Islam verstehen

Kapitel 22Imam Abu Hanifa und seine Schüler

Die hanafitische Rechtsschule

Die hanafitische Schule ist die am weitesten verbreitete Rechtsschule der muslimischen Welt – von Istanbul bis Sarajevo, von Buchara bis Lahore. Sie geht auf Imam Abu Hanifa an-Nu'man ibn Thabit zurück, möge Allah ihm barmherzig sein, der in Kufa lehrte und von späteren Generationen „der größte Imam“ genannt wurde. In diesem Kapitel lernst du ihn, seine großen Schüler, seine Methode und die Spuren seiner Schule in der Geschichte kennen.

11 Min. Lesezeit

150 n. H.
Tod von Imam Abu Hanifa in Bagdad (767 n. Chr.)
Kufa
Stadt, in der er lebte, lernte und lehrte
2
große Schüler: Abu Yusuf und Muhammad asch-Schaibani
6
Werke asch-Schaibanis, die als „Zahir ar-Riwaya“ die Grundlage der Schule bilden

Der Imam: Abu Hanifa an-Nu'man ibn Thabit

Imam Abu Hanifa, mit vollem Namen an-Nu'man ibn Thabit, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde nach der bekanntesten Überlieferung im Jahr 80 nach der Hidschra in Kufa im heutigen Irak geboren. Seine Familie stammte aus Persien. Kufa war damals eine der großen Städte der islamischen Welt: Viele Gefährten des Propheten ﷺ hatten sich dort niedergelassen, darunter der große Gelehrte Abdullah ibn Mas'ud, möge Allah mit ihm zufrieden sein, den Umar ibn al-Chattab als Lehrer in die Stadt geschickt hatte. Ali ibn Abi Talib machte Kufa später zu seiner Hauptstadt. So war die Stadt erfüllt von Wissen, Debatten und Lehrkreisen.

Abu Hanifa war zunächst ein Händler für feine Stoffe, und er blieb es sein Leben lang. Über seine Ehrlichkeit im Handel werden viele Geschichten erzählt: dass er Käufer auf Mängel der Ware hinwies, dass er lieber auf Gewinn verzichtete, als jemanden zu übervorteilen, und dass er großzügig für seine Schüler sorgte, damit sie sich ganz dem Lernen widmen konnten. Diese Nähe zum Markt hat seinen Fiqh geprägt: Er wusste, wie Menschen wirklich leben, handeln und Verträge schließen.

Nach vielen Berichten hat er in seiner Jugend den Gefährten Anas ibn Malik, möge Allah mit ihm zufrieden sein, gesehen. Darum zählen ihn viele Gelehrte zu den Tabi'un, der Generation nach den Gefährten.

Seine Lehrer

Sein wichtigster Lehrer war Hammad ibn Abi Sulaiman, bei dem er viele Jahre lang lernte, bis zu dessen Tod. Danach übernahm Abu Hanifa dessen Lehrkreis in der Moschee von Kufa. Über Hammad reicht die Kette seines Wissens zurück zu Ibrahim an-Nacha'i, zu Alqama ibn Qais und schließlich zu Abdullah ibn Mas'ud und Ali ibn Abi Talib. Die hanafitische Schule ist also tief in der Gelehrsamkeit der Gefährten verwurzelt, die in Kufa lebten.

Abu Hanifa reiste auch zur Pilgerfahrt nach Mekka und Medina und begegnete dort Gelehrten seiner Zeit. Es wird überliefert, dass er auch bei Imam Dscha'far as-Sadiq Wissen suchte und ihn hoch verehrte.

Sein Charakter

Die Quellen beschreiben Abu Hanifa als einen Mann von großer Frömmigkeit, der viel in der Nacht betete und den Quran oft rezitierte. Er war scharfsinnig und schlagfertig, aber zugleich geduldig und mild gegenüber denen, die ihn kritisierten. Er war bekannt dafür, dass er auf Fragen nicht vorschnell antwortete, sondern sie mit seinen Schülern gründlich durchdachte.

Seine Prüfung

Abu Hanifa lebte in einer Zeit großer Umbrüche: Er erlebte das Ende der Umayyaden und den Beginn der Abbasiden. Nach verbreiteten Berichten wurde ihm mehr als einmal das Amt des obersten Richters angeboten, und er lehnte es ab – aus Sorge, er könnte gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu urteilen. Dafür wurde er bestraft und eingesperrt. Er starb im Jahr 150 nach der Hidschra (767 n. Chr.) in Bagdad. Sein Grab liegt im Stadtteil, der nach ihm al-A'zamiyya heißt – nach seinem Ehrentitel al-Imam al-A'zam, „der größte Imam“. Im selben Jahr, so bemerken die Gelehrten gerne, wurde Imam asch-Schafi'i geboren.

Die großen Schüler

Ein Lehrer lebt in seinen Schülern weiter. Abu Hanifa hatte viele, doch zwei ragen heraus. Die Hanafiten nennen sie gemeinsam mit ihrem Lehrer manchmal die „drei Imame“ der Schule.

Abu Yusuf

Ya'qub ibn Ibrahim, bekannt als Abu Yusuf (gest. 182 n. H. / 798 n. Chr.), möge Allah ihm barmherzig sein, kam aus einfachen Verhältnissen. Es wird erzählt, dass Abu Hanifa seine Familie unterstützte, damit er weiter lernen konnte. Abu Yusuf war auch ein bedeutender Hadith-Kenner. Unter dem abbasidischen Kalifen Harun ar-Raschid wurde er oberster Richter (Qadi al-Qudat) – nach vielen Historikern der erste, der diesen Titel trug. Dadurch prägte die hanafitische Schule über Generationen die Rechtsprechung im Abbasidenreich.

Sein bekanntestes Werk ist das Kitab al-Charadsch, eine Abhandlung über Steuern, Staatsfinanzen und gerechte Verwaltung, die er für Harun ar-Raschid schrieb. Darin mahnt er den Herrscher immer wieder, gerecht gegenüber den Menschen zu sein, auch gegenüber den Nichtmuslimen unter seinem Schutz.

Muhammad ibn al-Hasan asch-Schaibani

Muhammad ibn al-Hasan asch-Schaibani (gest. 189 n. H. / 805 n. Chr.), möge Allah ihm barmherzig sein, war noch jung, als Abu Hanifa starb. Er lernte danach bei Abu Yusuf weiter und reiste nach Medina, wo er mehrere Jahre bei Imam Malik studierte. Er überlieferte eine eigene Fassung von Maliks al-Muwatta. Später wurde er selbst Lehrer des jungen Imam asch-Schafi'i. So verbinden sich in seiner Person drei der großen Schulen.

Asch-Schaibani war der große Schreiber der Schule. Seine Werke wurden zur Grundlage alles Späteren. Sechs von ihnen nennen die Hanafiten Zahir ar-Riwaya, die Bücher der „offenkundigen“, also gesicherten Überlieferung:

  • al-Asl (auch al-Mabsut genannt)
  • al-Dschami' as-Saghir
  • al-Dschami' al-Kabir
  • az-Ziyadat
  • as-Siyar as-Saghir
  • as-Siyar al-Kabir

Mit seinen Siyar-Werken schrieb er über das Verhalten zwischen Staaten, über Verträge, Gesandte, Kriegsführung und den Schutz von Nichtkämpfern. Deshalb wird er heute oft als einer der frühen Begründer des Völkerrechts gewürdigt.

Weitere Schüler

Zu den bekannten Schülern gehören auch Zufar ibn al-Hudhail, der für seine Meisterschaft im Analogieschluss bekannt war, und al-Hasan ibn Ziyad. Die Meinungen dieser Schüler weichen in nicht wenigen Fragen von denen ihres Lehrers ab – und gerade das ist typisch für die Schule: Sie hat diese Meinungen bewahrt, geprüft und in späteren Zeiten manchmal einer Schülermeinung den Vorzug gegeben.

Die Methode der Hanafiten

Die Hanafiten werden oft Ahl ar-Ra'y genannt, die „Leute der begründeten Meinung“. Damit ist nicht gemeint, dass sie sich weniger an die Texte gehalten hätten, sondern dass sie besonders sorgfältig über die Gründe und Ziele der Urteile nachdachten. Es wird von Abu Hanifa überliefert, dass er sinngemäß sagte: „Ich nehme aus dem Buch Allahs. Finde ich darin nichts, nehme ich aus der Sunna des Gesandten Allahs ﷺ. Finde ich auch darin nichts, nehme ich die Aussagen seiner Gefährten, wähle unter ihnen und gehe nicht über sie hinaus. Wenn es aber zu den Gelehrten der Nachfolgegeneration kommt, so haben sie sich bemüht, und auch ich bemühe mich.“

Daraus ergibt sich die Reihenfolge der Quellen:

  1. Der Quran, dessen allgemeine Aussagen die Hanafiten besonders stark gewichten.
  2. Die Sunna des Propheten ﷺ. Bei Einzelüberlieferungen (Chabar al-Wahid) prüften die Hanafiten sorgfältig, ob sie mit den gesicherten Grundsätzen übereinstimmen, besonders wenn es um Dinge ging, die alle Menschen täglich betreffen.
  3. Die Aussagen der Gefährten – man wählte unter ihnen, ging aber nicht über sie hinaus.
  4. Idschma', der Konsens der Gelehrten.
  5. Qiyas, der Analogieschluss, in dem Abu Hanifa und seine Schüler als Meister galten.
  6. Istihsan, die „Billigung“: eine begründete Abweichung von der naheliegenden Analogie, wenn ein stärkerer Beleg, ein Konsens oder eine Notwendigkeit es verlangt. Ein bekanntes Beispiel: Nach strenger Analogie wäre ein Werkvertrag über etwas, das noch gar nicht existiert, unwirksam. Weil die Menschen aber schon immer Schuhe, Möbel oder Häuser auf Bestellung anfertigen ließen, erkannte die Schule diesen Vertrag (Istisna') an.
  7. 'Urf, der Brauch der Menschen, soweit er den Texten nicht widerspricht.

Hinzu kommt eine Besonderheit: der „vorausschauende Fiqh“. Abu Hanifa und seine Schüler besprachen auch Fragen, die noch nicht eingetreten waren: „Was wäre, wenn …?“ So bereiteten sie die Umma auf Situationen vor, bevor sie entstanden. Es wird berichtet, dass Abu Hanifa schwierige Fragen nicht allein entschied, sondern sie mit seinen Schülern in einer Art Beratungsrunde diskutierte, bis sich eine Meinung herausbildete.

Ein schöner Satz, der Abu Hanifa – wie auch den anderen Imamen – zugeschrieben wird, lautet: „Wenn ein Hadith gesichert ist, dann ist er meine Schule.“ Darin zeigt sich die Demut der großen Imame vor der Sunna des Propheten ﷺ.

Auch die Glaubenslehre ist mit der Schule verbunden: Viele Hanafiten folgen in der Aqida der Schule von Abu Mansur al-Maturidi (gest. 333 n. H. / 944 n. Chr.) aus Samarkand. Der kurze Glaubenstext al-'Aqida at-Tahawiyya des Hanafiten Abu Dscha'far at-Tahawi (gest. 321 n. H. / 933 n. Chr.) wird bis heute in vielen Schulen aller Richtungen gelehrt. Ein frühes Glaubensbuch, al-Fiqh al-Akbar, wird Abu Hanifa selbst zugeschrieben.

Die großen Werke der Schule

Über die Jahrhunderte schrieben hanafitische Gelehrte eine riesige Bibliothek. Einige Werke haben besondere Bedeutung:

  • Mukhtasar al-Quduri von Abu l-Husain al-Quduri – ein knappes Lehrbuch, mit dem Generationen von Schülern begannen.
  • al-Mabsut von Schams al-A'imma as-Sarachsi – ein gewaltiger Kommentar in vielen Bänden.
  • Bada'i' as-Sana'i' von Abu Bakr al-Kasani (gest. 587 n. H. / 1191 n. Chr.) – berühmt für seine klare Ordnung.
  • al-Hidaya von Burhan ad-Din al-Marghinani (gest. 593 n. H. / 1197 n. Chr.) aus dem Fergana-Tal – vielleicht das einflussreichste Lehrbuch der Schule. Es wurde unzählige Male kommentiert, am bekanntesten in Fath al-Qadir von Ibn al-Humam. In den Medresen von Istanbul bis Indien wurde es jahrhundertelang gelehrt.
  • Kanz ad-Daqa'iq von Abu l-Barakat an-Nasafi und Multaqa al-Abhur von Ibrahim al-Halabi – Lehrtexte, die besonders im Osmanischen Reich verbreitet waren.
  • Radd al-Muhtar von Ibn Abidin (gest. 1252 n. H. / 1836 n. Chr.) aus Damaskus – bis heute das wichtigste Nachschlagewerk für hanafitische Fatwas.
  • al-Fatawa al-Hindiyya, auch al-Fatawa al-'Alamgiriyya genannt – eine große Fatwa-Sammlung, die unter dem Mogulherrscher Aurangzeb von einem Gelehrtenkreis zusammengestellt wurde.

In der Rechtsmethodik (Usul al-Fiqh) entwickelten Gelehrte wie al-Dschassas, ad-Dabusi, al-Bazdawi und as-Sarachsi eine eigene Schule, die von den einzelnen Urteilen der Imame ausgeht und daraus die Regeln erschließt.

Die Verbreitung der Schule

Durch Abu Yusuf und die Richter der Abbasidenzeit verbreitete sich die Schule zuerst im Irak und in den östlichen Ländern. In Chorasan und Transoxanien – in Städten wie Buchara, Samarkand und Balch – blühte sie besonders auf. Von dort trugen sie die Seldschuken nach Westen.

Unter den Osmanen wurde die hanafitische Schule zur offiziellen Schule des Reiches: Richter wurden nach ihr ausgebildet, und der Scheich ul-Islam in Istanbul war ein Hanafit. Zwischen 1869 und 1876 entstand mit der Mecelle (Madschallat al-Ahkam al-'Adliyya) ein Gesetzbuch des Zivilrechts auf hanafitischer Grundlage, das in manchen Ländern noch lange nach dem Ende des Reiches galt. Auch unter den Mogulherrschern in Indien war die Schule maßgeblich.

Heute folgen ihr Muslime unter anderem

  • in der Türkei und auf dem Balkan – in Bosnien, Albanien, im Kosovo, in Nordmazedonien,
  • in Zentralasien – in Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan,
  • in Südasien – in Pakistan, Indien, Bangladesch und Afghanistan,
  • bei den Muslimen in Russland, im Kaukasus und in China,
  • in Teilen des Irak, Syriens, Jordaniens, des Libanon und Ägyptens,
  • und in vielen muslimischen Gemeinden in Europa und Nordamerika, die aus diesen Ländern stammen.

Auch in den Emiraten begegnet man der hanafitischen Schule auf Schritt und Tritt: Viele Muslime aus Südasien, Zentralasien und der Türkei leben, arbeiten und beten hier – Seite an Seite mit ihren malikitischen, schafiitischen, hanbalitischen und schiitischen Geschwistern.

Was ein Laie im Alltag bemerkt

Wer mit Hanafiten betet, bemerkt kleine Unterschiede zu anderen Schulen. Sie sind kein Grund zur Trennung, sondern ein Zeichen dafür, dass die Gelehrten die Sunna mit großer Sorgfalt erforscht haben. Einige Beispiele:

  • Die Hände im Gebet: Männer heben die Hände nur beim ersten Takbir und legen sie dann unterhalb des Nabels übereinander.
  • Hinter dem Imam: Wer hinter einem Imam betet, rezitiert die Fatiha nicht selbst, sondern hört zu – der Imam rezitiert für die ganze Gemeinschaft.
  • Das „Amin“ wird leise gesprochen.
  • Das Witr-Gebet hat drei Rak'as mit einem Gruß am Ende; das Bittgebet (Qunut) wird in der dritten Rak'a vor der Verbeugung gesprochen. Es gilt in der Schule als Wadschib.
  • Wadschib: Die Hanafiten kennen zwischen „Pflicht“ (Fard) und „empfohlen“ (Sunna) eine eigene Stufe, das Wadschib – etwas Verpflichtendes, dessen Beleg aber nicht den höchsten Grad an Gewissheit erreicht.
  • Die Gebetszeiten: Das Nachmittagsgebet beginnt nach der Lehre Abu Hanifas etwas später als in anderen Schulen; viele Gebetskalender zeigen deshalb eine eigene „hanafitische“ Asr-Zeit. Das Morgengebet wird gerne gebetet, wenn es schon etwas heller geworden ist.
  • Die Gebetswaschung: Fließendes Blut aus einer Wunde hebt sie auf; die bloße Berührung einer Frau dagegen nicht.

Für die genauen Regeln deines eigenen Gebets frag einen Gelehrten deiner Schule.

Der Beitrag zur islamischen Zivilisation

Die hanafitische Schule hat über viele Jahrhunderte die Gerichte, Märkte und Verwaltungen großer Reiche geprägt. Ihre Gelehrten haben Vertrags- und Handelsrecht, Familien- und Erbrecht, das Recht der frommen Stiftungen (Waqf) und das Verhältnis zu anderen Völkern mit bemerkenswerter Genauigkeit durchdacht. Ihr Sinn für das Leben der einfachen Menschen und für den Brauch einer Gesellschaft machte sie anpassungsfähig – von den Steppen Zentralasiens bis zu den Städten des Balkans.

Imam asch-Schafi'i, möge Allah ihm barmherzig sein, soll gesagt haben: „Die Menschen sind im Fiqh auf Abu Hanifa angewiesen.“ Dass ein Imam einer anderen Schule so über ihn sprach, sagt viel über die Größe Abu Hanifas – und über die Größe dessen, der so sprach.

Zum Abschluss

Abu Hanifa war ein Händler, der ehrlich wog, ein Gelehrter, der tief nachdachte, und ein Diener Allahs, der lieber ins Gefängnis ging, als ein ungerechtes Urteil zu sprechen. Seine Schüler trugen sein Wissen weiter, und heute folgen Hunderte Millionen Muslime seiner Schule – meist, ohne es zu wissen, in jeder Bewegung ihres Gebets.

Möge Allah ihm, Abu Yusuf, Muhammad asch-Schaibani und allen Gelehrten dieser Schule barmherzig sein. Und möge Er uns lehren, von allen Imamen mit Liebe zu lernen. Mehr über die anderen Schulen erfährst du im Überblick über die Rechtsschulen des Islam und im Kapitel über die Malikiten.

Häufige Fragen

Warum heißt Abu Hanifa „der größte Imam“?

Der Ehrentitel *al-Imam al-A'zam* drückt die Hochachtung seiner Schüler und Anhänger aus: Er gehört zur frühesten Generation der großen Rechtsgelehrten, und seine Schule wurde zur am weitesten verbreiteten. Er ist kein Urteil über andere Imame, die alle ihren eigenen hohen Rang haben.

Haben die Hanafiten weniger auf Hadithe geachtet?

Nein. Abu Hanifa stellte den Quran und die Sunna an die erste Stelle. Er prüfte Einzelüberlieferungen allerdings besonders sorgfältig auf ihre Übereinstimmung mit gesicherten Grundsätzen. Seine Schüler Abu Yusuf und asch-Schaibani waren auch bedeutende Hadith-Kenner, und große Hadith-Gelehrte wie at-Tahawi waren Hanafiten.

Was ist al-Hidaya?

Ein Lehrbuch des hanafitischen Fiqh von Burhan ad-Din al-Marghinani (gest. 593 n. H.). Es wurde zu einem der meistgelehrten und meistkommentierten Werke der Schule und wird bis heute in vielen Medresen unterrichtet.

Wo wird die hanafitische Schule heute befolgt?

Unter anderem in der Türkei, auf dem Balkan, in Zentralasien, in Pakistan, Indien, Bangladesch und Afghanistan, bei den Muslimen in Russland und China, in Teilen der arabischen Welt sowie in vielen Gemeinden in Europa und Nordamerika.

Darf ein Hanafit hinter einem Imam einer anderen Schule beten?

Ja. Muslime verschiedener Schulen beten seit jeher hintereinander, in Mekka und Medina ebenso wie in den Moscheen der Emirate. Für Einzelfragen zu deiner eigenen Situation frag einen Gelehrten deiner Schule.

Quellen

  • Muhammad ibn al-Hasan asch-Schaibani: al-Asl, al-Dschami' as-Saghir, al-Dschami' al-Kabir, az-Ziyadat, as-Siyar al-Kabir
  • Abu Yusuf: Kitab al-Charadsch
  • Abu Dscha'far at-Tahawi: al-'Aqida at-Tahawiyya
  • Schams al-A'imma as-Sarachsi: al-Mabsut
  • Abu Bakr al-Kasani: Bada'i' as-Sana'i' fi Tartib asch-Schara'i'
  • Burhan ad-Din al-Marghinani: al-Hidaya; Ibn al-Humam: Fath al-Qadir
  • Ibn Abidin: Radd al-Muhtar 'ala ad-Durr al-Muchtar
  • Muhammad Abu Zahra: Abu Hanifa – Hayatuhu wa-'Asruhu, Ara'uhu wa-Fiqhuhu
  • Wael B. Hallaq: An Introduction to Islamic Law (Cambridge University Press)

Diese Seiten geben einen Überblick. Für religiöse Fragen deines Alltags wende dich an einen qualifizierten Gelehrten deiner Rechtsschule.

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