Islam verstehen

Kapitel 12Der Monat des Korans

Ramadan und das Fasten

Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Kalenders – der Monat, in dem der Koran herabgesandt wurde, und der Monat, in dem Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang fasten. Er ist eine Zeit der Stille und der Gemeinschaft, der Geduld und der Großzügigkeit. Hier erfährst du, wie das Fasten funktioniert, wie du gesund durch den Monat kommst, was die letzten zehn Nächte so besonders macht und wie du dir mit einem sanften 30-Tage-Plan eigene Ziele mit dem Koran setzt.

15 Min. Lesezeit

2:185
Der Monat, in dem der Koran herabgesandt wurde
29–30
Tage, je nach Sichtung des Neumonds
97
Sure al-Qadr: besser als tausend Monate
≈ 20
Seiten am Tag für einen ganzen Koran im Ramadan

Der Monat des Korans

Allah sagt: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung“ Koran 2:185. Bevor Ramadan also der Monat des Fastens ist, ist er der Monat des Korans. Darum greifen Muslime in diesen Wochen mehr als sonst zum Koran, hören ihn in den Nachtgebeten und versuchen, ihn einmal ganz zu lesen.

Ibn Abbas berichtet, dass der Prophet ﷺ der großzügigste aller Menschen war und am großzügigsten im Ramadan, wenn der Engel Dschibril ihn traf. Dschibril kam in jeder Nacht des Ramadan zu ihm und ging mit ihm den Koran durch (überliefert bei al-Bukhari). In seinem letzten Lebensjahr tat er es sogar zweimal (al-Bukhari). Diese gemeinsame Wiederholung des Korans ist bis heute ein Vorbild: Ramadan ist die Zeit, in der wir unsere Beziehung zum Wort Allahs erneuern.

Das Fasten ist euch vorgeschrieben

O ihr, die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet
Koran 2:183

Das Ziel des Fastens nennt der Vers gleich mit: Taqwa, ein waches Bewusstsein für Allah. Wer tagsüber auf Erlaubtes verzichtet – auf Essen und Trinken –, übt sich darin, erst recht auf Unerlaubtes zu verzichten.

Gefastet wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang: „Und esst und trinkt, bis sich für euch der weiße Faden vom schwarzen Faden der Morgendämmerung klar unterscheidet. Dann vollendet das Fasten bis zur Nacht“ Koran 2:187. Derselbe Vers erlaubt in den Nächten des Ramadan ausdrücklich, was tagsüber ruht – auch die eheliche Nähe.

Der Prophet ﷺ sagte: „Wer den Ramadan aus Glauben und in Hoffnung auf den Lohn Allahs fastet, dem werden seine früheren Sünden vergeben“ (al-Bukhari und Muslim). Und er erinnerte daran, dass das Fasten mehr ist als Hunger: Wer lügt und unrecht handelt, dessen Verzicht auf Essen und Trinken braucht Allah nicht (al-Bukhari). Fasten heißt also auch, die Zunge, die Augen und das Herz zu hüten.

Wer fastet – und wer ist befreit?

Das Fasten im Ramadan ist Pflicht für jeden Muslim, der erwachsen (geschlechtsreif), bei Verstand und gesund ist und sich nicht auf Reisen befindet. Der Islam ist dabei eine Religion der Erleichterung. Gleich nach dem Gebot heißt es: „Wer von euch aber krank ist oder sich auf einer Reise befindet, der soll eine Anzahl anderer Tage fasten“ Koran 2:184, und: „Allah will für euch Erleichterung, und Er will für euch keine Erschwernis“ Koran 2:185.

Befreit sind insbesondere:

  • Kranke, denen das Fasten schadet oder deren Genesung es verzögert. Sie holen die Tage später nach.
  • Reisende – sie dürfen das Fasten brechen und holen es nach, auch wenn manche lieber weiterfasten, wenn es ihnen leichtfällt.
  • Frauen während der Menstruation und des Wochenbetts. Sie fasten nicht und holen die Tage später nach, wie Aischa berichtet (überliefert bei Muslim).
  • Schwangere und Stillende, wenn sie um ihre Gesundheit oder die ihres Kindes fürchten. Ob sie nur nachholen oder zusätzlich eine Fidya geben, beurteilen die Rechtsschulen unterschiedlich.
  • Ältere Menschen und chronisch Kranke, die dauerhaft nicht fasten können. Sie geben stattdessen eine Fidya: Für jeden Tag speisen sie einen Bedürftigen Koran 2:184.

Kinder sind vor der Geschlechtsreife nicht zum Fasten verpflichtet. Schon die Prophetengefährten gewöhnten ihre Kinder aber behutsam daran (al-Bukhari).

Was bricht das Fasten?

Das Fasten wird gebrochen durch:

  • bewusstes Essen und Trinken, dazu zählt nach Ansicht der Gelehrten auch Rauchen,
  • ehelichen Verkehr am Tag – dafür ist neben dem Nachholen eine besondere Sühne vorgeschrieben,
  • absichtlich herbeigeführtes Erbrechen,
  • den Eintritt von Menstruation oder Wochenbettblutung.

Wer dagegen aus Vergessen isst oder trinkt, dessen Fasten bleibt gültig. Der Prophet ﷺ sagte: „Wer vergisst, dass er fastet, und isst oder trinkt, der soll sein Fasten vollenden, denn Allah hat ihn gespeist und getränkt“ (al-Bukhari und Muslim). Auch Duschen, Zähneputzen mit dem Miswak oder unbeabsichtigtes Schlucken von Speichel brechen das Fasten nicht. Bei medizinischen Fragen – Tabletten, Spritzen, Inhalatoren – sprich am besten mit einem Gelehrten und mit deinem Arzt; hier gibt es Einzelheiten, die man nicht pauschal beantworten sollte.

Suhur und Iftar

Der Tag des Fastenden hat zwei besondere Mahlzeiten. Die erste ist der Suhur vor der Morgendämmerung. Der Prophet ﷺ sagte: „Nehmt den Suhur ein, denn im Suhur liegt Segen“ (al-Bukhari und Muslim). Er nahm ihn spät ein: Zaid ibn Thabit berichtet, dass zwischen ihrem Suhur mit dem Propheten ﷺ und dem Gebet nur so viel Zeit lag, wie man für fünfzig Verse braucht (al-Bukhari und Muslim). Auch wenn es nur ein paar Datteln und ein Glas Wasser sind – steh dafür auf. Es stärkt den Körper und schenkt eine stille Stunde vor dem Morgengebet, in der sich gut beten und um Vergebung bitten lässt.

Die zweite ist der Iftar, das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang. Der Prophet ﷺ sagte: „Die Menschen bleiben im Guten, solange sie das Fastenbrechen nicht hinauszögern“ (al-Bukhari und Muslim). Er brach sein Fasten mit frischen Datteln, und wenn es keine gab, mit getrockneten, und wenn es auch die nicht gab, mit ein paar Schlucken Wasser (überliefert bei Abu Dawud und at-Tirmidhi). Es wird überliefert, dass er dabei sagte: Dhahaba az-zama'u wabtallatil-'uruqu wa thabatal-adschru in scha'a Allah – „Der Durst ist vergangen, die Adern sind wieder feucht, und der Lohn ist gewiss, so Allah will“ (Abu Dawud). Danach folgt das Abendgebet, und erst dann die eigentliche Mahlzeit – oft im Kreis der Familie, mit Nachbarn und Gästen.

Nutze auch die Minuten vor dem Fastenbrechen: Es wird überliefert, dass das Bittgebet des Fastenden nicht zurückgewiesen wird, bis er sein Fasten bricht (at-Tirmidhi). In der dschafaritischen Rechtsschule der Schiiten wird das Fasten übrigens einige Minuten später gebrochen, wenn nach Sonnenuntergang die Röte am östlichen Himmel verschwunden ist.

Gesund durch den Ramadan

Das Fasten soll dir nicht schaden – „Allah will für euch Erleichterung“ Koran 2:185. Diese allgemeinen Hinweise helfen vielen; sie ersetzen aber keinen ärztlichen Rat:

  • Genug trinken, aber verteilt. Trink zwischen Iftar und Suhur regelmäßig Wasser, lieber Glas für Glas als alles auf einmal. In heißen Monaten ist das besonders wichtig.
  • Sanft beginnen. Brich das Fasten mit Datteln und Wasser, bete Maghrib und iss danach in Ruhe. Wer nach einem langen Tag zu schnell und zu viel isst, fühlt sich oft schwer und müde.
  • Ausgewogen essen. Beim Suhur halten Vollkorn, Haferflocken, Eier, Joghurt, Obst und Gemüse oft länger vor. Beim Iftar tun Suppe, Salat, Gemüse und etwas Eiweiß gut; Frittiertes, sehr Süßes und sehr Salziges besser in Maßen.
  • Maß halten. Es wird überliefert, dass der Prophet ﷺ empfahl, den Magen zu einem Drittel mit Essen, zu einem Drittel mit Trinken und zu einem Drittel mit Atem zu füllen (at-Tirmidhi).
  • Schlaf einplanen. Ein kurzer Mittagsschlaf kann helfen, die kürzeren Nächte auszugleichen.
  • Leichte Bewegung. Ein Spaziergang nach dem Iftar oder nach dem Tarawih ist für viele angenehmer als Sport in der Mittagshitze.
  • Koffein langsam verringern. Wer viel Kaffee oder Tee trinkt, reduziert am besten schon in den Wochen vor dem Ramadan.
  • Mit Vorerkrankungen zuerst zum Arzt. Wer zum Beispiel Diabetes hat, regelmäßig Medikamente nimmt, schwanger ist oder stillt, bespricht vor dem Ramadan mit dem Arzt, ob und wie das Fasten möglich ist – und mit einem Gelehrten, was daraus folgt.

Tarawih – die Nachtgebete

Nach dem Nachtgebet ('Ischa) versammeln sich die Gläubigen zum Tarawih-Gebet. Der Prophet ﷺ betete es in einigen Nächten mit den Menschen gemeinsam und hörte dann damit auf, aus Sorge, es könnte ihnen zur Pflicht gemacht werden (al-Bukhari und Muslim). Später sammelte der Kalif Umar die Menschen hinter einem Imam, Ubayy ibn Ka'b (al-Bukhari). In vielen Moscheen wird im Tarawih im Laufe des Monats der ganze Koran rezitiert. Wie viele Gebetseinheiten man betet – etwa acht oder zwanzig –, wird unterschiedlich gehandhabt; beides ist gute Praxis. In der schiitischen Tradition werden die zusätzlichen Nachtgebete des Ramadan einzeln verrichtet, nicht als gemeinsames Tarawih. Der Prophet ﷺ sagte: „Wer die Nächte des Ramadan aus Glauben und in Hoffnung auf den Lohn Allahs im Gebet verbringt, dem werden seine früheren Sünden vergeben“ (al-Bukhari und Muslim).

Die letzten zehn Nächte

Aischa berichtet: Wenn die letzten zehn Nächte begannen, band der Prophet ﷺ sein Gewand fest, verbrachte die Nacht im Gebet und weckte seine Familie (al-Bukhari und Muslim). Diese Tage sind der Höhepunkt des Monats – lass ihnen Raum in deinem Kalender.

Laylat al-Qadr – die Nacht der Bestimmung

In einer Nacht des Ramadan begann die Offenbarung des Korans: „Wir haben ihn in einer gesegneten Nacht herabgesandt“ Koran 44:3. Allah hat ihr eine eigene Sure gewidmet: „Wir haben ihn in der Nacht der Bestimmung herabgesandt. Und was lässt dich wissen, was die Nacht der Bestimmung ist? Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate“ Koran 97:1–3. Die Engel und der Geist steigen in ihr herab, und sie ist Frieden bis zum Anbruch der Morgendämmerung Koran 97:4–5.

Wann genau sie ist, wissen wir nicht. Der Prophet ﷺ sagte: „Sucht die Nacht der Bestimmung in den ungeraden Nächten der letzten zehn Nächte des Ramadan“ (al-Bukhari). Und: „Wer die Nacht der Bestimmung aus Glauben und in Hoffnung auf den Lohn Allahs im Gebet verbringt, dem werden seine früheren Sünden vergeben“ (al-Bukhari und Muslim). Aischa fragte ihn, was sie in dieser Nacht sagen solle, und er lehrte sie: Allahumma innaka 'afuwwun tuhibbul-'afwa fa'fu 'anni – „O Allah, Du bist der Verzeihende, Du liebst das Verzeihen, so verzeih mir“ (überliefert bei at-Tirmidhi).

Schiitische Muslime verbringen besonders die Nächte zum 19., 21. und 23. Ramadan wachend in Gebet und Bittgebet. In diese Tage fällt für sie auch die Erinnerung an Imam Ali, der im Jahr 40 nach der Hidschra am 19. Ramadan in der Moschee von Kufa beim Gebet verwundet wurde und am 21. Ramadan starb.

I'tikaf – Rückzug in die Moschee

In den letzten zehn Tagen des Ramadan zog sich der Prophet ﷺ jedes Jahr in die Moschee zurück, bis Allah ihn zu sich nahm (al-Bukhari und Muslim). Dieser I'tikaf ist eine Zeit des Gebets, des Korans und des Gedenkens, fern vom Alltag. Wer nicht zehn Tage freinehmen kann, verbringt vielleicht einige Nächte oder Stunden in der Moschee – auch das ist ein Schritt auf demselben Weg. Auch in den Emiraten bieten viele Moscheen in den letzten zehn Nächten I'tikaf an; frag am besten vorher bei deiner Moschee, wie es dort geregelt ist.

Der Monat des Gebens

Der Prophet ﷺ war im Ramadan großzügiger als zu jeder anderen Zeit – „großzügiger als der wehende Wind“, wie Ibn Abbas sagt (al-Bukhari). Allah beschreibt, wie Er das Geben vermehrt: „Das Gleichnis derer, die ihren Besitz auf Allahs Weg ausgeben, ist das eines Saatkorns, das sieben Ähren wachsen lässt, in jeder Ähre hundert Körner“ Koran 2:261. Im Ramadan gibt es viele Türen zum Geben:

  • Einen Fastenden speisen: Wer einem Fastenden etwas zum Fastenbrechen gibt, erhält denselben Lohn wie er, ohne dass dessen Lohn gemindert wird (überliefert bei at-Tirmidhi). Darum ist der Ramadan bei uns ein Monat der offenen Türen.
  • Sadaqa: Kleine, regelmäßige Spenden – jeden Tag ein wenig – zählen. Und schon ein gutes Wort ist Sadaqa (al-Bukhari und Muslim).
  • Zakat: Die Zakat ist fällig, wenn ein Mondjahr über dem Vermögen vergangen ist. Viele legen diesen Stichtag auf den Ramadan, um sie in diesem gesegneten Monat zu geben. Mehr im Kapitel Zakat.
  • Zakat al-Fitr: Am Ende des Monats gibt jede Familie für jedes Mitglied die Zakat al-Fitr, und zwar vor dem Eid-Gebet (al-Bukhari 1503).
  • Fidya: Wer dauerhaft nicht fasten kann, speist für jeden Tag einen Bedürftigen Koran 2:184.

Die Sichtung des Mondes

Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond. Der Prophet ﷺ sagte: „Fastet, wenn ihr ihn seht, und brecht das Fasten, wenn ihr ihn seht. Und wenn er euch verborgen ist, dann vervollständigt die Zahl auf dreißig“ (al-Bukhari und Muslim). Ein Mondmonat hat deshalb 29 oder 30 Tage. Weil Länder und Gemeinden das unterschiedlich umsetzen – nach örtlicher Sichtung, nach der Sichtung anderswo oder nach Berechnung –, beginnt der Ramadan nicht überall am selben Tag; mehr dazu im Kapitel Die wichtigen Tage des islamischen Jahres. In den Emiraten verkündet ein offizielles Komitee zur Mondsichtung den Beginn und das Ende des Ramadan, und viele Familien warten an diesem Abend gespannt auf die Nachricht. Weil das Mondjahr kürzer ist als das Sonnenjahr, wandert der Ramadan durch alle Jahreszeiten.

Ramadan in den Emiraten

Bei uns in den Emiraten verändert der Ramadan das ganze Land. Schon Tage vorher leuchten Laternen und Lichterketten in Straßen und Einkaufszentren. Die Arbeitszeiten werden verkürzt – in der Privatwirtschaft gesetzlich um zwei Stunden am Tag, und auch Behörden und Schulen haben kürzere Tage. Kurz vor Sonnenuntergang werden die Straßen still, und nach dem Iftar erwachen die Städte.

  • Iftar-Zelte und gemeinsames Fastenbrechen: Überall stehen Zelte, in denen Moscheen, Familien und Wohltätigkeitsorganisationen jeden Abend Arbeiter, Reisende und Nachbarn bewirten – ohne zu fragen, woher jemand kommt. An der Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi brechen jeden Abend Tausende gemeinsam das Fasten. Viele Familien stellen Wasser und Datteln an die Straße, und Freiwillige verteilen zur Iftar-Zeit kleine Mahlzeiten an Autofahrer, die noch unterwegs sind.
  • Spendenkampagnen: Jedes Jahr starten im Ramadan große landesweite Kampagnen, etwa für Mahlzeiten für Bedürftige in aller Welt. Der Rote Halbmond der Emirate und viele Wohltätigkeitsorganisationen sammeln Zakat, Iftar-Spenden und Zakat al-Fitr.
  • Die Ramadan-Kanone: An festen Orten in den Städten wird bei Sonnenuntergang ein Schuss abgefeuert, der das Fastenbrechen ankündigt – ein Brauch aus einer Zeit, als nicht jedes Haus eine Uhr hatte, und bis heute ein Moment, auf den Kinder sich freuen.
  • Majlis und Ghabga: Nach dem Tarawih öffnen Familien ihre Majlis. Die Ghabga, ein spätes Beisammensein mit Essen zwischen Iftar und Suhur, ist eine alte Tradition am Golf. Auf dem Tisch stehen oft Luqaimat, kleine frittierte Teigbällchen mit Dattelsirup, und Harees.
  • Der Koran im Mittelpunkt: In Dubai findet jedes Jahr im Ramadan der Dubai International Holy Quran Award statt, ein internationaler Wettbewerb im Auswendiglernen des Korans, zu dem junge Hafiz aus vielen Ländern anreisen. Wer die Rezitationen hört, versteht, warum der Ramadan der Monat des Korans genannt wird.

Deine Koranziele im Ramadan

Der Koran hat in der üblichen Medina-Ausgabe 604 Seiten. Nicht jeder muss ihn im Ramadan ganz lesen – wichtiger ist ein Ziel, das zu dir passt und das du ehrlich durchhältst:

  • Ein ganzer Koran (Khatm): etwa 20 Seiten am Tag, ein Dschuz'. Am leichtesten mit vier Seiten nach jedem der fünf Gebete.
  • Ein halber Koran: etwa 10 Seiten am Tag – zwei Seiten nach jedem Gebet.
  • Verstehen statt Menge: jeden Tag eine kurze Passage mit Übersetzung und Tafsir. Lieber weniger mit Herz als viel ohne Verständnis.
  • Auswendiglernen: eine kurze Sure pro Woche, etwa aus dem letzten Teil des Korans, Schritt für Schritt mit der Shams-Methode.
  • Hören: Auf dem Weg zur Arbeit oder beim Kochen kannst du die Rezitation hören und Vers für Vers mitverfolgen.

Fang am besten schon einige Tage vor dem Ramadan an oder lies an ruhigen Tagen etwas mehr, damit du in den letzten zehn Nächten Luft für Gebet und Bittgebete hast. Mit unserem Khatm-Planer verteilst du den ganzen Koran auf 30 Tage und verfolgst deinen Fortschritt; wer langfristig auswendig lernen möchte, findet im Memorierplan einen Plan Monat für Monat. Den Koran selbst findest du mit Rezitation, Übersetzung und Tafsir auf unserer Koran-Seite.

Ein sanfter 30-Tage-Plan

Kein Programm, das dich unter Druck setzt, sondern ein Geländer, an dem du dich festhalten kannst. Nimm dir, was zu dir passt.

Vorher, im Scha'ban: verpasste Fastentage nachholen, deine Ziele aufschreiben, Koffein langsam verringern und im Khatm-Planer dein tägliches Pensum festlegen.

Tage 1–10 – ankommen:

  • die fünf Gebete pünktlich beten, wenn möglich in Gemeinschaft,
  • jeden Tag deinen Koranabschnitt lesen, auch wenn er klein ist,
  • jeden Tag ein kurzes Bittgebet lernen – Anregungen findest du bei unseren Duas,
  • den Suhur nicht auslassen und beim Iftar maßvoll bleiben.

Tage 11–20 – vertiefen:

  • zu deinem Tagesabschnitt einige Verse mit Tafsir lesen,
  • jede Woche jemanden zum Iftar einladen oder ein Essen spenden,
  • deine persönlichen Anliegen sammeln: Mit dem Dua-Generator stellst du dir ein Bittgebet in deinen eigenen Worten zusammen,
  • eine Gewohnheit bewusst ablegen – zum Beispiel das Handy beim Iftar weglegen.

Tage 21–30 – die letzten zehn Nächte:

  • jede Nacht etwas länger beten, besonders in den ungeraden Nächten,
  • oft das Bittgebet sprechen, das der Prophet ﷺ Aischa lehrte: Allahumma innaka 'afuwwun tuhibbul-'afwa fa'fu 'anni,
  • wenn möglich einige Stunden oder Nächte I'tikaf,
  • jeden Abend eine kleine Spende geben, damit die Nacht der Bestimmung, wann immer sie ist, nicht ohne Sadaqa vergeht,
  • die Zakat al-Fitr rechtzeitig vor dem Eid-Gebet entrichten.

Danach: Behalte wenigstens eine Gewohnheit aus dem Ramadan bei – und vielleicht die sechs Fastentage im Schawwal.

Tipps für Familien und Berufstätige

Für Kinder: Lass sie stufenweise beginnen – zuerst bis zum Mittag, dann bis zum Nachmittag, später einen ganzen Tag am Wochenende. Lass sie beim Iftar helfen, den Tisch decken, Datteln an Nachbarn verteilen. Ein Ramadan-Kalender, in dem sie jeden Tag eine kurze Sure, eine gute Tat oder ein Bittgebet abhaken, macht den Monat greifbar. Und lob sie viel – die Liebe zum Ramadan entsteht durch Freude, nicht durch Druck.

Für Berufstätige:

  • Iss beim Suhur etwas Nahrhaftes und trink zwischen Iftar und Suhur ausreichend Wasser.
  • Lege anspruchsvolle Aufgaben, wenn möglich, in die Vormittagsstunden.
  • Nutze die Mittagspause für ein kurzes Nickerchen oder ein paar Seiten Koran.
  • Sei geduldig mit dir und anderen. Der Prophet ﷺ lehrte: Wenn dich jemand beschimpft, so sag: „Ich faste“ (al-Bukhari und Muslim).

Und ganz gleich, wie voll dein Tag ist: Ein Ramadan, in dem du jeden Tag ein wenig Koran liest, gut zu deiner Familie bist und dein Fasten ehrlich hältst, ist ein gesegneter Ramadan. Am Ende des Monats folgt das Fest des Fastenbrechens – mehr dazu im Kapitel Die wichtigen Tage des islamischen Jahres.

Häufige Fragen

Von wann bis wann wird im Ramadan gefastet?

Von der Morgendämmerung, also dem Beginn der Zeit des Morgengebets, bis zum Sonnenuntergang. In dieser Zeit verzichtet man auf Essen, Trinken und ehelichen Verkehr (Koran 2:187).

Bricht es das Fasten, wenn ich aus Versehen etwas esse?

Nein. Wer vergisst, dass er fastet, und isst oder trinkt, fastet einfach weiter – der Prophet ﷺ sagte, Allah habe ihn gespeist und getränkt (al-Bukhari und Muslim).

Ich bin krank – muss ich fasten?

Nein, wenn das Fasten dir schadet. Kranke und Reisende holen die Tage später nach (Koran 2:184). Wer dauerhaft nicht fasten kann, gibt eine Fidya: Für jeden Tag wird ein Bedürftiger gespeist. Sprich bei Vorerkrankungen vor dem Ramadan mit deinem Arzt.

Wie bleibe ich beim Fasten gesund?

Trink zwischen Iftar und Suhur verteilt genug Wasser, lass den Suhur nicht aus, brich das Fasten sanft mit Datteln und Wasser und iss ausgewogen statt üppig. Ein kurzer Mittagsschlaf und leichte Bewegung am Abend helfen vielen. Das sind allgemeine Hinweise, kein ärztlicher Rat.

Wann ist Laylat al-Qadr?

Ihr genaues Datum ist nicht bekannt. Der Prophet ﷺ empfahl, sie in den ungeraden Nächten der letzten zehn Nächte des Ramadan zu suchen (al-Bukhari). Schiitische Muslime legen besonderen Wert auf die Nächte zum 19., 21. und 23. Ramadan.

Wie schaffe ich den ganzen Koran im Ramadan?

Mit etwa 20 Seiten am Tag, also einem Dschuz' – zum Beispiel vier Seiten nach jedem Gebet. Unser Khatm-Planer (/khatm) verteilt den Koran auf 30 Tage. Wenn dir das zu viel ist, ist ein halber Koran oder eine tägliche Passage mit Tafsir ein ebenso gutes Ziel.

Quellen

  • Koran 2:183–185, 2:187, 2:261, 44:3, 97:1–5
  • Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim – Vergebung für Fasten, Nachtgebet und Laylat al-Qadr; Segen des Suhur; Suhur kurz vor der Morgendämmerung (Zaid ibn Thabit); Eile beim Fastenbrechen; Essen aus Vergessen; Tarawih des Propheten ﷺ; die letzten zehn Nächte (Aischa); I'tikaf; Mondsichtung; das gute Wort als Sadaqa; „Ich faste“
  • Sahih al-Bukhari – Dschibril geht mit dem Propheten ﷺ im Ramadan den Koran durch und seine Großzügigkeit (Ibn Abbas); Laylat al-Qadr in den ungeraden Nächten; Umar und das gemeinsame Tarawih; Lüge und Fasten; Kinder und das Fasten; al-Bukhari 1503 – Zakat al-Fitr vor dem Eid-Gebet
  • Sahih Muslim – Nachholen der Fastentage nach der Menstruation (Aischa)
  • Sunan Abu Dawud und Dschami' at-Tirmidhi – Fastenbrechen mit Datteln und Wasser; Abu Dawud – Bittgebet beim Fastenbrechen; at-Tirmidhi – Bittgebet in Laylat al-Qadr, Lohn für das Speisen eines Fastenden, das Bittgebet des Fastenden, das Maß beim Essen

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