Ein Jahr, das dem Mond folgt
Der islamische Kalender, der Hidschri-Kalender, ist ein reiner Mondkalender. Jeder Monat beginnt mit der neuen Mondsichel und hat 29 oder 30 Tage. Allah sagt: „Sie fragen dich nach den Neumonden. Sag: Sie sind Zeitbestimmungen für die Menschen und für die Pilgerfahrt“ Koran 2:189. Das Jahr hat damit 354 oder 355 Tage und ist etwa elf Tage kürzer als das Sonnenjahr. Deshalb wandern Ramadan und die Feste durch die Jahreszeiten: Wer lange genug lebt, fastet im Sommer wie im Winter und feiert Eid in der Hitze wie in der Kühle.
Die Zählung der Jahre beginnt mit der Hidschra, der Auswanderung des Propheten ﷺ von Mekka nach Medina im Jahr 622. Eingeführt wurde diese Zeitrechnung unter dem Kalifen Umar, und der Muharram wurde der erste Monat des Jahres.
Die zwölf Monate
- Muharram
- Safar
- Rabi' al-Awwal
- Rabi' ath-Thani
- Dschumada al-Ula
- Dschumada al-Achira
- Radschab
- Scha'ban
- Ramadan
- Schawwal
- Dhul-Qa'da
- Dhul-Hiddscha
Die vier heiligen Monate
Allah sagt: „Die Anzahl der Monate bei Allah ist zwölf Monate … davon sind vier heilig“ Koran 9:36. Die vier heiligen Monate sind nach der Überlieferung (al-Bukhari und Muslim) Dhul-Qa'da, Dhul-Hiddscha, Muharram und Radschab. In ihnen wiegt Unrecht besonders schwer und gute Taten besonders viel.
Die Sichtung des Mondes – und warum nicht alle am selben Tag feiern
Der Prophet ﷺ sagte: „Fastet, wenn ihr ihn seht, und brecht das Fasten, wenn ihr ihn seht. Und wenn er euch verborgen ist, dann vervollständigt die Zahl auf dreißig“ (al-Bukhari und Muslim). Am Abend des 29. Tages schauen darum Komitees und Freiwillige kurz nach Sonnenuntergang nach Westen. Wird die Sichel gesehen, beginnt der neue Monat; wenn nicht, hat der laufende Monat 30 Tage.
Wie man diese Anweisung heute umsetzt, wird unterschiedlich gehandhabt – und jede Praxis hat Gelehrte auf ihrer Seite:
- Örtliche Sichtung: Ein Land oder eine Region richtet sich nach der Sichtung am eigenen Himmel.
- Sichtung anderswo: Manche Gemeinden folgen der Sichtung eines anderen Landes, etwa Saudi-Arabiens, oder jeder bestätigten Sichtung weltweit.
- Astronomische Berechnung: Andere legen die Monate im Voraus nach Berechnungen fest, oft verbunden mit der Frage, ob die Sichel überhaupt sichtbar sein kann.
So kann es geschehen, dass Ramadan oder Eid in zwei Ländern – manchmal sogar in zwei Moscheen derselben Stadt – an verschiedenen Tagen beginnen. Das ist kein Grund zum Streit. Es wird überliefert, dass der Prophet ﷺ sagte: „Das Fasten ist an dem Tag, an dem ihr fastet, das Fastenbrechen an dem Tag, an dem ihr es brecht, und das Opferfest an dem Tag, an dem ihr opfert“ (at-Tirmidhi). Viele Gelehrte raten deshalb, sich der eigenen Gemeinschaft anzuschließen und andere nicht zu tadeln. In den Emiraten tritt am Abend des 29. ein offizielles Komitee zur Mondsichtung zusammen, und seine Entscheidung gilt für das ganze Land.
Muharram und das islamische Neujahr
Mit dem 1. Muharram beginnt das neue Hidschri-Jahr. Für diesen Tag sind keine besonderen Gebete oder Bräuche aus der Sunna überliefert; viele Muslime nutzen ihn still zum Innehalten: Was hat mir das vergangene Jahr gebracht, und wohin will ich im neuen? Die Erinnerung an die Hidschra passt dazu – an den Mut, Vertrautes zu verlassen, um den Glauben in Frieden leben zu können. In den Emiraten ist das islamische Neujahr ein gesetzlicher Feiertag.
Der Muharram selbst ist ein heiliger Monat. Der Prophet ﷺ nannte ihn „den Monat Allahs“ und sagte: „Das beste Fasten nach dem Ramadan ist im Monat Allahs, dem Muharram“ (Muslim 1163).
Aschura – der zehnte Muharram
Kaum ein Tag trägt so viele Bedeutungen wie Aschura. Sunnitische und schiitische Muslime erinnern an diesem Tag an unterschiedliche Ereignisse, und beide verdienen Respekt.
Ein Tag der Rettung und des Fastens
Als der Prophet ﷺ nach Medina kam, erfuhr er, dass an diesem Tag gefastet wurde, weil Allah den Propheten Musa (Friede sei mit ihm) und sein Volk vor dem Pharao gerettet hatte. Er sagte, die Muslime stünden Musa näher, fastete selbst und empfahl das Fasten (al-Bukhari und Muslim). Über den Lohn sagte er: „Das Fasten am Tag von Aschura – ich hoffe von Allah, dass es das vergangene Jahr sühnt“ (Muslim 1162).
Später sagte er: „Wenn ich bis zum nächsten Jahr lebe, werde ich auch den neunten (Tag) fasten“ (Muslim 1134). Darum empfehlen viele Gelehrte, Aschura zusammen mit dem Tag davor zu fasten, also am 9. und 10. Muharram; manche nennen auch den 10. und 11. Es ist ein freiwilliges Fasten, keine Pflicht.
Ein Tag der Trauer: Imam Husain und Kerbela
Für schiitische Muslime ist Aschura vor allem der Tag, an dem Imam Husain ibn Ali, der Enkel des Propheten ﷺ, im Jahr 61 nach der Hidschra (680 n. Chr.) bei Kerbela im heutigen Irak zusammen mit Mitgliedern seiner Familie und Gefährten getötet wurde. In den ersten zehn Tagen des Muharram kommen sie zu Trauerversammlungen zusammen, erzählen seine Geschichte, rezitieren Trauergedichte und reichen allen, die kommen, Wasser und Essen – auch in Erinnerung an den Durst, den Husain und die Seinen litten. Sie verbinden diesen Tag mit Werten wie Standhaftigkeit, Opferbereitschaft und dem Einsatz für Gerechtigkeit. Vierzig Tage später folgt Arba'in, an dem viele zu Fuß nach Kerbela pilgern.
Der Tod Husains ist für alle Muslime schmerzlich – er war der geliebte Enkel des Propheten ﷺ. Mehr über Kerbela erfährst du im Kapitel Die heiligen Städte, mehr über die beiden Traditionen im Kapitel über Sunniten und Schiiten.
Radschab und die Nachtreise (al-Isra' wal-Mi'radsch)
Radschab ist einer der vier heiligen Monate, und viele Muslime verbinden ihn mit der Erinnerung an die Nachtreise des Propheten ﷺ. Allah sagt: „Preis sei Dem, der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernen Gebetsstätte reisen ließ, deren Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm etwas von Unseren Zeichen zu zeigen. Er ist ja der Allhörende, der Allsehende“ Koran 17:1. Von Mekka führte die Reise nach Jerusalem und von dort hinauf durch die Himmel – der Mi'radsch, auf den viele Kommentatoren auch die Verse 53:13–18 beziehen. In dieser Nacht wurden die fünf täglichen Gebete vorgeschrieben (al-Bukhari und Muslim). Das Gebet ist gleichsam das Geschenk, das der Prophet ﷺ von dieser Reise mitbrachte.
Wann genau die Nachtreise war, ist nicht sicher überliefert. Weit verbreitet ist der 27. Radschab, doch Historiker und Gelehrte nennen auch andere Monate und sogar verschiedene Jahre vor der Hidschra. Viele Muslime erinnern an diesem Abend mit Vorträgen und Bittgebeten an die Geschichte; andere legen auf dieses Datum keine besonderen Gottesdienste, weil dafür keine festen Handlungen überliefert sind. Beide treffen sich in der Liebe zu dem, wovon die Nachtreise erzählt: zum Gebet und zu Jerusalem.
Die Mitte des Scha'ban
Der Scha'ban ist der Monat vor dem Ramadan. Aischa berichtet, dass sie den Propheten ﷺ in keinem Monat außer dem Ramadan so viel fasten sah wie im Scha'ban (al-Bukhari und Muslim). Er ist eine gute Zeit, sich vorzubereiten: verpasste Fastentage nachholen, den Koran wieder öfter öffnen, das Herz einstimmen.
Über die Nacht zur Mitte des Scha'ban gibt es unterschiedliche Ansichten. Wir stellen sie nebeneinander, ohne zu urteilen:
- Viele Muslime verbringen diese Nacht mit Gebet, Koranlesung und Bitten um Vergebung – im Arabischen oft Lailat al-Bara'a genannt, in Südasien Schab-e Barat. Sie stützen sich auf Überlieferungen, nach denen Allah in dieser Nacht vielen Menschen vergibt; manche Gelehrte halten diese Überlieferungen in ihrer Gesamtheit für tragfähig.
- Andere Gelehrte bewerten diese Überlieferungen als schwach und raten davon ab, die Nacht mit besonderen, festgelegten Gottesdiensten hervorzuheben. Wer in ihr betet wie in jeder anderen Nacht, tut damit nichts Falsches.
- Für schiitische Muslime ist der 15. Scha'ban zudem ein Tag der Freude: der Geburtstag des zwölften Imams, Muhammad al-Mahdi.
Gemeinsam ist allen: Jede Nacht ist eine gute Nacht, um Allah um Vergebung zu bitten.
Ramadan und die Nacht der Bestimmung
Der neunte Monat ist der Höhepunkt des Jahres: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde“ Koran 2:185. Einen Monat lang fasten Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, beten in den Nächten und lesen mehr Koran als sonst. In seinen letzten zehn Nächten liegt die Laylat al-Qadr, die Nacht der Bestimmung, die „besser ist als tausend Monate“ Koran 97:3. Alles über das Fasten, die Nächte und den Ramadan in den Emiraten findest du im Kapitel Ramadan und das Fasten.
Eid al-Fitr – das Fest des Fastenbrechens
Als der Prophet ﷺ nach Medina kam, hatten die Menschen dort zwei Tage, an denen sie feierten und spielten. Er sagte: „Allah hat sie euch durch zwei bessere ersetzt: den Tag des Opferfestes und den Tag des Fastenbrechens“ (überliefert von Anas bei Abu Dawud). So hat der Islam genau zwei große Feste. Beide folgen auf eine große Zeit des Gottesdienstes – das eine auf das Fasten im Ramadan, das andere auf die Tage der Pilgerfahrt. Darum ist die Freude des Eid keine leere Ausgelassenheit, sondern die Freude dessen, der eine Aufgabe mit Allahs Hilfe vollendet hat.
Eid al-Fitr fällt auf den 1. Schawwal, sobald der neue Mond nach dem Ramadan gesichtet ist. An diesem Tag ist das Fasten verboten (al-Bukhari und Muslim) – nach einem Monat des Verzichts ist das Essen selbst ein Teil des Gottesdienstes.
Zakat al-Fitr vor dem Gebet
Ibn Umar berichtet, dass der Prophet ﷺ die Zakat al-Fitr für jeden Muslim vorschrieb – groß und klein, Mann und Frau – ein Sa' Datteln oder Gerste, „und er befahl, sie zu entrichten, bevor die Menschen zum Gebet hinausgehen“ (al-Bukhari 1503). So haben auch die Armen am Festtag genug. Heute gibt man meist ein Grundnahrungsmittel wie Reis oder, nach der Ansicht der hanafitischen Schule und vieler heutiger Gelehrter, den Gegenwert in Geld. Viele geben sie schon ein oder zwei Tage vorher, damit sie rechtzeitig ankommt. Mehr dazu im Kapitel Zakat.
Das Eid-Gebet
Das Eid-Gebet besteht aus zwei Gebetseinheiten (Rak'a) und wird am Vormittag gemeinsam gebetet, meist auf einem offenen Gebetsplatz oder in großen Moscheen. Es hat keinen Gebetsruf und keine Iqama (Muslim). Besonders sind die zusätzlichen Takbire – das wiederholte „Allahu akbar“ zu Beginn jeder Einheit. Ihre Zahl unterscheidet sich zwischen den Rechtsschulen: Viele Gelehrte lehren sieben in der ersten und fünf in der zweiten Einheit, die hanafitische Schule drei und drei. Nach dem Gebet hält der Imam eine Predigt (Chutba); der Prophet ﷺ betete zuerst und predigte danach (al-Bukhari).
Der Takbir des Eid
Vom Abend vor dem Fest bis zum Gebet klingt der Takbir durch Häuser, Straßen und Moscheen. Allah sagt am Ende der Verse über das Fasten: „… damit ihr die Anzahl vollendet und Allah dafür preist, dass Er euch rechtgeleitet hat“ Koran 2:185. Eine bekannte Form lautet:
Allahu akbar, Allahu akbar, la ilaha illa Allah, wallahu akbar, Allahu akbar wa lillahil-hamd.
Allah ist größer, Allah ist größer, es gibt keinen Gott außer Allah, und Allah ist größer, Allah ist größer, und Allah gebührt alles Lob.
Die Sunna des Festtags
- Ghusl – die Ganzkörperwaschung vor dem Gebet; von Prophetengefährten wie Ibn Umar überliefert (Muwatta Malik).
- Die besten Kleider anziehen. Sich für das Fest schön zu machen, war unter den Gefährten üblich (al-Bukhari).
- Datteln vor dem Gebet essen: Am Eid al-Fitr ging der Prophet ﷺ nicht hinaus, bevor er einige Datteln gegessen hatte, und er aß sie in ungerader Zahl (al-Bukhari).
- Einen anderen Weg zurückgehen: Am Festtag ging er auf einem Weg zum Gebet und kehrte auf einem anderen zurück (al-Bukhari). So begegnet man mehr Menschen und grüßt mehr Nachbarn.
- Takbir sprechen auf dem Weg zum Gebetsplatz.
- Auch Frauen und Kinder gehen mit zum Gebet. Der Prophet ﷺ forderte dazu auf, dass alle an der Freude und dem Bittgebet der Muslime teilhaben (al-Bukhari und Muslim).
Sechs Tage im Schawwal
Der Prophet ﷺ sagte: „Wer den Ramadan fastet und ihm sechs Tage aus dem Schawwal folgen lässt, der ist wie einer, der das ganze Jahr fastet“ (Muslim 1164). Man kann sie nach dem Festtag einzeln oder am Stück fasten. Die meisten Gelehrten empfehlen sie; die malikitische Schule war traditionell zurückhaltend, damit niemand diese Tage für einen Teil der Pflicht hält.
Die ersten zehn Tage des Dhul-Hiddscha und der Tag von Arafa
Schon vor dem Opferfest beginnt eine besondere Zeit. Der Prophet ﷺ sagte: „Es gibt keine Tage, an denen gute Taten Allah lieber sind als diese zehn Tage“ (al-Bukhari). Viele Kommentatoren beziehen auch den Schwur „Bei der Morgendämmerung und den zehn Nächten“ Koran 89:1–2 auf diese Tage. Man vermehrt in ihnen Gebet, Koranlesung, Gedenken und Spenden.
Der neunte Tag ist der Tag von Arafa, an dem die Pilger auf der Ebene von Arafat stehen und beten. Der Prophet ﷺ sagte: „Es gibt keinen Tag, an dem Allah mehr Diener vom Feuer befreit als den Tag von Arafa“ (Muslim). Für alle, die nicht pilgern, ist es eine starke Sunna, an diesem Tag zu fasten: „Das Fasten am Tag von Arafa – ich hoffe von Allah, dass es das vergangene und das kommende Jahr sühnt“ (Muslim 1162). Die Pilger selbst fasten an diesem Tag nicht; auch der Prophet ﷺ fastete in Arafat nicht (al-Bukhari und Muslim). Viele Gelehrte lehren, ab dem Morgengebet des Tages von Arafa bis zum Ende der Taschriq-Tage nach den Gebeten den Takbir zu sprechen. Mehr über die Pilgerfahrt im Kapitel Hadsch.
Eid al-Adha – das Opferfest
Eid al-Adha fällt auf den 10. Dhul-Hiddscha, den Tag, an dem die Pilger in Mina ihr Opfer bringen. Es erinnert an die Hingabe des Propheten Ibrahim und seines Sohnes Ismail, Friede sei mit ihnen.
Ibrahim und Ismail
Der Koran erzählt: Als der Sohn alt genug war, mit ihm zu gehen, sagte Ibrahim: „Mein lieber Sohn, ich sehe im Schlaf, dass ich dich opfere. Schau, was meinst du?“ Er antwortete: „Mein Vater, tu, was dir befohlen wird. Du wirst mich, so Allah will, unter den Geduldigen finden“ Koran 37:102. Als beide sich ergeben hatten, rief Allah ihn: „O Ibrahim, du hast das Traumgesicht bereits erfüllt“ – und Er löste den Sohn „mit einem gewaltigen Schlachtopfer“ aus Koran 37:103–107.
Die Geschichte erzählt nicht von Grausamkeit, sondern von Vertrauen – und davon, dass Allah kein Menschenopfer will. Was Er sucht, sagt der Koran an anderer Stelle klar: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, sondern Ihn erreicht die Gottesfurcht von euch“ Koran 22:37.
Die Udhiya
Wer es sich leisten kann, schlachtet zum Fest ein Opfertier, die Udhiya – ein Schaf oder eine Ziege, oder einen Anteil an einem Rind oder Kamel. Nach der Mehrheit der Gelehrten ist sie eine stark betonte Sunna, nach der hanafitischen Schule für den Vermögenden eine Pflicht. Geschlachtet wird nach dem Eid-Gebet und bis zum Ende der Taschriq-Tage. Viele Gelehrte empfehlen, das Fleisch zu teilen: einen Teil für die eigene Familie, einen für Verwandte und Freunde und einen für die Bedürftigen.
Die Tage der Taschriq
Die drei Tage nach dem Opferfest, der 11. bis 13. Dhul-Hiddscha, heißen Tage der Taschriq. Der Prophet ﷺ nannte sie „Tage des Essens, des Trinkens und des Gedenkens Allahs“ (Muslim). In ihnen wird nicht gefastet, und man spricht weiter den Takbir: „Und gedenkt Allahs an den gezählten Tagen“ Koran 2:203.
Der Geburtstag des Propheten ﷺ – Mawlid an-Nabi
Im Monat Rabi' al-Awwal wurde der Prophet Muhammad ﷺ in Mekka geboren. Viele sunnitische Muslime erinnern am 12. Rabi' al-Awwal daran, in der schiitischen Tradition meist am 17. Rabi' al-Awwal. Als der Prophet ﷺ nach dem Fasten am Montag gefragt wurde, antwortete er: „Das ist der Tag, an dem ich geboren wurde, und der Tag, an dem ich gesandt wurde“ – oder: an dem mir die Offenbarung herabgesandt wurde (Muslim 1162).
Ob und wie man den Mawlid feiert, darüber denken Muslime unterschiedlich – und beide Seiten handeln aus Liebe zum Propheten ﷺ:
- Viele Muslime feiern ihn, in vielen Ländern seit Jahrhunderten: mit Versammlungen, in denen Koran rezitiert, aus seinem Leben erzählt und Lobgedichte wie die Burda von al-Busiri vorgetragen werden, mit Segenswünschen für ihn und mit Essen für Nachbarn und Bedürftige. Viele Gelehrte sehen darin eine gute Form, die Liebe zu ihm zu zeigen.
- Andere feiern ihn nicht, weil der Prophet ﷺ und seine Gefährten diesen Tag nicht als Fest begangen haben. Sie zeigen ihre Liebe, indem sie seiner Sunna an jedem Tag des Jahres folgen – manche auch durch das Fasten am Montag.
Wir urteilen hier nicht. Wenn du unsicher bist, frag einen Gelehrten deines Vertrauens, und begegne denen, die es anders halten, mit Respekt. In den Emiraten ist der Geburtstag des Propheten ﷺ ein gesetzlicher Feiertag. Mehr über sein Leben im Kapitel Der Prophet Muhammad ﷺ.
Der Freitag – das Fest jeder Woche
Neben den zwei großen Festen hat jede Woche ihren eigenen Festtag. Der Prophet ﷺ nannte den Freitag den besten Tag, an dem die Sonne aufgeht (Muslim), und es wird überliefert, dass er ihn einen Festtag nannte, den Allah den Muslimen gegeben hat (Ibn Madscha). Allah sagt: „O ihr, die ihr glaubt, wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken Allahs und lasst das Geschäft ruhen“ Koran 62:9.
Zum Freitag gehören das Ghusl, gute Kleidung und Duft, der frühe Weg zur Moschee, das stille Zuhören bei der Predigt und die Stunde, in der Bittgebete erhört werden (al-Bukhari und Muslim). Es wird außerdem überliefert, dass man am Freitag viele Segenswünsche auf den Propheten ﷺ sprechen soll (Abu Dawud), und viele lesen die Sure al-Kahf. Wie du deinen Freitag gestalten kannst, liest du im Kapitel Islamischer Lebensstil.
In den Emiraten ist das offizielle Wochenende seit 2022 Samstag und Sonntag; der Freitag ist für viele ein kürzerer Arbeitstag, damit Zeit für das Freitagsgebet bleibt.
Weitere Gedenktage
Einige Tage werden nicht von allen, aber von vielen Muslimen besonders begangen:
- 17. Ramadan – Badr: Viele erinnern an die Schlacht von Badr im Jahr 2 nach der Hidschra, in der eine kleine, schwache Gemeinschaft standhielt: „Allah hat euch ja bei Badr geholfen, als ihr unterlegen wart“ Koran 3:123.
- 18. Dhul-Hiddscha – Ghadir Chumm: Auf dem Rückweg von seiner Abschiedspilgerfahrt hielt der Prophet ﷺ am Teich von Chumm und sagte über Ali: „Wessen Maula ich bin, dessen Maula ist Ali“ (at-Tirmidhi). Sunniten und Schiiten überliefern dieses Ereignis, verstehen es aber unterschiedlich: Für Sunniten ist es ein Aufruf zu Liebe und Treue gegenüber Ali, für Schiiten die Einsetzung Alis als Nachfolger – sie feiern den Tag als Eid al-Ghadir.
- 20. Safar – Arba'in: der vierzigste Tag nach Aschura, an dem schiitische Muslime in großer Zahl nach Kerbela pilgern (Die heiligen Städte).
Die Feiertage in den Emiraten
In den Emiraten sind das islamische Neujahr, der Geburtstag des Propheten ﷺ, Eid al-Fitr, der Tag von Arafa und Eid al-Adha gesetzliche Feiertage. Weil sie sich nach dem Mond richten, werden ihre genauen Daten und die Zahl der freien Tage jeweils kurz vorher bekannt gegeben – viele Familien warten am Abend des 29. gespannt auf die Nachricht.
Der Eid-Morgen auf dem Musalla
Der Festtag beginnt früh. Kurz nach Sonnenaufgang füllen sich die großen Musallas, die offenen Gebetsplätze, und die Moscheen. Tausende beten Seite an Seite – Emiratis und Menschen aus aller Welt, Väter mit kleinen Söhnen, Mütter mit Töchtern in neuen Kleidern. Nach dem Gebet umarmt man sich, wünscht einander Eid Mubarak und macht sich auf den Weg.
Familienbesuche, Eidiya und Festessen
Dann beginnen die Familienbesuche: zuerst zu den Eltern und Großeltern, dann zu Onkeln, Tanten und Nachbarn. In jedem Majlis stehen arabischer Kaffee, Datteln und Süßigkeiten bereit; zum Frühstück gibt es in vielen Häusern Balalit, süße Fadennudeln mit Safran und Ei, und später Gerichte wie Harees. Die Kinder warten vor allem auf die Eidiya – kleine Geldgeschenke der Erwachsenen, oft in neuen Scheinen. Viele tragen traditionelle Kleidung, die Mädchen haben Henna an den Händen.
Zum Opferfest lassen viele Familien ihre Udhiya in zugelassenen Schlachthöfen schlachten oder über offizielle Wohltätigkeitsorganisationen ausführen und verteilen – oft an Bedürftige in vielen Ländern. Und wer am Festtag allein ist, weit weg von seiner Familie, wird meist irgendwo eingeladen. Denn ein Eid, an dem jemand hungrig oder einsam bleibt, ist kein vollständiges Eid.
Haq al-Laila – Vorfreude im Scha'ban
Um die Mitte des Scha'ban ziehen in vielen Vierteln Kinder in traditioneller Kleidung von Haus zu Haus, singen alte Lieder und sammeln in kleinen Stoffbeuteln Süßigkeiten und Nüsse. Dieser Brauch heißt Haq al-Laila und weckt in vielen Familien die Vorfreude auf den Ramadan.
Glückwünsche zum Fest
Der bekannteste Gruß ist „Eid Mubarak“ – „gesegnetes Fest“. Von den Prophetengefährten ist überliefert, dass sie sich am Festtag sagten: „Taqabbal Allahu minna wa minkum“ – „Möge Allah es von uns und von euch annehmen.“ Ein schöner Wunsch, denn er erinnert daran, worum es geht: dass Allah unser Fasten, unser Gebet und unser Opfer annimmt. Bei uns hörst du auch oft „Kull 'am wa antum bi-khair“ – „Möget ihr jedes Jahr wohlauf sein“ – und auf Emiratisch „'Asakum min 'awwadah“ – „Möget ihr zu denen gehören, die es wiedererleben.“
Ein Gedanke zum Schluss
Die besonderen Tage des Islam sind kurz, aber sie tragen weit. Sie verbinden die Freude mit der Dankbarkeit, das Essen mit dem Teilen und den Einzelnen mit der ganzen Gemeinschaft – auch dort, wo Muslime sie auf verschiedene Weise begehen. Wenn du dich auf den nächsten dieser Tage vorbereiten möchtest, beginne beim Ramadan im Kapitel Ramadan und das Fasten – oder mit den Versen über Ibrahim in Sure as-Saffat auf unserer Koran-Seite.
Häufige Fragen
Wie viele Feste gibt es im Islam?
Zwei große Feste: Eid al-Fitr am 1. Schawwal nach dem Ramadan und Eid al-Adha am 10. Dhul-Hiddscha (Abu Dawud, überliefert von Anas). Dazu kommt der Freitag als wöchentlicher Festtag. Weitere Tage wie Aschura, der Tag von Arafa oder der Geburtstag des Propheten ﷺ werden auf unterschiedliche Weise begangen.
Warum feiern nicht alle Muslime Eid am selben Tag?
Weil jeder Monat mit der Sichtung der Mondsichel beginnt und Gemeinschaften dies unterschiedlich umsetzen: nach der örtlichen Sichtung, nach der Sichtung in einem anderen Land oder nach astronomischer Berechnung. Alle Wege haben Gelehrte auf ihrer Seite. Viele raten, sich der eigenen Gemeinschaft anzuschließen.
Soll ich an Aschura fasten?
Nach der Sunna ist es ein empfohlenes, freiwilliges Fasten; der Prophet ﷺ hoffte, dass es das vergangene Jahr sühnt (Muslim 1162). Viele Gelehrte empfehlen, den 9. Muharram dazuzunehmen (Muslim 1134). Für schiitische Muslime ist Aschura vor allem ein Tag der Trauer um Imam Husain.
Wann genau war die Nachtreise (Isra' und Mi'radsch)?
Das genaue Datum ist nicht sicher überliefert. Weit verbreitet ist der 27. Radschab, doch Historiker und Gelehrte nennen auch andere Daten. Sicher ist das Ereignis selbst, von dem der Koran berichtet (Koran 17:1).
Darf man den Geburtstag des Propheten ﷺ feiern?
Darüber denken Muslime unterschiedlich. Viele feiern ihn mit Koran, Lobgedichten, Segenswünschen und Essen für Bedürftige; andere feiern ihn nicht, weil er in der ersten Generation nicht als Fest begangen wurde. Beide handeln aus Liebe zu ihm. Frag im Zweifel einen Gelehrten deines Vertrauens.
Sollte ich am Tag von Arafa fasten?
Wer nicht auf der Pilgerfahrt ist, dem wird das Fasten am Tag von Arafa sehr empfohlen. Der Prophet ﷺ hoffte, dass es das vergangene und das kommende Jahr sühnt (Muslim 1162). Die Pilger selbst fasten an diesem Tag nicht.
Quellen
- Koran 2:185, 2:189, 2:203, 3:123, 9:36, 17:1, 22:37, 37:102–107, 53:13–18, 62:9, 89:1–2, 97:3
- Sahih Muslim 1162 – Fasten am Tag von Arafa und an Aschura; der Montag als Tag der Geburt des Propheten ﷺ; Muslim 1134 – der neunte Muharram; Muslim 1163 – Fasten im Muharram; Muslim 1164 – sechs Tage im Schawwal
- Sahih al-Bukhari 1503 – Zakat al-Fitr vor dem Eid-Gebet (Ibn Umar)
- Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim – Fasten und Fastenbrechen nach der Mondsichtung; Aschura und die Rettung Musas; die Nachtreise und die fünf Gebete; Fasten im Scha'ban (Aischa); kein Fasten an den Festtagen; die vier heiligen Monate; Frauen und Kinder beim Eid-Gebet; der Prophet ﷺ fastete in Arafat nicht; die Stunde am Freitag
- Sahih al-Bukhari – Datteln vor dem Gebet; anderer Rückweg; Gebet vor der Predigt; die ersten zehn Tage des Dhul-Hiddscha. Sahih Muslim – Eid-Gebet ohne Adhan und Iqama; Tage der Taschriq; Befreiung vom Feuer am Tag von Arafa; der Freitag als bester Tag
- Sunan Abu Dawud – die zwei Festtage (Anas); Segenswünsche am Freitag. Dschami' at-Tirmidhi – Fasten und Fest mit der Gemeinschaft; Ghadir Chumm. Sunan Ibn Madscha – der Freitag als Festtag. Muwatta Malik – Ghusl am Festtag (Ibn Umar)
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