muhadhdhab und at-Tanbih.
  • Imam al-Haramain al-Dschuwaini, ein Meister der Rechtsmethodik, und sein Schüler Abu Hamid al-Ghazali, der neben seinen rechtswissenschaftlichen Werken mit Ihya' Ulum ad-Din eines der meistgelesenen Bücher über das innere Leben des Glaubens schrieb.
  • Ar-Rafi'i, dessen Werke die Lehrmeinungen der Schule sorgfältig ordneten.
  • Imam an-Nawawi aus Nawa bei Damaskus, möge Allah ihm barmherzig sein. Er lebte kurz, arm und asketisch, und doch hinterließ er ein Werk, das die Welt bis heute nährt: Minhadsch at-Talibin und Raudat at-Talibin in der Rechtswissenschaft, al-Madschmu' als großer Kommentar, seinen Kommentar zu Sahih Muslim – und zwei Bücher, die in unzähligen Haushalten stehen: Riyad as-Salihin und die Vierzig Hadithe. Zusammen mit ar-Rafi'i gilt er als Hauptreferenz für die geprüfte Lehre der Schule.
  • Al-Izz ibn Abd as-Salam, berühmt für seine Furchtlosigkeit und sein Werk über die Grundregeln der Rechtsbestimmungen.
  • Ibn Kathir, der große Quran-Kommentator. Wenn du bei Quran Masterclass den Tafsir von Ibn Kathir liest, liest du die Worte eines schafiitischen Gelehrten.
  • Ibn Hadschar al-Asqalani, Verfasser von Fath al-Bari, dem berühmtesten Kommentar zu Sahih al-Buchari.
  • Dschalal ad-Din as-Suyuti, ein ungewöhnlich fruchtbarer Autor in fast allen islamischen Wissenschaften.
  • Zakariyya al-Ansari und nach ihm Ibn Hadschar al-Haitami mit Tuhfat al-Muhtadsch sowie Schams ad-Din ar-Ramli mit Nihayat al-Muhtadsch – beides Kommentare zu an-Nawawis Minhadsch. Auf diese beiden Werke stützen sich die späteren Schafiiten in besonderem Maß.

Für den Einstieg werden in vielen Ländern kurze Lehrtexte gelesen, etwa die Zusammenfassung von Abu Schudscha' oder die kleine Safinat an-Nadscha, die besonders in Südostasien und im Jemen beliebt ist.

Wo die Schule zuhause ist

Von Ägypten aus verbreitete sich die schafiitische Schule in viele Richtungen. Ein großer Teil ihrer Ausbreitung geschah nicht durch Eroberung, sondern durch Händler und Gelehrte, die über das Meer reisten – besonders aus dem Jemen und aus Hadramaut. Sie brachten mit ihren Waren auch den Quran, ihr gutes Benehmen und ihre Bücher mit, und so fanden Menschen an fernen Küsten zum Islam.

Heute ist die Schule vor allem verbreitet in:

  • Ägypten, besonders in Unterägypten, und in Teilen der Levante (etwa in Syrien, Palästina, im Libanon und in Jordanien neben anderen Schulen);
  • dem Jemen, besonders in Hadramaut und im Süden;
  • Ostafrika: Somalia, Dschibuti, die Küsten Kenias und Tansanias, Sansibar und die Komoren;
  • Südostasien: Indonesien, Malaysia, Brunei, Singapur, der Süden Thailands und der Philippinen;
  • unter den Kurden und in Teilen des Nordkaukasus wie Dagestan und Tschetschenien;
  • Sri Lanka, den Malediven und der Malabarküste im Süden Indiens.

Wenn du also in den Emiraten einem Kollegen aus Indonesien, einer Nachbarin aus Somalia oder einem Freund aus Kurdistan begegnest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr Gebet nach schafiitischem Verständnis gelernt wurde.

Historisch hatte die Schule auch große Zentren in Bagdad, Damaskus und Kairo. Die Nizamiyya-Hochschule in Bagdad, an der al-Ghazali lehrte, und die vielen Madrasas in Damaskus und Kairo bildeten Generationen von Gelehrten aus. In der al-Azhar in Kairo wird die schafiitische Schule bis heute neben den anderen Schulen gelehrt.

Was dir im Alltag auffallen kann

Auch bei den Schafiiten gibt es kleine Besonderheiten, die dir vielleicht auffallen – nicht als Grund zur Trennung, sondern als Zeichen der Sorgfalt:

  • Die Basmala: Sie gilt als Vers der Fatiha und wird in den laut rezitierten Gebeten laut gesprochen.
  • Die Hände: Sie werden unterhalb der Brust und oberhalb des Nabels übereinandergelegt. Beim Eröffnungs-Takbir, beim Beugen und beim Aufrichten werden die Hände erhoben.
  • Die Fatiha hinter dem Imam: Auch wer hinter einem Imam betet, rezitiert die Fatiha selbst, sogar in den lauten Gebeten.
  • Das Qunut: Im Morgengebet wird nach dem Aufrichten aus der Verbeugung in der zweiten Gebetseinheit regelmäßig das Qunut gesprochen.
  • Die Waschung: Nach der schafiitischen Lehre wird die Gebetswaschung ungültig, wenn die Haut eines Mannes die Haut einer Frau berührt, die nicht zu seinen engen Verwandten gehört, und umgekehrt.
  • Der Friedensgruß: Das Gebet wird mit zwei Friedensgrüßen beendet, nach rechts und nach links.

Wenn du einer anderen Schule folgst, wirst du manches anders kennen. Das ist der Reichtum der Umma: Verschiedene Gelehrte haben dieselben Belege mit größter Ernsthaftigkeit studiert und sind in Einzelheiten zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn ein Richter urteilt, sich bemüht und recht hat, erhält er zwei Belohnungen; wenn er urteilt, sich bemüht und irrt, erhält er eine Belohnung“ (al-Buchari und Muslim).

Der Beitrag zur islamischen Zivilisation

Der vielleicht größte Beitrag Imam asch-Schafi'is ist, dass er dem Denken eine Ordnung gab. Die Wissenschaft der Rechtsmethodik, die er begründete, wurde zu einem gemeinsamen Werkzeug aller Schulen. Wer heute verstehen will, wie Gelehrte aus Quran und Sunna Urteile ableiten, steht auf seinen Schultern.

Darüber hinaus hat die schafiitische Schule Gelehrte hervorgebracht, deren Bücher über Hadith, Tafsir und Spiritualität weit über die Schule hinaus geliebt werden: Riyad as-Salihin, die Vierzig Hadithe, Fath al-Bari, der Tafsir von Ibn Kathir. Und sie hat – durch Händler, Gelehrte und Lehrer – dazu beigetragen, dass der Islam in Ostafrika und Südostasien auf friedlichem Weg heimisch wurde. Heute lebt ein großer Teil der Muslime der Welt in diesen Regionen.

Ein Wort zum Schluss

Allah sagt im Quran: „So fragt die Leute der Ermahnung, wenn ihr (etwas) nicht wisst“ 16:43. Imam asch-Schafi'i hat sein Leben lang gefragt, gesucht und gelernt – bei Malik in Medina, bei asch-Schaibani im Irak, bei den Beduinen der Wüste – und er hat das Gelernte mit großer Klarheit an die Umma weitergegeben.

Seine Schule ist eine der Schulen, die Muslime auf der ganzen Welt als Teil ihres gemeinsamen Erbes anerkennen, neben den Hanafiten, Malikiten und Hanbaliten und den weiteren Schulen, die die Amman-Botschaft nennt: Dscha'fari, Zaiditen, Ibaditen und Zahiriten. Asch-Schafi'i war Schüler Maliks und Lehrer Ahmads und lernte von den Schülern Abu Hanifas – in seiner Person reichen sich die großen Imame gleichsam die Hand. Möge Allah ihm barmherzig sein, ihn reich belohnen und uns die Liebe zum Wissen und den Respekt voreinander schenken, die er gelebt hat.

Häufige Fragen

Wer war Imam asch-Schafi'i?

Muhammad ibn Idris asch-Schafi'i (möge Allah ihm barmherzig sein) wurde 150 n. H. geboren, lernte in Mekka, bei Imam Malik in Medina und im Irak und starb 204 n. H. (820 n. Chr.) in Ägypten. Er gilt als Begründer der Wissenschaft der Rechtsmethodik und ist Namensgeber der schafiitischen Schule.

Was ist die Risala?

Seine Abhandlung über die Grundlagen der Rechtsfindung: wie Quran und Sunna einander erklären, wann ein Hadith angenommen wird, was Konsens und Analogie sind. Sie gilt als erstes systematisches Werk der Usul al-Fiqh.

Was bedeuten „alte“ und „neue“ Lehre?

Die alte Lehre (al-Qadim) vertrat asch-Schafi'i im Irak, die neue (al-Dschadid) nach seiner Überarbeitung in Ägypten. Wo sie sich unterscheiden, gilt in der Schule grundsätzlich die neue Lehre, abgesehen von einer kleinen Zahl von Fragen.

Wo folgen Menschen heute der schafiitischen Schule?

Unter anderem in Ägypten, in Teilen der Levante, im Jemen, in Ostafrika (Somalia, Dschibuti, Küsten Kenias und Tansanias, Komoren), in Südostasien (Indonesien, Malaysia, Brunei), unter Kurden, im Nordkaukasus, in Sri Lanka und im Süden Indiens.

War Ibn Kathir, dessen Tafsir ich hier lese, Schafiit?

Ja. Ibn Kathir war ein schafiitischer Gelehrter in Damaskus. Sein Quran-Kommentar wird jedoch von Muslimen aller Schulen geschätzt und gelesen.

Quellen

  • Quran 4:59, 16:43
  • Muhammad ibn Idris asch-Schafi'i: ar-Risala; al-Umm (Überlieferung von ar-Rabi' ibn Sulaiman al-Muradi)
  • Sahih al-Buchari und Sahih Muslim: Hadith über den Richter, der sich bemüht (zwei Belohnungen oder eine)
  • Al-Muzani: al-Muchtasar
  • An-Nawawi: Minhadsch at-Talibin, Raudat at-Talibin, al-Madschmu'
  • Ibn Hadschar al-Haitami: Tuhfat al-Muhtadsch; ar-Ramli: Nihayat al-Muhtadsch
  • Al-Baihaqi: Manaqib asch-Schafi'i
  • Die Amman-Botschaft (2004/2005)

Diese Seiten geben einen Überblick. Für religiöse Fragen deines Alltags wende dich an einen qualifizierten Gelehrten deiner Rechtsschule.

Kurse und Werkzeuge

Zur Academy →

Vom Verstehen zum Lernen

Der schönste Weg, den Islam kennenzulernen, ist der Koran selbst. Beginne mit Al-Fatiha – Vers für Vers, mit der Shams-Methode.

Al-Fatiha lernen
Die schafiitische Rechtsschule | Quran Masterclass