Islam verstehen

Kapitel 18Glaube und Fortschritt unter einem Himmel

Warum die Emirate ein wunderbarer Ort sind, um den Islam zu leben – mitten in der Moderne

Fünfmal am Tag ruft der Adhan über Hochhäuser und Wüste, im Einkaufszentrum wartet ein Gebetsraum, beim Essen ist halal die Regel – und ein paar Kilometer weiter steht das Museum der Zukunft. In den Emiraten gehören Glaube und Fortschritt zusammen. In diesem Kapitel erzählen wir, warum so viele Muslime hier gern leben, was Menschen aller Religionen an diesem Land schätzen, wie du dich als Gast respektvoll verhältst – und warum am Ende doch dein eigenes Herz entscheidet.

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am Tag ruft der Adhan aus unzähligen Moscheen
1975
Dubai Islamic Bank – gilt als erste islamische Geschäftsbank
2019
Jahr der Toleranz und Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen
2021
die Sonde Hope erreicht die Umlaufbahn des Mars

Ein Land, in dem der Glaube den Tag gliedert

Wer zum ersten Mal in den Emiraten aufwacht, hört es noch vor dem Wecker: den Adhan zum Fajr. Fünfmal am Tag ruft er aus unzähligen Moscheen – zwischen den Hochhäusern von Dubai, über den Dattelgärten von Al Ain, an der Küste von Fudschaira. Der Tag hat hier einen Rhythmus, den nicht der Terminkalender vorgibt, sondern das Gebet.

Wie du einen ganzen Tag mit dem Koran und der Sunnah gestaltest, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, erfährst du im Kapitel Islam im Alltag. Hier geht es um etwas anderes: um den Ort, an dem ein solcher Tag leichtfällt.

Gebetsräume, wo immer du bist

In Einkaufszentren, Bürotürmen, Krankenhäusern, an Flughäfen und an vielen Tankstellen findest du einen Gebetsraum mit Waschgelegenheit, meist getrennt für Männer und Frauen. In Hotelzimmern zeigt oft ein kleiner Pfeil die Qibla. Wer im Büro für ein paar Minuten zum Gebet geht, muss sich nicht erklären – es ist ganz normal. Und in fast jedem Wohnviertel steht eine Moschee in Gehweite.

Der Freitag

Der Freitag hat in den Emiraten einen besonderen Platz. Die Freitagspredigt wird in der Regel zentral von der offiziellen Behörde für islamische Angelegenheiten vorbereitet; sie ist ruhig und maßvoll und spricht oft über das tägliche Leben: Familie, Ehrlichkeit, Nachbarschaft, den Umgang mit der Natur. Als die Emirate 2022 ihr Wochenende auf Samstag und Sonntag verlegten, behielt der Freitag seinen Platz: In den Behörden endet die Arbeit vor dem Freitagsgebet, und die Moscheen füllen sich – oft bis auf die Gehwege hinaus.

Moscheen mit offenen Türen

Viele Moscheen laden ausdrücklich Besucher ein, auch Menschen anderer Religionen. Die Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi empfängt Gäste aus aller Welt, und in Dubai öffnet das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding unter dem Motto „Open Doors. Open Minds.“ die Jumeirah-Moschee für Führungen, Fragen und Gespräche bei arabischem Kaffee und Datteln. Mehr darüber erzählen die Kapitel über die wichtigsten Städte des Islam und die Moscheen der Welt.

Halal als Selbstverständlichkeit

O ihr Menschen, esst von dem, was es auf der Erde an Erlaubtem und Gutem gibt
Koran 2:168

In den Emiraten musst du danach nicht lange suchen.

Essen ohne Rätselraten

Ob im Restaurant, im Supermarkt oder in der kleinen Cafeteria an der Ecke: Fleisch ist hier in aller Regel halal, und die Emirate haben einen nationalen Halal-Standard mit staatlich überwachter Zertifizierung, auch für importierte Lebensmittel. Für viele Familien, die früher jedes Etikett prüfen mussten, ist das eine echte Erleichterung.

Ehrlich gesagt gehört auch das zum Bild: Für Nicht-Muslime gibt es in manchen Supermärkten eine eigene, deutlich gekennzeichnete Abteilung mit Schweinefleisch, und Alkohol wird in lizenzierten Lokalen ausgeschenkt. Halal ist die Regel, nicht die Ausnahme – und wer unsicher ist, achtet auf die Kennzeichnung und fragt nach.

Islamische Finanzen

Allah hat aber das Verkaufen erlaubt und das Zinsnehmen verboten
Koran 2:275

Aus diesem Grundsatz ist in den Emiraten eine ganze Branche gewachsen. Die Dubai Islamic Bank, 1975 gegründet, gilt weithin als erste islamische Geschäftsbank der Welt. Heute bieten viele Banken Konten, Haus- und Autofinanzierungen nach islamischen Regeln an: Statt Zinsen gibt es Handels-, Miet- und Beteiligungsmodelle, bei denen Gewinn und Risiko geteilt werden. Dazu kommen Takaful, eine Versicherung auf der Grundlage gegenseitiger Hilfe, und Sukuk, islamische Anleihen, die an den Börsen des Landes gehandelt werden. Eine zentrale Scharia-Behörde bei der Zentralbank wacht über die Regeln für die islamischen Banken.

Ehrlich bleibt aber auch: Gelehrte beurteilen manche Finanzprodukte unterschiedlich. Wer eine große Entscheidung trifft, etwa eine Hausfinanzierung, lässt sich gut beraten und fragt einen vertrauenswürdigen Gelehrten.

Dubai und die islamische Wirtschaft

Dubai hat sich das Ziel gesetzt, eine Hauptstadt der islamischen Wirtschaft zu werden: von Halal-Lebensmitteln und islamischen Finanzen bis zu Mode, Reisen und Bildung, die zu muslimischen Werten passen. Dahinter steht ein Gedanke, den der Islam von Anfang an kennt: Ehrlicher Handel ist eine gute Tat. Der Prophet ﷺ selbst war Kaufmann, bevor die Offenbarung begann. Was Koran und Sunnah über Ehrlichkeit im Geschäft sagen, liest du im Kapitel Islam im Alltag.

Ramadan, Eid und der Weg nach Mekka

Ramadan – das ganze Land fastet mit

Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis
Koran 2:185

Im Ramadan spürst du diesen Vers im ganzen Land. Die Arbeitszeiten werden gesetzlich verkürzt – in der Privatwirtschaft um zwei Stunden am Tag –, und Schulen und Behörden passen ihre Zeiten an. Kurz vor Sonnenuntergang werden die Straßen still, und an manchen Orten verkündet noch eine traditionelle Kanone das Fastenbrechen.

Moscheen, Familien und Wohltätigkeitsorganisationen laden in Iftar-Zelte und zu gemeinsamen Mahlzeiten ein, oft Arbeiter, Reisende und Nachbarn, die sie gar nicht kennen. Der Prophet ﷺ sagte: „Wer einem Fastenden das Fastenbrechen gibt, erhält den gleichen Lohn wie er, ohne dass vom Lohn des Fastenden etwas gemindert wird“ (at-Tirmidhi). Dazu kommen große Spendenkampagnen, in denen das Land Mahlzeiten und Hilfe für Bedürftige in vielen Ländern sammelt. Nach dem Ischa füllen sich die Moscheen zum Tarawih, und in den letzten zehn Nächten kommt das Nachtgebet hinzu. Wie der Ramadan selbst gelebt wird, erklärt das Kapitel Ramadan und das Fasten.

Eid – Feiertage für alle

Die beiden Feste, Eid al-Fitr und Eid al-Adha, sind gesetzliche Feiertage, ebenso der Tag von Arafat, das islamische Neujahr und der Geburtstag des Propheten ﷺ. Am Morgen des Eid strömen Familien in festlicher Kleidung zum Gebet, danach besucht man Eltern und Verwandte, und die Kinder freuen sich auf die Eidiya, kleine Geldgeschenke der Erwachsenen. Mehr über die Feste findest du im Kapitel Eid al-Fitr, Eid al-Adha und der islamische Kalender.

Hadsch und Umra – Mekka liegt nah

Von den Emiraten aus sind Mekka und Medina nur einen kurzen Flug entfernt. Viele Muslime, die hier leben, vollziehen die Umra mehrmals in ihrem Leben, manche jedes Jahr im Ramadan oder in den Ferien. Auch der Hadsch, die große Pilgerfahrt, wird von hier aus über zugelassene Veranstalter organisiert. Wie die Pilgerfahrt abläuft, erklärt das Kapitel Hadsch und Umra.

Ein Land des Korans und des Wissens

Koranzentren und Wettbewerbe

In jeder Stadt gibt es Koranzentren, in denen Kinder und Erwachsene lesen lernen, Tadschwid üben und auswendig lernen, oft am Nachmittag nach der Schule, auch in eigenen Kursen für Frauen. Seit 1997 ehrt die Dubai International Holy Quran Award jedes Jahr im Ramadan junge Huffaz aus aller Welt; wie sie funktioniert und wie du dich vorbereiten kannst, liest du im Kapitel über den Koranwettbewerb in Dubai. Daneben finden im ganzen Land Koranwettbewerbe für Schülerinnen, Schüler und junge Menschen statt.

Islamische Bildung in der Schule

Muslimische Kinder haben in den Emiraten an allen Schulen Islamische Erziehung als Pflichtfach, auch an den vielen internationalen Privatschulen, und Arabisch lernen alle Kinder. So wächst eine Generation heran, die den Koran kennt und zugleich Physik, Programmieren und mehrere Sprachen lernt.

Gelehrte statt Ratespiel

Für religiöse Fragen gibt es in den Emiraten verlässliche Ansprechpartner. 2017 wurde der UAE Council for Fatwa (Madschlis al-Imarat lil-Ifta' asch-Schar'i) unter dem Vorsitz von Scheich Abdullah bin Bayyah gegründet; er ordnet die Fatwa-Arbeit im Land. Dazu kommen die offiziellen Fatwa-Dienste der Behörden für islamische Angelegenheiten, bei denen du Gelehrten telefonisch oder online Fragen stellen kannst.

Traditionell folgen viele Emiratis der malikitischen Rechtsschule, und zugleich leben hier Muslime aller Rechtsschulen zusammen, Sunniten wie Schiiten. Mehr darüber erfährst du im Kapitel über die Rechtsschulen des Islam. Auf diesen Seiten geben wir bewusst keine Rechtsgutachten: Für deine persönlichen Fragen wende dich an einen qualifizierten Gelehrten.

Familie, Gastfreundschaft und Gemeinschaft

Im Herzen der emiratischen Gesellschaft steht die Familie. Eltern und Großeltern werden geehrt, Kinder wachsen mit vielen Cousins und Cousinen auf, und am Wochenende kommt die große Familie zusammen. Der Prophet ﷺ sagte: „Wer sich nicht der Jüngeren unter uns erbarmt und die Älteren unter uns nicht achtet, gehört nicht zu uns“ (at-Tirmidhi). Diese Achtung siehst du im Alltag: Man steht auf, wenn ein älterer Mensch den Raum betritt, man begrüßt zuerst die Ältesten und lässt ihnen den Vortritt.

Gahwa, Datteln und der Madschlis

Gastfreundschaft gehört zum Glauben: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der ehre seinen Gast“ (al-Bukhari und Muslim). In emiratischen Häusern bekommt jeder Gast Gahwa, arabischen Kaffee mit Kardamom, in kleinen Tassen, dazu Datteln. Der Gastgeber schenkt nach, bis der Gast die Tasse leicht hin und her schwenkt – das Zeichen für „danke, genug“. Im Madschlis, dem Empfangsraum, sitzen Nachbarn, Freunde und Fremde beieinander, reden, beraten sich und teilen Neuigkeiten. Der arabische Kaffee und der Madschlis stehen auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit – als Zeichen der Großzügigkeit und der Gemeinschaft.

Sicherheit und Sauberkeit

Viele Familien schätzen, wie sicher sie sich hier fühlen und wie gepflegt die Städte sind. Auch das hat mit dem Glauben zu tun: „Die Reinheit ist die Hälfte des Glaubens“ (Muslim), und der Prophet ﷺ zählte es zu den guten Taten, etwas Schädliches vom Weg zu entfernen (al-Bukhari und Muslim).

Toleranz, die aus dem Glauben wächst

„Es gibt keinen Zwang im Glauben“ Koran 2:256. In den Emiraten leben Menschen aus rund 200 Nationen zusammen – Muslime, Christen, Hindus, Sikhs, Buddhisten, Juden und viele andere. Kirchen, Tempel und ein Gurdwara haben hier ihren Platz, und Nachbarn verschiedener Religionen begegnen einander mit Freundlichkeit und Respekt.

In den letzten Jahren hat dieser Geist sichtbare Zeichen bekommen:

  • 2016 bekamen die Emirate erstmals einen eigenen Minister für Toleranz; heute gibt es das Ministerium für Toleranz und Koexistenz.
  • 2019 wurde zum Jahr der Toleranz erklärt. Im Februar desselben Jahres unterzeichneten Papst Franziskus und der Groß-Imam der al-Azhar, Scheich Ahmad at-Tayyib, in Abu Dhabi das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für den Weltfrieden und das Zusammenleben.
  • 2023 öffnete auf der Insel Saadiyat das Abrahamic Family House: eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge auf einem gemeinsamen Gelände.

Diese Offenheit kommt nicht trotz des Glaubens, sondern aus ihm. Allah sagt: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch“ Koran 49:13. Und: „Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten“ Koran 60:8.

Als einmal ein Trauerzug vorbeizog, stand der Prophet ﷺ auf. Man sagte ihm, es sei der Leichnam eines Juden. Er antwortete: „Ist es nicht eine Seele?“ (al-Bukhari und Muslim).

Toleranz heißt dabei nicht, dass alles gleich wird. Muslime bleiben Muslime, Christen bleiben Christen – aber man begegnet einander mit Würde, Freundlichkeit und Gerechtigkeit. Der Koran sagt: „Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht“ Koran 2:143 – fest im Glauben, maßvoll im Umgang.

Glaube und Fortschritt gehören zusammen

Manche meinen, man müsse sich zwischen Glauben und Moderne entscheiden. Die Emirate erzählen eine andere Geschichte – und der Koran auch. Immer wieder lädt er dazu ein, die Schöpfung zu betrachten:

In der Schöpfung der Himmel und der Erde und im Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen, die Allahs stehend, sitzend und auf der Seite (liegend) gedenken und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: ‚Unser Herr, Du hast (all) dies nicht umsonst erschaffen. Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers.‘
Koran 3:190–191

Und er lehrt das Bittgebet: „Mein Herr, lasse mich an Wissen zunehmen“ Koran 20:114. Der Prophet ﷺ sagte: „Wer einen Weg beschreitet, um darauf Wissen zu suchen, dem erleichtert Allah dadurch einen Weg ins Paradies“ (Muslim).

Expo 2020 Dubai

Mit der Expo 2020 Dubai fand die erste Weltausstellung in der arabischen Welt statt; wegen der Pandemie wurde sie von Oktober 2021 bis März 2022 ausgerichtet. Unter dem Motto „Connecting Minds, Creating the Future“ zeigten Länder aus aller Welt ihre Ideen für die Zukunft – in einem Land, in dem zur gleichen Zeit fünfmal am Tag zum Gebet gerufen wurde.

Das Museum der Zukunft

Seit 2022 steht in Dubai das Museum of the Future, ein silbern glänzender Ring mit einer Öffnung in der Mitte. Seine Fassade ist ganz mit arabischer Kalligrafie bedeckt: Worte von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum über die Zukunft, gestaltet von dem emiratischen Künstler Mattar bin Lahej. Die Fenster des Gebäudes sind die Buchstaben selbst. Ein Haus für Zukunftstechnologie, das in der Schrift spricht, in der auch der Koran geschrieben ist – deutlicher kann man kaum zeigen, dass Tradition und Fortschritt zusammengehören.

Die Sonde Hope

Im Februar 2021 erreichte die emiratische Sonde Hope (al-Amal, „die Hoffnung“) die Umlaufbahn des Mars – die erste interplanetare Mission der arabischen Welt. Sie erforscht die Atmosphäre und das Wetter des Roten Planeten; entwickelt hat sie ein junges emiratisches Team aus Ingenieurinnen und Ingenieuren gemeinsam mit internationalen Partnern. Wenn du nachts in der Wüste den Sternenhimmel betrachtest, verstehst du den Vers: „Schauen sie denn nicht auf die Kamele, wie sie erschaffen worden sind, und auf den Himmel, wie er emporgehoben worden ist, und auf die Berge, wie sie aufgerichtet worden sind, und auf die Erde, wie sie flach ausgebreitet worden ist?“ Koran 88:17–20.

Louvre Abu Dhabi

Seit 2017 zeigt der Louvre Abu Dhabi unter seiner großen Kuppel Kunst aus den Kulturen der ganzen Menschheit, Seite an Seite. In einem der Säle liegen ein Koran, eine Bibel und eine Thora nebeneinander aufgeschlagen – ein stilles Bild für das, was dieses Land sein möchte: ein Ort, an dem man voneinander lernt. Und der Prophet ﷺ sagte: „Allah ist schön, und Er liebt die Schönheit“ (Muslim).

Smarte Verwaltung und Nachhaltigkeit

Viele Behördengänge erledigst du hier per App, von der Aufenthaltsgenehmigung bis zum Führerschein. Und mit Masdar City in Abu Dhabi entsteht ein Stadtviertel, das auf erneuerbare Energie und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen setzt. Auch das passt zum Islam: Der Mensch ist auf der Erde ein Treuhänder, kein Verschwender – „esst und trinkt, aber seid nicht maßlos“ Koran 7:31. Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn die Stunde anbricht und einer von euch hat einen Palmsetzling in der Hand, und er kann ihn noch pflanzen, bevor sie anbricht, dann soll er ihn pflanzen“ (Ahmad; al-Bukhari in al-Adab al-Mufrad). In einem Land der Dattelpalmen versteht man diesen Satz sofort.

Was Neuankömmlinge besonders schätzen

Wer als Muslim in die Emirate zieht, erzählt oft dasselbe:

  • Beten ohne Umstände: Gebetsräume bei der Arbeit, im Einkaufszentrum, am Flughafen – und Kollegen, die das selbstverständlich finden.
  • Halal überall: kein Etikettenlesen beim Einkaufen, keine langen Fragen im Restaurant.
  • Islamische Feiertage sind Feiertage: Eid al-Fitr, der Tag von Arafat, Eid al-Adha, das islamische Neujahr und der Geburtstag des Propheten ﷺ.
  • Arabisch und Englisch überall: Schilder, Formulare und Behörden sprechen beide Sprachen, und du hörst jeden Tag Arabisch – eine schöne Gelegenheit, die Sprache des Korans zu lernen (Arabisch lernen).
  • Gemeinschaft: Moscheen, Koranzentren und Iftars, bei denen Menschen aus vielen Ländern zusammensitzen.
  • Kinder wachsen mit dem Islam auf: in der Schule, in der Moschee und mit den Festen des Jahres.

Respektvoll zu Gast

Wenn du die Emirate besuchst, gleich welcher Religion, helfen ein paar einfache Gesten:

  • Kleidung: An öffentlichen Orten wie Einkaufszentren und Behörden ist schlichte Kleidung angemessen. In Moscheen bedecken Männer und Frauen Schultern und Knie, Frauen auch das Haar; in großen Moscheen bekommst du passende Kleidung oft vor Ort.
  • Im Ramadan: Nicht-Muslime fasten nicht, aber es ist eine freundliche Geste, tagsüber in der Öffentlichkeit nicht demonstrativ zu essen, zu trinken oder zu rauchen.
  • Beim Gebet: Geh nicht direkt vor einem betenden Menschen vorbei, und mach die Musik leiser, wenn der Adhan ruft – viele tun das ganz von selbst.
  • Begegnungen: Ob Männer und Frauen einander die Hand geben, ist unterschiedlich; warte einfach ab, ob dir die Hand gereicht wird. Eine Hand auf dem Herzen ist ein ebenso herzlicher Gruß.
  • Fotos: Frag, bevor du Menschen fotografierst, besonders Frauen und Familien.
  • Gahwa: Nimm die Tasse mit der rechten Hand – und schwenke sie leicht, wenn du genug hast.

Ein ehrliches Wort: Der Ort hilft, das Herz entscheidet

So schön es hier ist – kein Land nimmt dir dein eigenes Bemühen ab. Auch in Dubai musst du den Wecker für das Fajr stellen, und auch hier kann das Leben zwischen Arbeit, Einkaufszentren und Bildschirmen so voll werden, dass das Gebet nach hinten rutscht. Ein guter Ort ist eine Hilfe, kein Ersatz. Allah sagt: „Gewiss, Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist“ Koran 13:11. Und der Prophet ﷺ sagte: „Allah schaut nicht auf eure Gestalt und euren Besitz, sondern Er schaut auf eure Herzen und eure Taten“ (Muslim).

Ebenso wichtig: Den Islam kann man überall leben, in Berlin wie in Jakarta, in Toronto wie in Kairo. Muslime auf der ganzen Welt bewahren ihren Glauben mit Liebe und Geduld. Die Emirate sind nicht der einzige gute Ort – aber ein Ort, an dem vieles leichter fällt. Was du daraus machst, entscheidet dein Herz: „Diejenigen aber, die sich um Unsertwillen abmühen, werden Wir ganz gewiss Unsere Wege leiten. Und Allah ist wahrlich mit den Gutes Tuenden“ Koran 29:69.

Eine Einladung

Ob du hier lebst, zu Besuch kommst oder einfach neugierig bist: Herzlich willkommen. Komm in eine Moschee, trink einen Kaffee im Madschlis, frag, was dich bewegt. Und nimm den Geist dieses Landes mit nach Hause – Glaube, Wissen und Gastfreundschaft, zusammen mit der Moderne.

Wenn du weiterlesen möchtest:

Der Prophet ﷺ sagte: „Erleichtert und erschwert nicht, verkündet frohe Botschaft und schreckt nicht ab“ (al-Bukhari und Muslim). In diesem Geist laden wir dich ein: Fang heute an – mit einem Vers.

Häufige Fragen

Kann man den Islam in den Emiraten gut leben?

Ja, in vieler Hinsicht. Der Adhan ruft fünfmal am Tag, es gibt Gebetsräume in Einkaufszentren, Büros und Flughäfen, halal ist beim Essen die Regel, und die islamischen Feste sind gesetzliche Feiertage. Das eigene Bemühen nimmt dir aber kein Ort ab: Für das Fajr musst du trotzdem aufstehen, und das Herz braucht überall Pflege.

Müssen Nicht-Muslime im Ramadan fasten?

Nein. Das Fasten ist eine Pflicht für erwachsene, gesunde Muslime. Nicht-Muslime sind beim Iftar herzlich willkommen; es ist eine freundliche Geste, tagsüber in der Öffentlichkeit nicht demonstrativ zu essen, zu trinken oder zu rauchen.

Ist in den Emiraten alles Essen halal?

Halal ist die Regel: Fleisch in Restaurants und Supermärkten ist normalerweise halal, und ein nationaler Halal-Standard regelt die Zertifizierung. In manchen Supermärkten gibt es eine eigene, deutlich gekennzeichnete Abteilung für Nicht-Muslime, und Alkohol wird in lizenzierten Lokalen ausgeschenkt. Wer unsicher ist, achtet auf die Kennzeichnung und fragt nach.

Wie passen Islam und Moderne zusammen?

Der Koran lädt dazu ein, über die Schöpfung nachzudenken (Koran 3:190–191), und lehrt das Bittgebet „Mein Herr, lasse mich an Wissen zunehmen“ (Koran 20:114). In den Emiraten siehst du das: eine Sonde am Mars, ein Museum der Zukunft mit arabischer Kalligrafie auf der Fassade – und über allem der Adhan. Wissen und Glaube gehören zusammen.

Welche islamischen Feiertage sind in den Emiraten frei?

Eid al-Fitr, der Tag von Arafat, Eid al-Adha, das islamische Neujahr und der Geburtstag des Propheten ﷺ. Die Daten richten sich nach dem islamischen Mondkalender und werden jedes Jahr offiziell bekannt gegeben.

Wo bekomme ich verlässliche Antworten auf religiöse Fragen?

Bei den offiziellen Fatwa-Diensten der Behörden für islamische Angelegenheiten, beim Imam deiner Moschee und bei qualifizierten Gelehrten deiner Rechtsschule. Seit 2017 ordnet der UAE Council for Fatwa die Fatwa-Arbeit im Land. Diese Seiten geben einen Überblick, keine Rechtsgutachten.

Quellen

  • Koran 2:143, 2:168, 2:185, 2:256, 2:275, 3:190–191, 7:31, 13:11, 20:114, 29:69, 49:13, 60:8, 88:17–20
  • Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim – Ehre für den Gast; Schädliches vom Weg entfernen; das Aufstehen für einen Trauerzug („Ist es nicht eine Seele?“); „Erleichtert und erschwert nicht“ (Anas)
  • Sahih Muslim – „Die Reinheit ist die Hälfte des Glaubens“; der Weg, um Wissen zu suchen; „Allah schaut auf eure Herzen und eure Taten“; „Allah ist schön, und Er liebt die Schönheit“
  • Dschami' at-Tirmidhi – Lohn für das Fastenbrechen eines Fastenden; Barmherzigkeit mit den Jüngeren, Achtung vor den Älteren
  • Musnad Ahmad und al-Bukhari, al-Adab al-Mufrad – der Palmsetzling
  • Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für den Weltfrieden und das Zusammenleben, Abu Dhabi, Februar 2019
  • Ministerium für Toleranz und Koexistenz der VAE (erster Minister für Toleranz 2016); Jahr der Toleranz 2019; Abrahamic Family House, Abu Dhabi (2023); UAE Council for Fatwa (2017)
  • Dubai Islamic Bank (gegründet 1975); Emirates Mars Mission – Sonde Hope (Mars-Umlaufbahn 2021); Expo 2020 Dubai; Museum of the Future, Dubai (2022); Louvre Abu Dhabi (2017)
  • UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes: Arabischer Kaffee als Symbol der Großzügigkeit; der Madschlis als kultureller und sozialer Raum

Diese Seiten geben einen Überblick. Für religiöse Fragen deines Alltags wende dich an einen qualifizierten Gelehrten deiner Rechtsschule.

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