Was eine Moschee ist
Das arabische Wort Masdschid bedeutet „Ort der Niederwerfung“. Der Prophet ﷺ sagte: „Die Erde wurde mir zur Gebetsstätte und zum Mittel der Reinigung gemacht“ (al-Bukhari, Muslim). Beten kannst du also überall. Und doch hat die Moschee einen besonderen Rang: „Die Orte, die Allah am meisten liebt, sind die Moscheen“ (Muslim). Und: „Wer für Allah eine Moschee baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies“ (al-Bukhari, Muslim).
Von Anfang an war die Moschee mehr als ein Gebetsraum. In der Prophetenmoschee in Medina wurde gelehrt, beraten, Gäste wurden empfangen und Bedürftige versorgt. Diesen Geist spürst du bis heute – im Koranunterricht für Kinder, im gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadan, im Glas Wasser, das dir ein Fremder reicht.
Die drei heiligen Moscheen
Der Prophet ﷺ sagte: „Man soll sich nicht eigens auf Reisen begeben außer zu drei Moscheen: der Heiligen Moschee, dieser meiner Moschee und der Aqsa-Moschee“ (al-Bukhari, Muslim). Mehr über die Städte, in denen sie stehen, liest du im Kapitel über die wichtigsten Städte des Islam.
Masdschid al-Haram in Mekka
Im Herzen Mekkas steht die Kaaba, „das erste Haus, das für die Menschen errichtet wurde, gesegnet und eine Rechtleitung für die Welten“ 3:96. Um sie herum erstreckt sich die Heilige Moschee, die größte Moschee der Welt. Hierhin richten sich Muslime bei jedem Gebet aus 2:144, hierhin führen Hadsch und Umra. Wer zum ersten Mal die Kaaba sieht, vergisst diesen Moment selten: das schwarze Tuch, das weiße Marmorrund, die Menschen aus allen Ländern, die sie umkreisen – Schulter an Schulter, gleich vor Allah.
Der Prophet ﷺ sagte, ein Gebet in der Heiligen Moschee sei besser als hunderttausend Gebete anderswo (Ahmad, Ibn Madscha). Mekka ist Muslimen vorbehalten. Wie du dich auf die Pilgerfahrt vorbereitest, erklärt das Kapitel über Hadsch und Umra.
Masdschid an-Nabawi in Medina
Die Prophetenmoschee baute der Prophet ﷺ nach der Hidschra gemeinsam mit seinen Gefährten – aus Lehmziegeln, Palmstämmen und Palmblättern. Heute ist sie ein weites Meer aus Marmor, Säulen und großen Schirmen, die sich tagsüber über den Hof spannen. Unter der grünen Kuppel liegt die Ruhestätte des Propheten ﷺ, und zwischen seinem Haus und seiner Kanzel liegt die Rawda, „ein Garten von den Gärten des Paradieses“ (al-Bukhari, Muslim).
Der Prophet ﷺ sagte: „Ein Gebet in dieser meiner Moschee ist besser als tausend Gebete in einer anderen, außer in der Heiligen Moschee“ (al-Bukhari, Muslim). Viele Besucher erzählen von der besonderen Stille und Sanftheit dieser Moschee – als würde man ganz leise sprechen wollen.
Masdschid al-Aqsa in Jerusalem
Die Aqsa-Moschee war die erste Qibla der Muslime und das Ziel der Nachtreise: „Preis sei Dem, der Seinen Diener bei Nacht von der Heiligen Moschee zur fernsten Moschee reisen ließ, deren Umgebung Wir gesegnet haben“ 17:1. Auf dem edlen Heiligtum stehen die Aqsa-Moschee mit ihrer Kuppel und der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel. Sie erinnern an die lange Kette der Propheten, von Ibrahim bis Isa, Friede sei mit ihnen, und an den Propheten Muhammad ﷺ, der sie alle verband.
Viele halten die goldene Kuppel für die Aqsa-Moschee. Tatsächlich ist es der Felsendom, unter dem Kalifen Abd al-Malik errichtet und um 691/692 vollendet – einer der ältesten erhaltenen Bauten islamischer Baukunst. Die Aqsa-Moschee selbst trägt eine dunklere, bleigraue Kuppel, und mit „al-Aqsa“ ist oft das ganze heilige Gelände gemeint.
Die Quba-Moschee
Die Quba-Moschee am Rand Medinas ist die erste Moschee, die der Prophet ﷺ nach seiner Ankunft gründete. Viele Gelehrte beziehen auf sie den Vers: „Eine Moschee, die vom ersten Tag an auf Gottesfurcht gegründet wurde, ist würdiger, dass du darin stehst. Darin sind Männer, die sich gern reinigen“ 9:108. Der Prophet ﷺ besuchte sie jeden Samstag, zu Fuß oder reitend, und betete dort (al-Bukhari, Muslim). Und er sagte: „Wer sich zu Hause reinigt, dann zur Quba-Moschee kommt und darin betet, hat einen Lohn wie für eine Umra“ (an-Nasa'i, Ibn Madscha).
Die Moscheen der Emirate
Hier bei uns in den Emiraten gehören Moscheen zum Alltag wie die Sonne und das Meer. In jedem Viertel hörst du den Adhan, und viele Moscheen öffnen ihre Türen bewusst auch für Gäste anderer Religionen. Gastfreundschaft ist hier keine Formalität, sondern Herzenssache.
Abu Dhabi – die Scheich-Zayid-Moschee
Wer Abu Dhabi besucht, sieht sie schon von weitem: die Scheich-Zayid-Moschee, strahlend weiß, mit ihren vielen Kuppeln und Minaretten, die sich in den Wasserbecken spiegeln. Sie wurde 2007 eröffnet und trägt den Namen von Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan, dem Gründervater der Vereinigten Arabischen Emirate. Er wünschte sich eine Moschee, die Menschen zusammenbringt, und auf ihrem Gelände hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. Möge Allah ihm gnädig sein.
Die Architektur verbindet Einflüsse aus vielen Teilen der islamischen Welt. Der weiße Marmor ist mit Blumenmotiven aus Halbedelsteinen eingelegt, die Säulen tragen goldene Palmkronen. Im großen Gebetssaal liegt einer der größten handgeknüpften Teppiche der Welt, und darüber hängen gewaltige Kronleuchter aus Kristall, die zu den größten ihrer Art gehören. Am Abend wird die Fassade in Farben getaucht, die sich mit dem Mondzyklus wandeln.
Die Moschee ist für Besucher aller Religionen geöffnet, der Eintritt ist frei, und es gibt kostenlose Führungen, bei denen du alles über den Islam und die Moschee fragen darfst. Bescheidene Kleidung wird erwartet; Frauen tragen ein Kopftuch. Zur Gebetszeit hörst du vielleicht den Adhan über den Hof hallen – ein Moment, den viele Gäste nie vergessen.
Al Ain – die Scheich-Khalifa-Moschee
Al Ain, die grüne Oasenstadt im Emirat Abu Dhabi, über der sich der Dschabal Hafit erhebt, ist eng mit Scheich Zayid verbunden: Hier wirkte er lange Jahre als Statthalter, bevor er Herrscher von Abu Dhabi wurde. Zu den großen Moscheen der Stadt gehört die Scheich-Khalifa-bin-Zayid-Moschee, eine der neueren großen Moscheen des Landes, benannt nach Scheich Khalifa bin Zayid Al Nahyan, dem zweiten Präsidenten der Emirate – möge Allah ihm gnädig sein. Mit ihrer großen Kuppel, ihren Minaretten und ihrem weiten Gebetssaal ist sie ein Ort, an dem sich die Stadt zum Gebet versammelt. Wenn du sie besuchen möchtest, erkundige dich vorher nach den Besuchszeiten.
Dubai – offene Türen, offene Herzen
In Dubai, wo unsere Plattform entsteht, ist die Jumeirah-Moschee ein Wahrzeichen der Begegnung. Ihr Stil ist an die mittelalterliche Architektur Kairos angelehnt, mit zwei schlanken Minaretten und fein gemeißeltem hellem Stein. Unter dem Motto „Open Doors. Open Minds.“ lädt das Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding Gäste ein, die Moschee zu besuchen, Fragen zu stellen und bei arabischem Kaffee und Datteln ins Gespräch zu kommen. Keine Frage ist zu einfach, keine zu kritisch – genau das ist die Idee.
Mitten im alten Dubai, nahe dem Creek, dem Textilsouk und dem historischen Viertel Al Fahidi, steht die Große Moschee von Bur Dubai (Grand Mosque). Mit ihren sandfarbenen Mauern, ihren vielen Kuppeln und einem hohen, schlanken Minarett fügt sie sich in das Bild der Altstadt, als wäre sie immer schon da gewesen. An dieser Stelle wird seit langer Zeit gebetet; das heutige Gebäude ist jünger und im traditionellen Stil errichtet. Für geführte Besuche ist die Jumeirah-Moschee die bessere Adresse – hier erlebst du vor allem das Gebetsleben der Altstadt, am schönsten vom Wasser aus, wenn der Adhan über den Creek zieht.
Im Stadtteil Al Safa steht die Al-Faruq-Umar-bin-al-Khattab-Moschee, benannt nach dem zweiten Kalifen. Ihre Kuppeln und Minarette erinnern an die großen osmanischen Moscheen Istanbuls, im Inneren verbinden sich Einflüsse aus verschiedenen Epochen islamischer Baukunst. Auch hier sind Besucher zu bestimmten Zeiten willkommen; erkundige dich am besten vorher.
Schardscha – die Liebe zur islamischen Kultur
Schardscha ist das Emirat, das sich der Kultur, den Büchern und der islamischen Kunst besonders verschrieben hat. Im Jahr 2014 wurde es zur Hauptstadt der islamischen Kultur ernannt, und seine Museen, Bibliotheken und Moscheen spiegeln diese Liebe wider.
- Die König-Faisal-Moschee im Zentrum der Stadt ist eine der großen Moscheen der Emirate und seit Jahrzehnten ein Ort, an dem sich Menschen vieler Nationen zum Gebet treffen.
- Die Al-Nur-Moschee an der Khalid-Lagune ist im osmanischen Stil erbaut, mit einer großen Zentralkuppel und schlanken Minaretten. Sie gehört zu den Moscheen, die gezielt Besucher anderer Religionen empfangen: Bei Führungen lernst du die Grundlagen des Gebets und der islamischen Kultur kennen. Am Abend, wenn sie sich im Wasser spiegelt, ist sie besonders schön.
- Die Schardscha-Moschee ist eine der neuesten und größten Moscheen des Emirats, ebenfalls von osmanischer Architektur inspiriert, umgeben von Gärten und Wasserflächen.
Fudschaira – die Al-Bidya-Moschee
An der Ostküste, zwischen Hadschar-Gebirge und Indischem Ozean, steht ein kleines, schlichtes Gebäude aus Stein und Lehm: die Al-Bidya-Moschee. Sie wird oft als die älteste Moschee der Emirate bezeichnet, die noch in Gebrauch ist. Wie alt sie genau ist, weiß man nicht; die Schätzungen gehen weit auseinander. Vier kleine Kuppeln ruhen auf einem einzigen Mittelpfeiler. Wer hier betet, spürt, dass es für ein Haus Allahs weder Marmor noch Gold braucht – nur aufrichtige Herzen.
Bedeutende Moscheen der Welt
Von Andalusien bis Indonesien haben Muslime Häuser des Gebets gebaut, die zu den schönsten Bauwerken der Menschheit gehören. Hier eine kleine Auswahl.
Die Umayyaden-Moschee in Damaskus
Erbaut im frühen 8. Jahrhundert unter dem Kalifen al-Walid ibn Abd al-Malik, gehört sie zu den ältesten großen Moscheen der Welt. Berühmt sind ihre goldgrundigen Mosaiken mit Landschaften, Flüssen und Bäumen. Im Gebetssaal steht ein Schrein, in dem nach der Überlieferung das Haupt des Propheten Yahya (Johannes), Friede sei mit ihm, ruht. Der weite Marmorhof ist ein Ort der Stille mitten in der Altstadt.
Al-Azhar in Kairo
Die al-Azhar-Moschee wurde im 10. Jahrhundert gegründet und ist bis heute ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Generationen von Studierenden aus aller Welt haben in ihren Säulenhallen Koran, Hadith und Recht gelernt. Wer sie besucht, sieht oft kleine Lerngruppen, die sich um einen Lehrer versammeln – wie seit Jahrhunderten.
Die Muhammad-Ali-Moschee und die Ibn-Tulun-Moschee in Kairo
Hoch auf der Zitadelle thront die Muhammad-Ali-Moschee aus dem 19. Jahrhundert, nach ihrer Verkleidung auch „Alabaster-Moschee“ genannt. Mit ihren Kuppeln und schlanken Minaretten folgt sie dem osmanischen Stil und bietet einen weiten Blick über Kairo.
Ganz anders die Ibn-Tulun-Moschee aus dem 9. Jahrhundert: schlicht, gewaltig, mit einem riesigen Innenhof und einem Minarett mit einer außen herumführenden Wendeltreppe. Sie gilt als eine der ältesten Moscheen Kairos, die weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten ist. Ihre Ruhe ist überwältigend.
Die Sultan-Hasan-Moschee in Kairo
Unterhalb der Zitadelle steht die Moschee und Madrasa des Sultans Hasan aus dem 14. Jahrhundert, ein Meisterwerk der Mamlukenzeit. Um ihren Hof öffnen sich vier hohe Hallen, und in jeder wurde eine der vier sunnitischen Rechtsschulen gelehrt – ein Bauwerk, das die Vielfalt der Schulen unter einem Dach vereint. Mehr über die Schulen erfährst du im Kapitel über die Rechtsschulen.
Die Sultan-Ahmed-Moschee und die Süleymaniye in Istanbul
Die Sultan-Ahmed-Moschee, Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut, ist wegen ihrer blauen Iznik-Fliesen als „Blaue Moschee“ bekannt. Sie hat sechs Minarette und ist eine lebendige Gebetsstätte: Zu den Gebetszeiten bleibt sie Betenden vorbehalten, danach strömen Besucher wieder hinein.
Die Süleymaniye entstand im 16. Jahrhundert für Sultan Süleyman nach Plänen des großen Baumeisters Mimar Sinan. Sie thront auf einem der Hügel über dem Goldenen Horn, umgeben von Schulen, einem Krankenhaus und Grabstätten – darunter die des Sultans und, ganz in der Nähe, die Sinans selbst. Viele halten sie für das Meisterwerk osmanischer Baukunst.
Die Selimiye in Edirne
Für Sultan Selim II. baute Sinan im 16. Jahrhundert in Edirne die Selimiye-Moschee. Ihre gewaltige Kuppel scheint über dem Raum zu schweben, vier schlanke Minarette rahmen sie ein. Nach der Überlieferung nannte Sinan selbst sie sein Meisterwerk; heute gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
Die Mezquita von Córdoba
In Córdoba begann Abd ar-Rahman I. im 8. Jahrhundert den Bau einer Moschee, die über Generationen erweitert wurde. Ihr Wald aus Säulen mit rot-weißen Doppelbögen und ihr kunstvoller Mihrab gehören zu den Höhepunkten andalusischer Kunst. Heute ist das Gebäude eine Kathedrale und wird als historisches Denkmal besucht – ein stiller Zeuge der Zeit, als Córdoba eine Stadt der Gelehrten und Bibliotheken war.
Al-Qarawiyyin in Fes
Im Jahr 859 gründete Fatima al-Fihri, eine fromme Frau aus Kairouan, in Fes eine Moschee, aus der eine der ältesten noch bestehenden Lehrstätten der Welt hervorging. Die al-Qarawiyyin liegt tief in den Gassen der Altstadt. Der Gebetssaal ist Muslimen vorbehalten, doch durch die geöffneten Tore kannst du einen Blick auf den Hof mit seinen Brunnen und Kacheln werfen.
Die Hassan-II.-Moschee in Casablanca
Die 1993 fertiggestellte Hassan-II.-Moschee steht teilweise auf einer Plattform über dem Atlantik und hat eines der höchsten Minarette der Welt. Marokkanische Handwerker haben Zedernholz, Stuck und Zellige-Mosaiken in meisterhafter Arbeit gestaltet. Sie gehört zu den wenigen Moscheen Marokkos, die auch Nichtmuslime bei Führungen betreten dürfen.
Die Große Moschee von Kairouan
Die Moschee in Kairouan im heutigen Tunesien geht auf die Gründung der Stadt durch Uqba ibn Nafi im 7. Jahrhundert zurück; ihre heutige Gestalt erhielt sie vor allem im 9. Jahrhundert. Ihr mächtiges, quadratisches Minarett gehört zu den ältesten der Welt, und ihr Grundriss wurde Vorbild für viele Moscheen in Nordafrika.
Die Große Moschee von Samarra
Im 9. Jahrhundert ließ der abbasidische Kalif al-Mutawakkil in Samarra im heutigen Irak eine Moschee errichten, die zu den größten ihrer Zeit gehörte. Erhalten sind vor allem die mächtigen Außenmauern und das berühmte Minarett al-Malwiya, um das sich eine Rampe spiralförmig nach oben windet.
Die Badshahi-Moschee und die Faisal-Moschee in Pakistan
Die Badshahi-Moschee in Lahore ließ der Mogulkaiser Aurangzeb im 17. Jahrhundert errichten. Roter Sandstein, weiße Marmorkuppeln und ein riesiger Hof, in dem sich zu Festtagen unzählige Betende versammeln, machen sie zu einem der großen Bauwerke der Mogulzeit.
Die Faisal-Moschee in Islamabad liegt am Fuß der Margalla-Berge. Ihr Entwurf des türkischen Architekten Vedat Dalokay erinnert an ein Beduinenzelt, ganz ohne klassische Kuppel. Benannt ist sie nach König Faisal von Saudi-Arabien.
Die Jama Masjid in Delhi
Der Mogulkaiser Schah Dschahan, der auch das Tadsch Mahal errichten ließ, baute im 17. Jahrhundert die Jama Masjid in Delhi. Roter Sandstein und weißer Marmor, drei Kuppeln und ein weiter Hof machen sie zu einer der größten Moscheen Indiens. Zum Freitagsgebet und an den Festtagen füllt sich der Hof bis an den Rand.
Die Imam-Moschee und die Scheich-Lotfollah-Moschee in Isfahan
Am weiten Naqsch-e-Dschahan-Platz in Isfahan stehen zwei Juwelen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Imam-Moschee, früher Schah-Moschee, ist von innen und außen mit blauen Fliesen überzogen; unter ihrer Kuppel trägt ein Echo die Stimme durch den Raum. Die kleinere Scheich-Lotfollah-Moschee hat weder Minarett noch Hof, doch ihre Kuppel, in die das Licht durch feine Fenster fällt, gehört zu den schönsten der Welt.
Das Heiligtum von Imam Reza in Maschhad
In Maschhad im Nordosten Irans liegt das Grab von Ali ibn Musa ar-Rida, einem Nachfahren des Propheten ﷺ, den die Zwölfer-Schiiten als achten Imam ehren. Der weitläufige Komplex aus Höfen, Moscheen und Bibliotheken wird jedes Jahr von sehr vielen Pilgern besucht. Mehr über die verschiedenen Traditionen erfährst du im Kapitel über Sunniten und Schiiten.
Die Sultan-Qabus-Moschee in Maskat
Im benachbarten Oman wurde 2001 die Sultan-Qabus-Moschee in Maskat eröffnet. Ihr Gebetssaal ist mit einem riesigen handgeknüpften Teppich ausgelegt, darüber hängt ein großer Kronleuchter, und die hellen Säulengänge laden zur Stille ein. Besucher sind zu festen Zeiten willkommen.
Die Istiqlal-Moschee in Jakarta
Die Istiqlal-Moschee, „Moschee der Unabhängigkeit“, ist die größte Moschee Südostasiens. Entworfen hat sie der Architekt Friedrich Silaban, ein Christ, und sie steht direkt gegenüber der Kathedrale von Jakarta – ein schönes Zeichen des Zusammenlebens. Besucher werden freundlich empfangen und oft von Ehrenamtlichen herumgeführt.
Die Sultan-Omar-Ali-Saifuddien-Moschee in Brunei
In Bandar Seri Begawan erhebt sich eine goldene Kuppel über einer künstlichen Lagune. Die 1958 fertiggestellte Moschee spiegelt sich im Wasser, und in der Lagune liegt die Nachbildung eines königlichen Bootes. Am Abend, wenn die Lichter angehen, wirkt sie wie aus einem Traum.
Die Große Moschee von Xi'an
In der alten Kaiserstadt Xi'an in China steht eine Moschee, die aussieht wie ein chinesischer Tempel: hölzerne Pavillons mit geschwungenen Ziegeldächern, stille Gärten, Steintafeln mit chinesischen und arabischen Inschriften. Ihre Gründung wird traditionell ins 8. Jahrhundert gelegt; die heutigen Bauten stammen größtenteils aus der Ming-Zeit. Sie zeigt, wie der Islam die Formensprache eines Ortes annehmen kann, ohne sich selbst zu verlieren.
Die Große Moschee von Djenné in Mali
Die Große Moschee von Djenné ist das größte Lehmbauwerk der Welt. Ihre heutige Form stammt aus dem Jahr 1907. Jedes Jahr kommt die ganze Stadt zusammen, um die Mauern mit frischem Lehm zu verputzen – ein Fest der Gemeinschaft, bei dem Jung und Alt mit anpacken. Besucher bewundern sie meist von außen, vom Marktplatz aus, der sich vor ihr ausbreitet.
Die Große Moschee von Paris und die Shah-Jahan-Moschee in Woking
Auch Europa hat seine Moscheegeschichte. Die Große Moschee von Paris wurde 1926 eingeweiht, auch zum Gedenken an die muslimischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für Frankreich gefallen waren. Ihr Garten, ihre grünen Ziegeldächer und ihr Minarett erinnern an die Moscheen Nordafrikas und Andalusiens. Noch älter ist die Shah-Jahan-Moschee im englischen Woking von 1889, das erste eigens als Moschee errichtete Gebäude Großbritanniens. Ihren Namen trägt sie nach Sultan Schah Dschahan, der Herrscherin von Bhopal, die den Bau großzügig unterstützte.
Die Elemente einer Moschee – ein kleiner Rundgang
Eine Moschee braucht eigentlich nur einen sauberen Boden und eine Richtung. Und doch haben Muslime über Jahrhunderte eine eigene Formensprache entwickelt, in der jedes Element einem Zweck dient. Wenn du sie kennst, liest du jede Moschee wie ein Buch.
- Qibla-Wand: die Wand, die nach Mekka zur Kaaba weist (Koran 2:144). Die Betenden stehen in geraden Reihen parallel zu ihr, Schulter an Schulter. Deshalb sind viele Gebetssäle breiter als tief.
- Mihrab: die Nische in der Mitte der Qibla-Wand. Sie zeigt die Gebetsrichtung an, und der Imam steht davor. Das Wort kommt schon im Koran vor: Zakariyya betete „im Mihrab“, als die Engel ihn riefen (Koran 3:39) – dort bedeutet es einen Gebetsraum. Die Nische als fester Bauteil kam erst nach der Zeit des Propheten ﷺ auf und wurde zu einem der kostbarsten Orte islamischer Kunst, mit Kacheln, Stuck und Kalligrafie.
- Minbar: die Kanzel mit Stufen, rechts neben dem Mihrab, von der die Freitagspredigt gehalten wird. Anfangs predigte der Prophet ﷺ an einen Palmstamm gelehnt. Als man ihm eine hölzerne Kanzel baute, weinte der Stamm wie ein Kind, bis der Prophet ﷺ zu ihm ging und ihn an sich drückte (al-Bukhari).
- Minarett: der Turm, von dem der Gebetsruf erklingt. Zur Zeit des Propheten ﷺ rief Bilal den Adhan von einer erhöhten Stelle; Minarette als eigene Türme entstanden später und nahmen in jeder Region eine eigene Gestalt an – quadratisch in Kairouan, spiralförmig in Samarra, schlank wie ein Bleistift in Istanbul.
- Kuppel: Sie ist keine Pflicht – die erste Moschee in Medina hatte keine. Doch die Kuppel weitet den Raum, trägt die Stimme des Rezitators und lässt den Blick nach oben wandern. Innen ist sie oft mit Sternmustern, Versen oder Muqarnas verziert, den wabenartigen Gewölben der islamischen Baukunst.
- Sahn: der offene Innenhof, oft von Säulengängen umgeben, mit einem Brunnen in der Mitte. Er spendet Licht und Luft und wird an Freitagen und Festtagen zum Gebetsraum, wenn der Saal nicht reicht.
- Waschbereich: Hier vollziehen Betende die Gebetswaschung, den Wudu: Gesicht, Hände und Unterarme, das Bestreichen des Kopfes und die Füße (Koran 5:6). In alten Moscheen ist es ein Brunnen im Hof, in neuen ein eigener Raum mit Sitzen und Wasserhähnen.
- Kalligrafie und Ornament: In Gebetsräumen verzichtet die islamische Kunst auf Bilder von Lebewesen. An ihre Stelle treten Verse des Korans in kunstvoller Schrift, geometrische Sterne, die sich ins Unendliche fortsetzen, und Ranken ohne Ende. Viele sehen darin einen stillen Hinweis auf die Unendlichkeit Allahs.
Wenn du das nächste Mal eine Moschee betrittst, such zuerst den Mihrab. Dann weißt du, wohin sich alle Herzen in diesem Raum wenden.
Wie du eine Moschee mit Respekt besuchst
Ob du Muslim bist oder als Gast kommst: Mit ein paar einfachen Regeln fühlst du dich sofort willkommen.
- Kleidung: Wähle locker sitzende Kleidung, die Arme und Beine bedeckt. Frauen tragen ein Kopftuch; große Moscheen wie die Scheich-Zayid-Moschee stellen bei Bedarf passende Kleidung bereit. Allah sagt: „O Kinder Adams, legt euren Schmuck bei jeder Gebetsstätte an“ 7:31.
- Schuhe: Vor dem Gebetsraum ziehst du die Schuhe aus. Es gibt Regale oder Beutel dafür.
- Wudu: Wer beten möchte, kommt mit Gebetswaschung oder vollzieht sie im Waschbereich der Moschee (Koran 5:6). Gäste, die nur schauen möchten, brauchen keine Waschung.
- Gebetszeiten: Plane deinen Besuch außerhalb der Gebetszeiten, wenn du nur besichtigen möchtest. Viele Moscheen schließen für Besucher kurz vor und während des Gebets.
- Frauenbereiche: Viele Moscheen haben eigene Bereiche oder Eingänge für Frauen. Der Prophet ﷺ sagte: „Hindert die Dienerinnen Allahs nicht an den Moscheen Allahs“ (al-Bukhari, Muslim).
- Fotografieren: Frage vorher, fotografiere niemals Betende aus der Nähe und gehe nicht direkt vor jemandem vorbei, der gerade betet.
- Ruhe und Duft: Sprich leise, schalte dein Telefon stumm. Der Prophet ﷺ bat darum, nicht nach dem Verzehr von rohem Knoblauch oder Zwiebeln in die Moschee zu kommen (al-Bukhari, Muslim) – ein Zeichen der Rücksicht auf die anderen.
- Freitag: Am Freitag ist zur Mittagszeit das Freitagsgebet mit Predigt. „Wenn zum Gebet am Freitag gerufen wird, dann eilt zum Gedenken Allahs“ 62:9. Für Besichtigungen ist dieser Tag oft eingeschränkt.
Tahiyyat al-Masdschid – die Begrüßung der Moschee
Der Prophet ﷺ sagte: „Wenn einer von euch die Moschee betritt, soll er zwei Rak'at beten, bevor er sich setzt“ (al-Bukhari 444, Muslim). Diese zwei Rak'at heißen Tahiyyat al-Masdschid, „Gruß an die Moschee“. Wie man sie betet, erklärt das Kapitel über das Gebet.
Bittgebete beim Betreten und Verlassen
Beim Betreten trittst du mit dem rechten Fuß ein und sagst: „Allahumma iftah li abwaba rahmatik“ – „O Allah, öffne mir die Tore Deiner Barmherzigkeit.“ Beim Verlassen trittst du mit dem linken Fuß hinaus und sagst: „Allahumma inni as'aluka min fadlik“ – „O Allah, ich bitte Dich um Deine Huld“ (Muslim).
Jede Moschee ist ein Haus Allahs
Ob prächtige Kuppel in Abu Dhabi oder Lehmmauern in Djenné, ob Marmor in Mekka oder ein kleiner Gebetsraum in deiner Nachbarschaft: Allah sagt: „Und die Moscheen gehören Allah. So ruft neben Allah niemanden an“ 72:18. Kein Bauwerk ist an sich heilig wegen seines Goldes, sondern wegen des Gedenkens, das in ihm lebt.
Wenn du das nächste Mal an einer Moschee vorbeigehst, tritt ruhig ein. Du bist willkommen – als Betender, als Lernender, als Gast. Und wenn du die Verse über die Häuser Allahs selbst hören möchtest, beginne mit Sure an-Nur, in der es heißt: „In Häusern, von denen Allah erlaubt hat, dass sie errichtet werden und dass Sein Name darin gedacht wird“ 24:36.
Häufige Fragen
Welche drei Moscheen sind im Islam besonders heilig?
Die Heilige Moschee (Masdschid al-Haram) in Mekka, die Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawi) in Medina und die Aqsa-Moschee in Jerusalem. Der Prophet ﷺ nannte sie als die einzigen Moscheen, zu denen man sich eigens auf Reisen begeben soll (al-Bukhari, Muslim).
Dürfen Nichtmuslime eine Moschee besuchen?
Viele Moscheen heißen Gäste aller Religionen willkommen, etwa die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi, die Jumeirah-Moschee in Dubai, die Al-Nur-Moschee in Schardscha oder die Hassan-II.-Moschee in Casablanca. Mekka ist allerdings Muslimen vorbehalten, und manche Moscheen erlauben Nichtmuslimen nur den Blick von außen.
Was ziehe ich beim Moscheebesuch an?
Locker sitzende Kleidung, die Arme und Beine bedeckt; Frauen tragen ein Kopftuch. Vor dem Gebetsraum ziehst du die Schuhe aus. Große Moscheen stellen oft passende Kleidung bereit.
Was ist Tahiyyat al-Masdschid?
Zwei Rak'at, die man beim Betreten einer Moschee betet, bevor man sich setzt. Der Prophet ﷺ hat dazu angeleitet (al-Bukhari 444, Muslim).
Was ist der Unterschied zwischen Mihrab und Minbar?
Der Mihrab ist die Nische in der Qibla-Wand, die die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt; davor steht der Imam beim Gebet. Der Minbar ist die Kanzel mit Stufen daneben, von der die Freitagspredigt gehalten wird.
Welches Bittgebet spricht man beim Betreten und Verlassen der Moschee?
Beim Betreten: „Allahumma iftah li abwaba rahmatik“ (O Allah, öffne mir die Tore Deiner Barmherzigkeit). Beim Verlassen: „Allahumma inni as'aluka min fadlik“ (O Allah, ich bitte Dich um Deine Huld) (Muslim).
Quellen
- Koran 2:144, 3:39, 3:96, 5:6, 7:31, 9:108, 17:1, 24:36, 62:9, 72:18
- Sahih al-Bukhari 444 (Tahiyyat al-Masdschid); Sahih al-Bukhari (der Palmstamm, der weinte, als der Minbar gebaut wurde)
- Sahih al-Bukhari (drei Moscheen, Gebet in der Prophetenmoschee, Rawda, Quba, Tahiyyat al-Masdschid, die Erde als Gebetsstätte, Moscheebau, Frauen in der Moschee, Knoblauch und Zwiebeln)
- Sahih Muslim (dieselben Überlieferungen; außerdem: die liebsten Orte bei Allah, Bittgebete beim Betreten und Verlassen der Moschee)
- Musnad Ahmad und Sunan Ibn Madscha (Gebet in der Heiligen Moschee); Sunan an-Nasa'i und Sunan Ibn Madscha (Gebet in der Quba-Moschee)
- Besucherinformationen der Scheich-Zayid-Moschee (Abu Dhabi) und des Sheikh Mohammed Centre for Cultural Understanding (Dubai)
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