Islam verstehen

Kapitel 17Heilige Orte, Städte des Wissens

Die wichtigsten Städte des Islam

Drei Städte sind allen Muslimen heilig: Mekka, Medina und Jerusalem. Um sie herum entstanden über die Jahrhunderte Städte, in denen Moscheen, Schulen und Bibliotheken aufblühten, und Orte wie Nadschaf, Kerbela und Maschhad, die das Andenken an die Familie des Propheten ﷺ bewahren. In diesem Kapitel reisen wir gemeinsam zu diesen Orten – und enden bei uns zu Hause, in den Emiraten, von Abu Dhabi und Dubai bis Schardscha.

16 Min. Lesezeit

3
heilige Moscheen, zu denen man eigens reisen soll
61 n. H.
Martyrium von Husain, dem Enkel des Propheten ﷺ, bei Kerbela
2014
Schardscha ist Hauptstadt der islamischen Kultur
2023
Eröffnung des Abrahamic Family House in Abu Dhabi

Die drei heiligen Städte

Der Prophet ﷺ sagte: „Man soll sich nicht eigens auf Reisen begeben außer zu drei Moscheen: der Heiligen Moschee (in Mekka), dieser meiner Moschee (in Medina) und der Aqsa-Moschee (in Jerusalem)“ (al-Bukhari, Muslim). Diese drei Orte bilden das Herz der islamischen Welt.

Mekka – das Haus Allahs

Mekka liegt in einem kargen Tal zwischen Bergen. Hier steht die Kaaba, das schlichte, würfelförmige Haus, das Allah das erste Haus nennt, „das für die Menschen errichtet wurde, gesegnet und eine Rechtleitung für die Welten“ 3:96. Der Koran erzählt, wie der Prophet Ibrahim und sein Sohn Ismail die Grundmauern des Hauses errichteten und beteten: „Unser Herr, nimm es von uns an“ 2:127.

Ibrahim ließ seine Frau Hadschar und den kleinen Ismail in diesem Tal zurück, im Vertrauen auf Allah, und betete, dass die Herzen der Menschen sich ihnen zuneigen mögen 14:37. Hadschar lief auf der Suche nach Wasser zwischen den Hügeln Safa und Marwa hin und her – bis die Quelle Zamzam hervorsprudelte. Bis heute gehen Pilger diesen Weg nach, und bis heute trinken sie von diesem Wasser.

Um die Kaaba herum erstreckt sich die Masdschid al-Haram, die Heilige Moschee. Hierhin führen der Hadsch, die große Pilgerfahrt, die jeder Muslim einmal im Leben vollziehen soll, wenn er dazu in der Lage ist 3:97, und die Umra, die kleine Pilgerfahrt, die das ganze Jahr über möglich ist. Und nach Mekka richten sich Muslime auf der ganzen Welt bei jedem Gebet aus: Die Kaaba ist die Qibla 2:144. Wo immer du betest, ob in Berlin, Dubai oder Jakarta – du bist mit Millionen anderer Menschen auf denselben Punkt hin ausgerichtet.

In Mekka wurde auch der Prophet Muhammad ﷺ geboren, und auf dem nahen Berg in der Höhle Hira empfing er die erste Offenbarung. Mehr über sein Leben erfährst du im Kapitel über den Propheten ﷺ.

Medina – die erleuchtete Stadt

Medina, früher Yathrib, nahm den Propheten ﷺ und seine Gefährten nach der Hidschra im Jahr 622 auf. Muslime nennen sie liebevoll al-Madina al-Munawwara, „die erleuchtete Stadt“. Hier wuchs die erste muslimische Gemeinschaft heran, hier wurden viele Suren des Korans offenbart.

Im Zentrum steht die Masdschid an-Nabawi, die Prophetenmoschee, deren erste Form der Prophet ﷺ selbst mit seinen Gefährten aus Lehmziegeln und Palmstämmen baute. Er sagte: „Ein Gebet in dieser meiner Moschee ist besser als tausend Gebete anderswo, außer in der Heiligen Moschee“ (al-Bukhari, Muslim). Unter der grünen Kuppel liegt die Ruhestätte des Propheten ﷺ, neben ihm seine beiden engsten Gefährten Abu Bakr und Umar, möge Allah mit ihnen zufrieden sein. Zwischen seinem Haus und seiner Kanzel liegt die Rawda, über die er sagte: „Zwischen meinem Haus und meiner Kanzel liegt ein Garten von den Gärten des Paradieses“ (al-Bukhari, Muslim).

Am Rand der Stadt liegt die Quba-Moschee, die erste Moschee, die der Prophet ﷺ nach seiner Ankunft gründete. Viele Gelehrte beziehen den Vers über die Moschee, „die vom ersten Tag an auf Gottesfurcht gegründet wurde“ 9:108, auf sie. Der Prophet ﷺ besuchte Quba regelmäßig an jedem Samstag, zu Fuß oder reitend, und betete dort (al-Bukhari, Muslim).

Jerusalem – al-Quds und die Aqsa-Moschee

Die dritte heilige Stadt ist al-Quds, Jerusalem, die Stadt vieler Propheten. Der Koran beginnt Sure al-Isra' mit der Nachtreise: „Preis sei Dem, der Seinen Diener bei Nacht von der Heiligen Moschee zur fernsten Moschee reisen ließ, deren Umgebung Wir gesegnet haben“ 17:1. Von hier aus wurde der Prophet ﷺ in die Himmel erhoben, und hier führte er nach der Überlieferung die Propheten im Gebet an.

Jerusalem war außerdem die erste Qibla: Nach der Hidschra beteten die Muslime etwa sechzehn bis siebzehn Monate lang in Richtung Jerusalem, bis die Gebetsrichtung zur Kaaba gewechselt wurde al-Bukhari; vgl. 2:144. Auf dem edlen Heiligtum, al-Haram asch-Scharif, stehen die Aqsa-Moschee und der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel – Orte des Gebets und der Erinnerung an die gemeinsame Geschichte der Propheten, von Ibrahim über Dawud und Sulaiman bis zu Isa, Friede sei mit ihnen allen.

Städte der Geschichte und der Gelehrsamkeit

Wo der Islam Wurzeln schlug, entstanden Moscheen, und um die Moscheen herum Schulen, Bibliotheken und Märkte. Einige Städte wurden zu Leuchttürmen des Wissens, deren Licht bis heute strahlt.

Damaskus

Damaskus gehört zu den ältesten bewohnten Städten der Welt. Unter den Umayyaden wurde sie Hauptstadt eines Reiches, das von Andalusien bis Zentralasien reichte. Ihr Juwel ist die Umayyaden-Moschee, erbaut unter dem Kalifen al-Walid ibn Abd al-Malik, mit ihren berühmten Mosaiken. Nach der Überlieferung wird in ihr das Haupt des Propheten Yahya (Johannes) verehrt. Im Sahih Muslim wird berichtet, dass Isa, Friede sei mit ihm, am Ende der Zeit beim weißen Minarett östlich von Damaskus herabkommen wird. Generationen von Gelehrten lehrten in den Schulen dieser Stadt.

Bagdad

Bagdad wurde unter dem abbasidischen Kalifen al-Mansur als runde Stadt am Tigris gegründet und wurde zur Hauptstadt der Abbasiden. Berühmt ist das Haus der Weisheit (Bait al-Hikma), wo Gelehrte Werke aus dem Griechischen, Persischen und Indischen ins Arabische übersetzten und weiterentwickelten. Hier wirkte der Mathematiker al-Khwarizmi, dessen Werk der Algebra ihren Namen gab. In Bagdad lehrten und ruhen große Imame wie Abu Hanifa und Ahmad ibn Hanbal, die Begründer zweier Rechtsschulen, und auch Abd al-Qadir al-Dschilani.

Kairo

Kairo ist die Stadt der tausend Minarette. Ihr geistiges Herz ist die al-Azhar, im 10. Jahrhundert gegründet und eine der ältesten Lehrstätten der Welt, die bis heute ohne Unterbrechung unterrichtet. Studierende aus aller Welt lernen hier Koran, Hadith, Recht und Arabisch. In Kairo ruht auch Imam asch-Schafi'i, Begründer einer der vier großen Rechtsschulen. Der heutige Groß-Imam der Azhar ist eng mit dem Dialog verbunden, der in Abu Dhabi seinen Ausdruck fand (dazu unten mehr).

Istanbul

Seit 1453 ist Istanbul eine der großen Städte der islamischen Welt. Ihre Silhouette prägen Kuppeln und schlanke Minarette: die Süleymaniye-Moschee des Baumeisters Sinan und die Sultan-Ahmed-Moschee, die viele wegen ihrer Fliesen die Blaue Moschee nennen. Besonders berührend ist das Grab des Gefährten Abu Ayyub al-Ansari in Eyüp: Er war es, der den Propheten ﷺ nach der Hidschra in Medina in seinem Haus aufnahm, und er starb hochbetagt vor den Mauern der Stadt.

Córdoba

Im Andalusien des Mittelalters war Córdoba eine der glänzendsten Städte Europas, mit Bibliotheken, Moscheen und Gelehrtenkreisen. Ihre Mezquita, begonnen unter Abd ar-Rahman I., ist mit ihrem Wald aus rot-weißen Doppelbögen bis heute ein Weltkulturerbe, das Menschen aus aller Welt bestaunen. In Córdoba wurden große Gelehrte geboren: der Philosoph und Richter Ibn Ruschd, der Gelehrte Ibn Hazm und Imam al-Qurtubi, dessen Koran-Kommentar bis heute gelesen wird.

Fes

In Fes in Marokko gründete eine Frau, Fatima al-Fihriyya, im 9. Jahrhundert die al-Qarawiyyin. Sie gilt als eine der ältesten Hochschulen der Welt, die bis heute besteht. Die verwinkelte Altstadt von Fes mit ihren Handwerkervierteln ist ein lebendiges Zeugnis islamischer Stadtkultur.

Kairouan

Kairouan in Tunesien wurde von dem Heerführer Uqba ibn Nafi gegründet und ist eine der ältesten islamischen Städte Nordafrikas. Ihre Große Moschee mit dem mächtigen Minarett war jahrhundertelang ein Zentrum der malikitischen Rechtsschule. Hier wirkte Imam Sahnun, dessen Werk al-Mudawwana zu den Grundtexten dieser Schule zählt.

Buchara und Samarkand

An der Seidenstraße in Zentralasien liegen zwei Städte wie aus einem Märchen. In Buchara wurde Imam Muhammad ibn Isma'il al-Bukhari geboren, der Verfasser des Sahih al-Bukhari, der verlässlichsten Hadith-Sammlung. Er ruht bei Samarkand, dessen Registan-Platz mit seinen drei Medresen zu den schönsten Plätzen der islamischen Architektur gehört. Auch der Arzt und Gelehrte Ibn Sina stammte aus der Gegend von Buchara.

Heilige Städte der schiitischen Muslime

Mekka, Medina und Jerusalem sind allen Muslimen heilig. Darüber hinaus sind einige Städte im Irak und im Iran den schiitischen Muslimen besonders lieb: In ihnen liegen die Schreine von Angehörigen der Familie des Propheten ﷺ, der Ahl al-Bait – Friede sei mit ihnen. Pilger aus vielen Ländern kommen dorthin, und auch viele sunnitische Muslime besuchen diese Orte mit Ehrfurcht. Denn die Liebe zur Familie des Propheten ﷺ ist Sunniten und Schiiten gemeinsam: In jedem Gebet sprechen sie das Segensgebet für Muhammad und für die Familie Muhammads, so wie der Prophet ﷺ es seine Gefährten lehrte (al-Bukhari). Und über seine beiden Enkel sagte er: „Al-Hasan und al-Husain sind die Herren der Jugend des Paradieses“ (at-Tirmidhi).

Nadschaf – die Stadt von Imam Ali

Nadschaf liegt am Rand der Wüste im Süden des Irak. In ihrem Herzen steht unter einer goldenen Kuppel der Schrein von Imam Ali ibn Abi Talib: Cousin und Schwiegersohn des Propheten ﷺ, Ehemann von Fatima, Vater von Hasan und Husain – für die Sunniten der vierte rechtgeleitete Kalif, für die Schiiten der erste Imam. Ganz in der Nähe liegt Kufa, wo Ali als Kalif lebte; auch ihre große Moschee besuchen viele Pilger.

Nadschaf ist zugleich eine der ältesten Stätten schiitischer Gelehrsamkeit. Nach der Überlieferung zog asch-Schaich at-Tusi im 11. Jahrhundert von Bagdad hierher, und mit ihm beginnt die lange Geschichte der Hauza von Nadschaf, des traditionellen Gelehrtenseminars. Bis heute kommen Studierende aus vielen Ländern, um hier Arabisch, Recht und Rechtstheorie zu lernen; mehr dazu im Kapitel über die Dscha'fari-Rechtsschule. Am Rand der Stadt erstreckt sich Wadi as-Salam, das „Tal des Friedens“, einer der größten Friedhöfe der Welt: Viele Gläubige wünschen sich, in der Nähe von Imam Ali begraben zu werden.

Kerbela – die Stadt von Imam Husain

In Kerbela ruht Imam Husain ibn Ali, der Enkel des Propheten ﷺ, Sohn von Ali und Fatima. Im Jahr 61 nach der Hidschra (680 n. Chr.) wurde er hier am 10. Muharram, dem Tag Aschura, zusammen mit Mitgliedern seiner Familie und Gefährten getötet. Für alle Muslime ist das ein schmerzhaftes Ereignis; für die Schiiten steht Kerbela im Mittelpunkt ihrer Erinnerung, als Sinnbild für Standhaftigkeit, Opferbereitschaft und den Einsatz für Gerechtigkeit. Dem Schrein von Imam Husain gegenüber liegt der Schrein seines Halbbruders al-Abbas ibn Ali, der in Kerbela die Fahne trug; zwischen beiden erstreckt sich ein weiter Platz, auf dem sich die Pilger begegnen. Mehr über die Geschichte und den Tag Aschura erfährst du im Kapitel über Sunniten und Schiiten.

Vierzig Tage nach Aschura begehen die Schiiten Arba'in. Viele Pilger gehen dann zu Fuß nach Kerbela, oft von Nadschaf aus und mehrere Tage lang. Arba'in gilt als eine der größten Versammlungen von Menschen auf der Welt. Berühmt ist die Gastfreundschaft am Weg: Freiwillige stellen Zelte auf und bieten den Pilgern unentgeltlich Essen, Tee und einen Platz zum Ausruhen an.

Kadhimiya in Bagdad

Im Norden Bagdads, am Ufer des Tigris, liegt das Viertel al-Kazimiyya (Kadhimiya). Hier ruhen zwei Imame aus der Familie des Propheten ﷺ: Musa al-Kazim, der siebte Imam, und sein Enkel Muhammad al-Dschawad, der neunte Imam. Nach ihnen heißt der Schrein mit seinen goldenen Kuppeln auch al-Kazimain, „die beiden Kazims“. Der Beiname al-Kazim bedeutet „der seinen Zorn bezwingt“ und erinnert an die Gläubigen, die der Koran lobt: „die ihren Zorn zurückhalten und den Menschen verzeihen“ 3:134.

Über den Tigris führt die Brücke der Imame hinüber nach al-A'zamiyya, wo die Moschee von Imam Abu Hanifa steht. Zwei große Imame, zwei Ufer, eine Stadt – ein schönes Bild dafür, wie nah sich die Traditionen des Islam sind.

Samarra

Samarra liegt am Tigris nördlich von Bagdad. Im 9. Jahrhundert war sie einige Jahrzehnte lang die Hauptstadt der Abbasiden, die sie Surra man ra'a nannten, „Wer sie sieht, freut sich“. Aus dieser Zeit stammt die Große Moschee von Samarra, erbaut unter dem Kalifen al-Mutawakkil und einst eine der größten Moscheen der Welt. Ihr Wahrzeichen ist das spiralförmige Minarett, die Malwiya: Eine Rampe windet sich außen um den Turm bis hinauf zur Spitze. Die archäologische Stadt Samarra gehört zum UNESCO-Welterbe.

Mitten in der Stadt steht der Schrein al-Askari mit seiner goldenen Kuppel. Hier ruhen der zehnte und der elfte Imam, Ali al-Hadi und sein Sohn Hasan al-Askari. Beide tragen den Beinamen al-Askari; er erinnert an al-Askar, das Garnisonsviertel von Samarra, in dem sie lebten.

Maschhad

Maschhad im Nordosten Irans ist um den Schrein von Imam Ali ar-Rida gewachsen, den man im Iran meist Imam Reza nennt. Er war der Sohn von Imam Musa al-Kazim und ist für die Zwölfer-Schiiten der achte Imam. Im Jahr 203 nach der Hidschra (818 n. Chr.) wurde er in einem kleinen Ort bei Tus beigesetzt, aus dem die heutige Großstadt hervorging. Rund um sein Grab ist über die Jahrhunderte eine der größten Schreinanlagen der Welt entstanden, mit weiten Höfen, Moscheen, Bibliotheken und Museen. Zu ihr gehört die Goharschad-Moschee, die im 15. Jahrhundert von der timuridischen Königin Goharschad gestiftet wurde – wieder eine Frau, deren Name mit einem großen Ort des Glaubens verbunden ist. Maschhad gehört zu den meistbesuchten Pilgerstätten der islamischen Welt.

Qom

Qom liegt südlich von Teheran. Hier ruht Fatima al-Ma'suma, die Tochter von Imam Musa al-Kazim und Schwester von Imam ar-Rida. Nach der Überlieferung war sie auf dem Weg zu ihrem Bruder nach Chorasan, als sie erkrankte; sie starb in Qom und wurde hier beigesetzt. Ihr Schrein mit seiner goldenen Kuppel bildet das Herz der Stadt.

Um diesen Schrein herum ist Qom zu einem der großen Zentren schiitischer Gelehrsamkeit geworden. Im frühen 20. Jahrhundert wurde die Hauza von Qom neu aufgebaut, und heute lernen hier Studierende aus vielen Ländern, Männer wie Frauen. Dass eine Frau aus der Familie des Propheten ﷺ im Mittelpunkt einer Stadt des Wissens steht, berührt viele Besucher.

Die Familie des Propheten ﷺ an anderen Orten

Auch anderswo wird die Familie des Propheten ﷺ geehrt: in Medina auf dem Friedhof al-Baqi', wo viele seiner Angehörigen und Gefährten ruhen, in Damaskus am Schrein von Sayyida Zainab, der Enkelin des Propheten ﷺ, und in Kairo, wo die Moscheen von al-Husain und Sayyida Zainab den Menschen besonders am Herzen liegen. Die Liebe zur Familie des Propheten ﷺ verbindet alle Muslime – das ist es, was diese Orte uns zuerst sagen.

Die Emirate: Orte des Glaubens, des Wissens und der Toleranz

Unsere Reise endet bei uns zu Hause. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein junges Land, aber verwurzelt im Glauben und in der Gastfreundschaft der Wüste. Der Gründervater Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan, möge Allah ihm barmherzig sein, hat dem Land eine Haltung mitgegeben: Großzügigkeit, Respekt und Offenheit gegenüber allen Menschen. Sieben Emirate bilden das Land, und jedes hat seine eigenen Orte des Glaubens und der Erinnerung.

Abu Dhabi

Die Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi ist mit ihren weißen Kuppeln, Säulen mit Blumenmustern und Wasserflächen eine der schönsten Moscheen der Welt. Sie steht Besuchern aller Religionen offen, und im Innenhof ruht Scheich Zayed selbst. Für viele Gäste ist sie die erste Begegnung mit einer Moschee überhaupt – und mit der Ruhe, die das Gebet ausstrahlt.

Im Jahr 2019 unterzeichneten der Groß-Imam der al-Azhar, Scheich Ahmad at-Tayyib, und Papst Franziskus in Abu Dhabi das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen. Aus diesem Geist entstand das Abrahamic Family House auf der Insel Saadiyat, das 2023 eröffnet wurde: eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge nebeneinander auf einem gemeinsamen Gelände. Es erinnert an den Vers: „O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt“ 49:13.

Al Ain – die Oasenstadt

Im Osten des Emirats Abu Dhabi, an der Grenze zu Oman und am Fuß des Dschebel Hafit, liegt die Gartenstadt Al Ain. Seit Jahrhunderten bewässern hier die Aflaj, alte Kanäle, die Wasser aus dem Untergrund heranführen, Tausende von Dattelpalmen. Seit 2011 gehören die Kulturstätten von Al Ain zum UNESCO-Welterbe, als erste Welterbestätte der Emirate. Scheich Zayed lebte viele Jahre in Al Ain und wirkte hier als Vertreter des Herrschers, bevor er Herrscher von Abu Dhabi wurde; die Liebe zur Oase und zum Grün hat ihn sein Leben lang begleitet. Heute steht in Al Ain auch die Scheich-Khalifa-Moschee, eine der großen neuen Moscheen des Landes.

Dubai

In Dubai, wo unsere Plattform entsteht, ist die Jumeirah-Moschee ein Symbol der offenen Tür. Unter dem Motto „Open Doors. Open Minds.“ lädt das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding Besucher ein, die Moschee kennenzulernen, Fragen zu stellen und bei arabischem Kaffee und Datteln ins Gespräch zu kommen – Gastfreundschaft, wie wir sie hier verstehen.

Seit 1997 ehrt der Dubai International Holy Quran Award jedes Jahr junge Menschen aus aller Welt, die den Koran auswendig gelernt haben. Und im Quranic Park in Al Khawaneej, eröffnet 2019, kannst du durch Gärten mit Pflanzen spazieren, die im Koran erwähnt werden – Dattelpalmen, Oliven, Feigen, Granatäpfel –, und die Wunder, von denen der Koran erzählt, auf neue Weise entdecken.

Schardscha – die Stadt der Kultur

Gleich neben Dubai liegt Schardscha, das Emirat der Bücher, der Museen und der islamischen Kunst. Schon 1998 ernannte die UNESCO Schardscha zur Kulturhauptstadt der arabischen Welt, 2014 folgte der Titel Hauptstadt der islamischen Kultur, verliehen von der ISESCO, und 2019 war Schardscha UNESCO-Welthauptstadt des Buches. Der Herrscher, Scheich Dr. Sultan bin Muhammad Al Qasimi, ist selbst Historiker und Autor vieler Bücher.

Am Wasser liegt das Museum für Islamische Zivilisation. Es zeigt Koranhandschriften, Kalligrafie, Keramik und wissenschaftliche Instrumente wie Astrolabien – eine Reise durch Glauben, Wissenschaft und Kunst der islamischen Welt. Die Al-Nur-Moschee an der Khalid-Lagune, im osmanischen Stil erbaut, heißt Besucher aller Religionen willkommen und bietet Führungen an, und die König-Faisal-Moschee im Zentrum gehört zu den großen Moscheen der Emirate. Mehr über diese Moscheen erfährst du im Kapitel über die Moscheen der Welt.

Jedes Jahr im Herbst lädt die Internationale Buchmesse Schardscha, die es seit 1982 gibt, zu einer der größten Buchmessen der Welt ein. Das moderne Haus der Weisheit, eine Bibliothek und ein Ort der Begegnung, trägt einen Namen, der an das berühmte Vorbild in Bagdad erinnert. In der University City lernen junge Menschen aus vielen Ländern, etwa an der University of Sharjah und der American University of Sharjah. Und im Heart of Sharjah, der liebevoll restaurierten Altstadt mit ihren alten Häusern, Gassen und dem traditionellen Souq Al Arsah, spürst du, wie das Leben am Golf früher war.

Von Adschman bis Fudschaira

Auch Adschman, Umm al-Qaiwain, Ras al-Chaima und Fudschaira haben ihre eigenen Moscheen, Festungen und Geschichten. An der Ostküste, in Fudschaira, steht die kleine Al-Bidya-Moschee aus Stein und Lehm mit ihren vier Kuppeln. Sie wird oft als die älteste noch genutzte Moschee der Emirate bezeichnet; ihr genaues Alter ist nicht sicher bekannt. Seit Generationen versammeln sich hier Menschen zum Gebet, schlicht und still, zwischen den Bergen und dem Meer.

Was diese Städte verbindet

So verschieden sie sind, alle diese Städte erzählen dieselbe Geschichte:

  • Glaube schafft Orte der Ruhe, an denen sich Menschen vor Allah gleich sind.
  • Wissen war immer ein Teil des Glaubens – die ersten Worte der Offenbarung lauten „Lies!“ 96:1.
  • Gastfreundschaft und Miteinander haben diese Städte groß gemacht, von der Bruderschaft in Medina über die Gastfreundschaft am Pilgerweg nach Kerbela bis zum Zusammenleben in den Emiraten.

Wenn du die Verse zu diesen Orten selbst hören möchtest, beginne mit Sure al-Isra' oder Sure Al Imran. Und wenn du einmal die Gelegenheit hast, eine dieser Städte zu besuchen, dann gehe mit offenem Herzen – als Gast.

Häufige Fragen

Welche drei Städte sind im Islam heilig?

Mekka mit der Heiligen Moschee und der Kaaba, Medina mit der Prophetenmoschee und Jerusalem (al-Quds) mit der Aqsa-Moschee. Der Prophet ﷺ nannte diese drei Moscheen als die einzigen Ziele, zu denen man eigens reisen soll (al-Bukhari, Muslim).

Warum beten Muslime in Richtung Mekka?

Allah hat die Kaaba in Mekka als Gebetsrichtung (Qibla) bestimmt (2:144). So sind Muslime auf der ganzen Welt beim Gebet auf denselben Punkt hin ausgerichtet.

War Jerusalem früher die Gebetsrichtung?

Ja. Nach der Hidschra beteten die Muslime etwa sechzehn bis siebzehn Monate in Richtung Jerusalem, bevor die Qibla zur Kaaba wechselte (al-Bukhari).

Welche ist die älteste noch bestehende Hochschule der islamischen Welt?

Die al-Qarawiyyin in Fes, im 9. Jahrhundert von Fatima al-Fihriyya gegründet, gilt als eine der ältesten Hochschulen der Welt. Auch die al-Azhar in Kairo unterrichtet seit dem 10. Jahrhundert ohne Unterbrechung.

Welche Städte sind den schiitischen Muslimen besonders heilig?

Mekka, Medina und Jerusalem sind allen Muslimen heilig, auch den Schiiten. Darüber hinaus sind ihnen besonders lieb: Nadschaf mit dem Schrein von Imam Ali, Kerbela mit den Schreinen von Imam Husain und al-Abbas, al-Kazimiyya in Bagdad, Samarra, Maschhad mit dem Schrein von Imam ar-Rida und Qom mit dem Schrein von Fatima al-Ma'suma. Auch viele sunnitische Muslime besuchen diese Orte, denn die Liebe zur Familie des Propheten ﷺ verbindet alle Muslime.

Kann man die Scheich-Zayed-Moschee als Nicht-Muslim besuchen?

Ja. Die Moschee in Abu Dhabi steht Besuchern aller Religionen offen; angemessene Kleidung wird erwartet. In Dubai lädt die Jumeirah-Moschee mit Führungen zum Kennenlernen ein.

Quellen

  • Koran 2:127, 2:144, 3:96, 3:97, 3:134, 9:108, 14:37, 17:1, 49:13, 96:1
  • Sahih al-Bukhari (Hadith der drei Moscheen, Gebet in der Prophetenmoschee, Rawda, Quba, erste Qibla, Segensgebet für den Propheten und seine Familie)
  • Sahih Muslim (Hadith der drei Moscheen, Gebet in der Prophetenmoschee, Rawda, Quba, weißes Minarett in Damaskus)
  • Dschami' at-Tirmidhi (al-Hasan und al-Husain, die Herren der Jugend des Paradieses)
  • Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, Abu Dhabi 2019
  • UNESCO-Welterbeliste: Archäologische Stadt Samarra; Kulturstätten von Al Ain (2011)

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