Islam verstehen

Kapitel 16Wettbewerb & Vorbereitung

Der Koranwettbewerb in Dubai – und wie du dich vorbereitest

Jedes Jahr im Ramadan kommen junge Huffaz aus vielen Ländern nach Dubai, um vor einer Jury den Koran aus dem Gedächtnis vorzutragen. Die Dubai International Holy Quran Award wurde 1997 unter der Schirmherrschaft Seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum ins Leben gerufen und ist heute weltweit bekannt. Hier erfährst du, was die Auszeichnung ist, worauf Jurys achten – und wie du dich Schritt für Schritt, mit Geduld und aufrichtiger Absicht, vorbereiten kannst.

10 Min. Lesezeit

1997
Gründung der Auszeichnung
Ramadan
Zeit des internationalen Wettbewerbs
Dubai
Austragungsort
4
Kernbereiche der Bewertung: Hifz, Tadschwid, Vortrag, Waqf

Die Dubai International Holy Quran Award

Die Dubai International Holy Quran Award (DIHQA), auf Arabisch Dscha'izat Dubai ad-Dawliyya lil-Qur'an al-Karim, wurde 1997 unter der Schirmherrschaft Seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum gegründet. Seitdem findet ihr internationaler Wettbewerb jedes Jahr im gesegneten Monat Ramadan in Dubai statt. Junge Huffaz – Menschen, die den ganzen Koran auswendig können – reisen aus vielen Ländern an, entsandt über die offiziellen Stellen ihrer Heimat, und tragen vor einer Jury aus erfahrenen Gelehrten und Qurra' vor.

Wer einmal in einer dieser Ramadan-Nächte im Saal saß, vergisst es nicht: ein junger Mensch, oft kaum erwachsen, nervös am Mikrofon, und dann – sobald die Jury einen Vers nennt – eine ruhige, klare Stimme, die genau dort weiterliest, wo sie gefragt wurde. Die Auszeichnung hat vielen Familien weltweit gezeigt, dass das Auswendiglernen des Korans keine Geschichte aus vergangenen Jahrhunderten ist, sondern lebendig bleibt. Für diese Förderung des Buches Allahs sind wir Seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Rashid von Herzen dankbar. Möge Allah ihn dafür reichlich belohnen.

Was zur Auszeichnung gehört

  • Der internationale Auswendiglern-Wettbewerb: das Herzstück. Teilnehmende aus vielen Ländern werden in ihrem Hifz, ihrem Tadschwid und ihrem Vortrag geprüft.
  • Die Islamische Persönlichkeit des Jahres: eine Ehrung für eine Person oder Institution, die sich in besonderer Weise um den Koran und den Islam verdient gemacht hat.
  • Weitere Wettbewerbe und Programme: Dazu gehört ein Koranwettbewerb für Frauen, der den Namen von Scheicha Hind bint Maktoum trägt, außerdem weitere Wettbewerbe und Veranstaltungen rund um den Koran, etwa Vorträge im Ramadan.

Wie viele Kategorien es in einem bestimmten Jahr gibt, welche Altersgrenzen gelten und wie man nominiert wird, kann sich ändern. Dazu mehr am Ende dieses Kapitels.

Worauf eine Jury achtet

Jede Jury hat ihre eigenen Bewertungsbögen, und die genauen Punkte sind Sache der Veranstalter. Aber in Koranwettbewerben weltweit tauchen immer dieselben Bereiche auf. Wenn du sie kennst, weißt du, worauf du hinarbeitest.

1. Hifz – die Genauigkeit des Auswendiglernens

Die Jury nennt den Anfang eines Verses, oft irgendwo im Koran, und du setzt fort. Bewertet wird, ob du sofort und ohne Zögern weiterweißt, ob du kein Wort auslässt, vertauschst oder hinzufügst und ob du dich bei ähnlichen Versen nicht in eine andere Sure „verirrst“. Kleine Stockungen, die du selbst korrigierst, kosten meist weniger als ein Fehler, den die Jury verbessern muss.

2. Tadschwid – die Regeln der Rezitation

Hier geht es um die korrekte Aussprache jedes Buchstabens aus seinem Artikulationsort (Makhradsch) mit seinen Eigenschaften (Sifat), um Ghunna, Idgham, Ikhfa', die Längen der Madd, Qalqala und alles, was du im Tadschwid-Kurs lernst. Die Längen müssen gleichmäßig sein – wer einen Madd einmal vier und einmal sechs Zählzeiten lang zieht, fällt auf.

3. Ada' – Stimme und Vortrag

Gemeint ist nicht, wer die „schönste“ Stimme hat, sondern wer den Koran ruhig, würdevoll, gleichmäßig und mit Ehrfurcht vorträgt. Atemführung, ein angemessenes Tempo (Tartil), eine saubere Stimmführung und eine Rezitation, die zur Bedeutung passt, gehören dazu. Allah sagt: „Und trage den Koran langsam und deutlich vor“ Koran 73:4.

4. Waqf und Ibtida' – wo du anhältst und wo du neu ansetzt

Wer mitten in einem Sinnzusammenhang anhält oder an einer Stelle neu beginnt, die die Bedeutung verändert, verliert Punkte. Eine gute Jury hört genau, ob du verstehst, was du rezitierst. Deshalb gehören Bedeutung und Tafsir zur Vorbereitung dazu – nicht nur das Gedächtnis.

Die innere Grundlage: Warum du das machst

Bevor wir über Pläne sprechen: Ein Wettbewerb ist ein Mittel, kein Ziel. Allah sagt über die Wonnen des Paradieses: „Und darum sollen die Wetteifernden wetteifern“ Koran 83:26. Das ist der eigentliche Wettbewerb. Der Prophet ﷺ sagte: „Die Taten werden nur nach den Absichten beurteilt“ (al-Bukhari und Muslim). Erneuere deine Absicht immer wieder: Du lernst für Allah, um Seinem Buch nahe zu sein – und wenn Er dir dabei eine Bühne schenkt, ist das eine Gnade und eine Prüfung zugleich.

Der Jahresplan

Ein internationaler Wettbewerb setzt voraus, dass der ganze Koran bereits fest sitzt. Dieser Plan ist für jemanden gedacht, der den Koran (oder den geforderten Teil) schon auswendig kann und ihn nun wettbewerbsfest machen will. Passe die Mengen mit deinem Lehrer an dich an.

Monate 1–3: Fundament prüfen

  • Ehrliche Bestandsaufnahme: Rezitiere jeden Dschuz' einmal vor deinem Lehrer und markiere schwache Stellen. Unsere Hifz-Karte hilft dir, den Überblick zu behalten, was stark, mittel oder schwach ist.
  • Täglich: etwa ein Dschuz' Wiederholung (Muradscha'a) aus dem Gedächtnis, dazu die schwachen Seiten des Vortags noch einmal.
  • Tadschwid: einmal pro Woche eine Regel gezielt vertiefen und in deiner eigenen Rezitation suchen.

Monate 4–6: Festigen

  • Täglich: ein bis zwei Adschza' Wiederholung, je nach Zeit. Viele Lehrer empfehlen, dass der größte Teil der täglichen Koranzeit in die Wiederholung fließt – etwa zwei Drittel oder mehr – und nur der Rest in neue oder schwache Stellen.
  • Wöchentlich: einmal einen größeren Block (zum Beispiel fünf Adschza') am Stück, ohne Mushaf.
  • Mutaschabihat beginnen (siehe unten).

Monate 7–9: Wettbewerbsform

  • Ein vollständiger Durchgang (Khatma) aus dem Gedächtnis in einem festen Rhythmus, etwa alle zwei bis vier Wochen, je nach deinem Niveau.
  • Zufallsprüfungen durch Lehrer, Eltern oder Freunde: Jemand nennt einen beliebigen Versanfang, du setzt fort.
  • Aufnahmen: einmal pro Woche eine längere Passage aufnehmen und kritisch anhören.

Monate 10–12: Feinschliff

Jetzt beginnt der 90-Tage-Plan.

Die letzten 90 Tage

Tage 1–30: Breite

  • Täglich zwei bis drei Adschza' Wiederholung, sodass du in rund zehn bis fünfzehn Tagen einen ganzen Durchgang schaffst.
  • Jeden Tag mindestens zehn Zufallsfragen aus dem ganzen Koran.
  • Eine Liste deiner „Problemverse“ führen und täglich lesen.

Tage 31–60: Tiefe

  • Weiter mit dem Durchgang, aber jede Woche einen Tag nur für Mutaschabihat und schwache Stellen.
  • Zweimal pro Woche vor dem Lehrer mit vollem Tadschwid und Ada' – so, als wäre es die Bühne.
  • Einmal pro Woche ein Probewettbewerb: drei bis fünf zufällige Fragen, eine fremde Person als „Jury“, Zeitdruck, Mikrofon, wenn möglich Publikum.

Tage 61–90: Ruhe und Sicherheit

  • Keine großen neuen Baustellen mehr. Du festigst, was du hast.
  • Die Wiederholung bleibt täglich, wird aber ruhiger: lieber langsam und sicher als schnell und unsauber.
  • In den letzten Tagen vor dem Wettbewerb: genug Schlaf, leichte Mahlzeiten, Stimme schonen, viel Du'a.

Mutaschabihat – die ähnlichen Verse

Viele Fehler in Wettbewerben passieren nicht, weil jemand vergessen hat, sondern weil zwei Verse sich fast gleichen. Ein Wort ist anders, eine Reihenfolge vertauscht, und schon rezitiert man in der falschen Sure weiter. So trainierst du sie:

  1. Sammle sie: Wenn du beim Wiederholen stolperst, weil dir ein ähnlicher Vers „dazwischenkommt“, notiere beide Stellen nebeneinander.
  2. Finde den Unterschied: Unterstreiche genau das Wort, das sich unterscheidet, und sprich laut aus, wo welcher Vers steht.
  3. Verankere ihn in der Bedeutung: Warum steht hier dieses Wort und dort jenes? Ein Blick in den Tafsir hilft oft, und die Unterscheidung bleibt besser haften.
  4. Übe sie im Paar: Rezitiere beide Stellen direkt hintereinander, dann einzeln aus der Mitte heraus.
  5. Wiederhole die Liste jeden Tag ein paar Minuten lang.

Aufnehmen, vortragen, prüfen lassen

  • Nimm dich auf: Höre mit dem Mushaf mit. Du wirst Dinge hören, die dir beim Rezitieren nicht auffallen – zu kurze Madd, verschluckte Endungen, unruhigen Atem.
  • Vor einem Lehrer rezitieren: Kein Programm ersetzt einen Lehrer, der dein Ohr schult und deine Fehler kennt. So wurde der Koran seit jeher weitergegeben – von Mund zu Ohr.
  • Vor Publikum rezitieren: in der Familie, in der Moschee, in deiner Koranschule. Das Lampenfieber wird kleiner, je öfter du es erlebst.
  • Probewettbewerbe mit zufälligen Fragen, wie eine Jury sie stellt: Jemand schlägt den Mushaf irgendwo auf, liest einen Versanfang vor, und du fährst fort, bis „genug“ gesagt wird. Wechselt euch ab, nehmt die Zeit, bewertet ehrlich.

Stimme, Körper und Herz

  • Stimmpflege: ausreichend Wasser, nicht schreien, kein Rezitieren bis zur Heiserkeit. Eine Stimme braucht Pausen wie jeder Muskel. Wenn du eine Weile ein wenig heiser bist, lass sie ruhen und frag bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt.
  • Atem: Übe, ruhig aus dem Bauch zu atmen, und plane, wo du in langen Versen sinnvoll anhältst.
  • Schlaf: Das Gedächtnis festigt sich im Schlaf. Nächtelanges Lernen kurz vor dem Wettbewerb schadet oft mehr, als es nützt.
  • Nervosität: Sie ist normal und zeigt, dass dir die Sache wichtig ist. Bereite dich so vor, dass dein Wissen auch dann trägt, wenn du nervös bist – das ist der Sinn der Probewettbewerbe. Vor dem Vortrag: Wudu', zwei ruhige Atemzüge, Ta'awwudh, und dann nur noch an den Vers denken, nicht an die Jury.
  • Du'a: Bitte Allah um Festigkeit. Musa (Friede sei mit ihm) bat: „Mein Herr, weite mir meine Brust, erleichtere mir meine Aufgabe und löse den Knoten von meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen“ Koran 20:25–28.

Wie dir diese Plattform hilft

  • Mit der Shams-Methode lernst du neue Abschnitte in kleinen, wiederholten Schritten.
  • Der 365-Tage-Plan gibt dir einen festen täglichen Rhythmus.
  • Auf der Hifz-Karte siehst du, welche Teile sitzen und welche Wiederholung brauchen.
  • Im Tadschwid-Kurs frischst du Regeln gezielt auf.
  • In der Akademie gehst du Sure für Sure mit Bedeutung und Tafsir durch – wichtig für Waqf und Ibtida'.
  • Und wer noch am Anfang steht, beginnt mit den arabischen Buchstaben.

Wie Kinder anfangen können

Die meisten Huffaz, die heute auf Wettbewerbsbühnen stehen, haben als Kinder begonnen – aber nicht mit Druck, sondern mit Liebe.

  • Klein anfangen: mit al-Fatiha und den kurzen Suren am Ende des Korans. Wenige Minuten am Tag genügen.
  • Zuhören: Kinder lernen viel über das Ohr. Lass sie täglich eine ruhige, deutliche Rezitation hören.
  • Loben statt vergleichen: Ein Kind soll den Koran mit Geborgenheit verbinden, nicht mit Angst.
  • Ein guter Lehrer: In den Emiraten gibt es in jeder Stadt Koranzentren, oft auch für Kinder von Residents.
  • Kinderwettbewerbe in der Moschee, der Schule oder auf nationaler Ebene sind eine schöne erste Erfahrung, lange bevor ein internationaler Wettbewerb ein Thema ist.

Weitere internationale Koranwettbewerbe

Dubai ist nicht der einzige Ort, an dem junge Menschen in der Liebe zum Koran wetteifern. Zwei besonders bekannte Beispiele:

  • Der Internationale König-Abdulaziz-Koranwettbewerb in Mekka: ausgerichtet vom saudischen Ministerium für Islamische Angelegenheiten. Teilnehmende aus aller Welt tragen in der Nähe der Heiligen Moschee vor, in verschiedenen Kategorien des Auswendiglernens, teils verbunden mit Tadschwid und Tafsir.
  • Der internationale Tilawa-Wettbewerb in Malaysia (Musabaqah Tilawah al-Qur'an): in Kuala Lumpur ausgetragen und besonders für seine Kategorie der schönen, melodischen Rezitation (Tilawa) bekannt. Neben Qurra' treten dort auch Rezitatorinnen an.

Daneben gibt es viele nationale und internationale Wettbewerbe in anderen Ländern. Jeder davon ist ein Zeichen dafür, wie sehr die Umma den Koran liebt.

Wichtig: Die Regeln ändern sich

Teilnahmebedingungen, Altersgrenzen, Kategorien, Anmeldefristen und das Nominierungsverfahren können sich von Jahr zu Jahr ändern. Für den internationalen Wettbewerb in Dubai werden die Teilnehmenden in der Regel über offizielle nationale Stellen ihres Landes entsandt – frag bei den zuständigen Behörden für religiöse Angelegenheiten, deiner Moschee oder deinem Koranzentrum nach. Verlasse dich nicht auf ältere Informationen, auch nicht auf diesen Text: Prüfe alles auf der offiziellen Website der Auszeichnung und über die offiziellen Kanäle deines Landes.

Zum Schluss

Der Prophet ﷺ sagte: „Der Beste von euch ist, wer den Koran lernt und ihn lehrt“ (al-Bukhari). Ob du jemals auf einer Bühne in Dubai stehst oder nicht: Jede Stunde, die du in deinen Hifz steckst, ist nicht verloren. Allah sagt: „Und Wir haben den Koran ja leicht zum Bedenken gemacht. Gibt es also jemanden, der bedenkt?“ Koran 54:17. Fang heute an – mit einem Vers, mit einer Seite, mit einer ehrlichen Absicht.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es die Dubai International Holy Quran Award?

Seit 1997. Sie wurde unter der Schirmherrschaft Seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum gegründet und findet jedes Jahr im Ramadan in Dubai statt.

Kann ich mich selbst für den internationalen Wettbewerb anmelden?

In der Regel werden Teilnehmende über offizielle nationale Stellen ihres Landes nominiert. Die genauen Wege und Bedingungen ändern sich; prüfe sie auf der offiziellen Website der Auszeichnung und bei den zuständigen Stellen in deinem Land.

Was ist wichtiger: schöne Stimme oder genaues Auswendiglernen?

Die Genauigkeit des Hifz und der korrekte Tadschwid stehen an erster Stelle. Ein ruhiger, würdevoller Vortrag kommt hinzu – aber eine schöne Stimme kann Fehler im Text nicht ausgleichen.

Was sind Mutaschabihat?

Verse, die einander sehr ähneln und sich nur in einem Wort oder in der Reihenfolge unterscheiden. Sie sind die häufigste Ursache für Fehler in Wettbewerben und brauchen eigenes, gezieltes Training.

Ab welchem Alter kann ein Kind mit dem Hifz beginnen?

Es gibt kein festes Alter. Viele Kinder beginnen spielerisch mit al-Fatiha und kurzen Suren, sobald sie gut nachsprechen können. Wichtiger als das Alter ist, dass das Lernen mit Freude und ohne Druck geschieht.

Quellen

  • Koran 20:25–28, 54:17, 73:4, 83:26
  • Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim – „Die Taten werden nur nach den Absichten beurteilt“
  • Sahih al-Bukhari – „Der Beste von euch ist, wer den Koran lernt und ihn lehrt“
  • Dubai International Holy Quran Award – offizielle Website und Veröffentlichungen
  • Ibn al-Dschazari, al-Muqaddima al-Dschazariyya (Grundlagen des Tadschwid)

Diese Seiten geben einen Überblick. Für religiöse Fragen deines Alltags wende dich an einen qualifizierten Gelehrten deiner Rechtsschule.

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