Geschichte als Lehre
Der Koran erzählt viel Geschichte – von Völkern, Propheten und Königen –, aber nie um ihrer selbst willen: „In ihren Geschichten liegt wahrlich eine Lehre für die Verständigen“ 12:111. Und er erinnert daran, dass Macht und Glück wandern: „Diese Tage lassen Wir unter den Menschen wechseln“ 3:140. So wollen wir auch dieses Kapitel lesen: nicht als Heldensage, sondern als Geschichte von Menschen, die Großes erreicht und schwere Fehler gemacht haben.
Ein Hinweis zu den Jahreszahlen: Wir nennen die Jahre nach christlicher Zeitrechnung und, wo es üblich ist, zusätzlich nach der Hidschra (n. H.). Das islamische Jahr ist ein Mondjahr und rund elf Tage kürzer als das Sonnenjahr; deshalb verschieben sich Ramadan und die Feste jedes Jahr. Wir nennen nur Jahre, die gut belegt sind, und schreiben „um“, wo die Quellen voneinander abweichen.
Die Offenbarung in Mekka (610–622)
- um 570 – Geburt Muhammads ﷺ in Mekka
- 610 – erste Offenbarung in der Höhle Hira: „Lies im Namen deines Herrn, der erschaffen hat“ 96:1
- um 613 – Beginn der öffentlichen Verkündigung
- 615 – eine Gruppe von Muslimen wandert nach Abessinien aus und findet Schutz beim christlichen König, dem Negus
- um 619 – das „Jahr der Trauer“: Tod von Khadidscha und Abu Talib
- 621 und 622 – die Treueide von Aqaba mit Muslimen aus Yathrib, dem späteren Medina
Dreizehn Jahre lang verkündete der Prophet ﷺ in Mekka den Glauben an den Einen Gott, an Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Die Antwort der Mächtigen war Spott, Boykott und Verfolgung; Schwache und Versklavte wie Bilal und Sumayya litten am meisten. In diese Zeit fällt auch die Nachtreise nach Jerusalem 17:1. Mehr über diese Jahre erzählt das Kapitel Der Prophet Muhammad ﷺ.
Medina: eine Gemeinschaft entsteht (622–632)
- 622 (1 n. H.) – Hidschra nach Medina; Bau der Prophetenmoschee, Bruderschaft zwischen Auswanderern und Helfern
- 624 (2 n. H.) – Schlacht von Badr; die Gebetsrichtung wechselt von Jerusalem zur Kaaba 2:144; das Fasten im Ramadan wird vorgeschrieben
- 625 (3 n. H.) – Schlacht von Uhud
- 627 (5 n. H.) – Grabenschlacht
- 628 (6 n. H.) – Vertrag von Hudaibiya, den der Koran „einen offenkundigen Sieg“ nennt 48:1
- 630 (8 n. H.) – Rückkehr nach Mekka mit allgemeiner Vergebung; die Kaaba wird von den Götzenbildern gereinigt
- 632 (10–11 n. H.) – Abschiedswallfahrt und Tod des Propheten ﷺ in Medina
In Medina wurde aus einer verfolgten Gruppe eine Gemeinschaft mit Moschee, Markt und gemeinsamen Regeln, zu der auch jüdische Stämme der Stadt durch Verträge gehörten. Nach der Rückkehr nach Mekka kamen Gesandtschaften aus ganz Arabien. Am Tag von Arafat der Abschiedswallfahrt wurde der Vers offenbart: „Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet“ 5:3; al-Bukhari, Muslim.
Die rechtgeleiteten Kalifen (632–661)
- 632–634 – Abu Bakr; der Koran wird erstmals in einem Band gesammelt
- 634–644 – Umar; Syrien, Irak, Ägypten und Jerusalem kommen unter muslimische Herrschaft; 636 Schlacht am Yarmuk; Einführung der Zeitrechnung nach der Hidschra; Gründung von Kufa, Basra und Fustat
- 644–656 – Uthman; der einheitliche Mushaf wird in die großen Städte gesandt
- 656–661 – Ali; Hauptstadt Kufa; schwere innere Konflikte
- 661 (41 n. H.) – al-Hasan schließt Frieden mit Mu'awiya, das „Jahr der Einheit“
In weniger als dreißig Jahren wuchs die Gemeinschaft von Medina zu einem Reich zwischen Nordafrika und Persien. Zugleich brachen Fragen auf, die die Muslime bis heute begleiten: Wer soll die Gemeinschaft führen? Die Antworten von Sunniten und Schiiten erklärt das Kapitel Sunniten und Schiiten; die Menschen dieser Zeit stellt das Kapitel Die Gefährten und die Familie des Propheten ﷺ vor.
Die Umayyaden (661–750)
- 661 – Mu'awiya begründet die Herrschaft der Umayyaden; Hauptstadt wird Damaskus
- 680 (61 n. H.) – al-Husain, der Enkel des Propheten ﷺ, wird bei Kerbela getötet
- 691/692 (72 n. H.) – Vollendung des Felsendoms in Jerusalem unter Abd al-Malik
- um 700 – Arabisch wird Sprache der Verwaltung; neue Münzen tragen nur noch Schrift
- 711 – Tariq ibn Ziyad setzt nach Spanien über; der Felsen von Gibraltar trägt bis heute seinen Namen (Dschabal Tariq)
- 711–712 – muslimische Truppen erreichen das Indus-Gebiet
- 717–720 – Umar ibn Abd al-Aziz, für seine Gerechtigkeit berühmt
- 750 – Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden
Unter den Umayyaden reichte das Reich vom Atlantik bis nach Zentralasien. Die Umayyaden-Moschee in Damaskus entstand, und in Medina lehrten Gelehrte, auf die sich bis heute alle berufen. Viele sunnitische Gelehrte nennen Umar ibn Abd al-Aziz wegen seiner Gerechtigkeit und Bescheidenheit den „fünften rechtgeleiteten Kalifen“. Kerbela aber blieb eine Wunde im Gedächtnis aller Muslime.
Die Abbasiden und das Haus der Weisheit (750–1258)
- 750 – die Abbasiden übernehmen das Kalifat
- 762 – al-Mansur gründet Bagdad als runde Stadt am Tigris
- 786–809 – Harun ar-Raschid
- 813–833 – al-Ma'mun; das Haus der Weisheit in Bagdad erlebt seine Blüte
- 859 – Fatima al-Fihriyya gründet die al-Qarawiyyin in Fes
- 945 – die schiitischen Buyiden übernehmen die Macht in Bagdad
- 1055 – die Seldschuken ziehen in Bagdad ein
- 1067 – Eröffnung der Nizamiyya, einer berühmten Hochschule in Bagdad
- 1099 – Kreuzfahrer erobern Jerusalem
Die Abbasidenzeit ist das Zeitalter der großen Imame und Sammlungen. Abu Hanifa (gest. 150 n. H./767), Malik (gest. 179 n. H./795), asch-Schafi'i (gest. 204 n. H./820) und Ahmad ibn Hanbal (gest. 241 n. H./855) wirkten in diesen Jahrhunderten, ebenso Imam Dscha'far as-Sadiq in Medina (gest. 148 n. H./765). Al-Bukhari und Muslim stellten ihre Hadith-Sammlungen zusammen, al-Kulaini sein Werk al-Kafi. Mehr dazu im Kapitel Die Rechtsschulen des Islam.
Im Haus der Weisheit übersetzten Gelehrte Werke aus dem Griechischen, Persischen und Indischen ins Arabische und entwickelten sie weiter. Papier verbreitete sich in der islamischen Welt und machte Bücher erschwinglich; Bagdad wurde eine Stadt der Buchhändler und Bibliotheken. Politisch zerfiel das Reich nach und nach in regionale Dynastien, während der Kalif in Bagdad vor allem ein Symbol der Einheit blieb.
Gelehrte, die die Welt veränderten
Die Wissenschaft dieser Jahrhunderte wurde in vielen Städten gemacht, von Buchara bis Córdoba. Einige Namen sind bis heute weltbekannt:
- al-Khwarizmi (9. Jahrhundert) schrieb in Bagdad ein grundlegendes Werk über die Algebra; das Wort „Algebra“ stammt aus seinem Buchtitel, das Wort „Algorithmus“ von seinem Namen. Über seine Schriften lernte Europa die indisch-arabischen Ziffern kennen.
- ar-Razi (gest. um 925), Arzt in Bagdad und Rayy, unterschied als einer der Ersten Pocken und Masern.
- Ibn al-Haytham (gest. um 1040) erforschte in Kairo Licht und Sehen und stützte sich in seinem „Buch der Optik“ konsequent auf Beobachtung und Experiment.
- al-Biruni (973 – nach 1050) bestimmte den Erdradius erstaunlich genau und schrieb ein großes Werk über Indien, seine Sprachen und Religionen.
- Ibn Sina (980–1037), im Westen Avicenna, schrieb den „Kanon der Medizin“, der jahrhundertelang auch an europäischen Universitäten gelehrt wurde.
- az-Zahrawi (gest. um 1013) aus Córdoba beschrieb chirurgische Instrumente und Eingriffe.
- al-Ghazali (1058–1111) verband in seinem Werk „Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften“ Recht, Theologie und Spiritualität.
- al-Idrisi zeichnete 1154 für den König von Sizilien eine berühmte Weltkarte.
- Nasir ad-Din at-Tusi (1201–1274) leitete das Observatorium von Maragha.
- Ibn Khaldun (1332–1406) schrieb mit der Muqaddima eine der ersten großen Theorien der Geschichte und Gesellschaft.
- Ibn Battuta (1304 – um 1369) brach 1325 zur Pilgerfahrt auf und reiste fast drei Jahrzehnte lang von Marokko bis China.
Über Übersetzungen in Toledo und auf Sizilien gelangte viel von diesem Wissen nach Europa. Es entstand aus einem Glauben, der das Nachdenken über die Schöpfung als Weg zu Allah versteht 3:190–191.
Al-Andalus (711–1492)
- 711 – Beginn der muslimischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel
- 756 – Abd ar-Rahman I., ein geflohener Umayyadenprinz, begründet das Emirat von Córdoba
- um 785 – Baubeginn der Mezquita von Córdoba
- 929 – Abd ar-Rahman III. ruft das Kalifat von Córdoba aus
- 1031 – das Kalifat zerfällt in Kleinkönigreiche
- 1085 – Toledo fällt an Kastilien und wird ein Zentrum der Übersetzungen
- 13.–15. Jahrhundert – das Emirat der Nasriden in Granada; Bau der Alhambra
- 1492 – Granada, das letzte muslimische Reich in Spanien, ergibt sich
Fast acht Jahrhunderte lang war al-Andalus eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Muslime, Juden und Christen lebten hier – nicht immer spannungsfrei, aber oft in fruchtbarem Austausch. Córdoba hatte Bibliotheken, Bäder und beleuchtete Straßen. Aus al-Andalus stammen der Philosoph und Richter Ibn Ruschd, der Gelehrte Ibn Hazm, der Korankommentator al-Qurtubi und der jüdische Gelehrte Maimonides, der 1138 in Córdoba geboren wurde. Mehr über Córdoba und die Alhambra findest du in den Kapiteln über die Städte des Islam und islamische Kunst.
Fatimiden, Ayyubiden und Salah ad-Din
- 909 – die Fatimiden, eine ismailitisch-schiitische Dynastie, gründen in Nordafrika ein Kalifat
- 969 – Gründung von Kairo (al-Qahira, „die Siegreiche“)
- 970–972 – Bau der al-Azhar-Moschee, später eine der berühmtesten Hochschulen der Welt
- 1171 – Salah ad-Din beendet die Herrschaft der Fatimiden in Ägypten; Beginn der Ayyubiden
- 1187 – Sieg bei Hattin und Rückkehr Jerusalems unter muslimische Herrschaft
- 1193 – Tod Salah ad-Dins in Damaskus
Salah ad-Din al-Ayyubi, ein Muslim kurdischer Herkunft, ist eine der bekanntesten Gestalten der islamischen Geschichte. Als er 1187 Jerusalem zurückgewann, verschonte er die Bewohner der Stadt – anders als die Kreuzfahrer, die 1099 bei der Eroberung ein Blutbad angerichtet hatten. Seine Ritterlichkeit wurde selbst in Europa zur Legende. Die al-Azhar, unter den Fatimiden gegründet, wurde unter späteren Herrschern zum großen Zentrum sunnitischer Gelehrsamkeit, das sie bis heute ist.
Mongolen und Mamluken
- 1219–1221 – die Mongolen verwüsten Choresmien und Städte wie Buchara und Samarkand
- 1250 – die Mamluken übernehmen die Macht in Ägypten
- 1258 – die Mongolen unter Hülegü erobern und zerstören Bagdad; der Kalif al-Musta'sim wird getötet
- 1260 – die Mamluken besiegen die Mongolen bei Ain Dschalut in Palästina
- 1261 – das abbasidische Kalifat wird in Kairo als Ehrenamt wiederbelebt
- 1295 – der mongolische Herrscher Persiens, Ghazan Khan, nimmt den Islam an
Die Zerstörung Bagdads war eine der größten Katastrophen der islamischen Geschichte. Spätere Berichte erzählen, der Tigris sei von der Tinte der versenkten Bücher schwarz gewesen. Doch die Geschichte nahm eine überraschende Wendung: Nur wenige Jahrzehnte später wurden die mongolischen Herrscher Persiens selbst Muslime und förderten Wissenschaft und Kunst. In Kairo bauten die Mamluken Moscheen, Schulen und Krankenhäuser, deren Kuppeln und Minarette die Stadt bis heute prägen.
Osmanen, Safawiden und Moguln
- um 1300 – Anfänge des Osmanischen Reiches in Anatolien
- 1453 – Mehmed II. erobert Konstantinopel, das zu Istanbul wird
- 1501 – Schah Isma'il I. gründet das Safawidenreich; die Zwölfer-Schia wird Staatsreligion in Iran
- 1517 – die Osmanen erobern das Mamlukenreich und werden Hüter von Mekka und Medina
- 1520–1566 – Süleyman der Prächtige, von den Osmanen Kanuni, „der Gesetzgeber“, genannt
- 1526 – Babur siegt bei Panipat und begründet das Mogulreich in Indien
- 1556–1605 – der Mogulkaiser Akbar
- 1598 – Isfahan wird Hauptstadt der Safawiden
- 1632 – Baubeginn des Taj Mahal
Drei große Reiche prägten die frühe Neuzeit der islamischen Welt. Die Osmanen herrschten vom Balkan bis nach Arabien und Nordafrika; nichtmuslimische Gemeinschaften regelten ihre inneren Angelegenheiten weitgehend selbst. Der Baumeister Sinan gab Istanbul seine Silhouette. Die Safawiden machten Iran zu einem Land der schiitischen Gelehrsamkeit und Isfahan zu einer der schönsten Städte der Welt. Die Moguln in Indien verbanden persische, indische und islamische Kultur und hinterließen Bauwerke wie das Taj Mahal und die Badshahi-Moschee in Lahore.
Der Islam erreicht Afrika und Südostasien
Der Islam verbreitete sich in vielen Regionen nicht durch Heere, sondern durch Händler, Gelehrte, Sufis und Familien, die durch Heirat zusammenwuchsen. Der Koran sagt: „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ 2:256.
- Ostafrika: Schon die erste Auswanderung führte 615 nach Abessinien. Später entstanden an der Küste Handelsstädte wie Kilwa, Mombasa, Sansibar und Lamu, in denen sich arabische, persische und afrikanische Kultur zur Swahili-Kultur verbanden.
- Westafrika: Über die Karawanenwege der Sahara kam der Islam in die Reiche des Sahel. 1324 zog Mansa Musa, der Herrscher von Mali, mit großem Gefolge über Kairo nach Mekka; sein Reichtum wurde legendär. Timbuktu mit seinen Moscheen und Handschriften wurde zu einer Stadt der Gelehrten.
- Südostasien: Kaufleute aus Arabien, besonders aus dem Hadramaut, aus Gudscharat und Persien brachten den Islam an die Küsten Sumatras und Malakkas. Der Grabstein von Sultan Malik as-Salih von Samudra Pasai im Norden Sumatras trägt die Jahreszahl 1297. Im 15. Jahrhundert wurde Malakka ein muslimisches Sultanat, und auf Java verbreiteten die „Neun Heiligen“ (Wali Songo) den Glauben. Heute ist Indonesien das Land mit den meisten Muslimen der Welt.
- China und Indien: Muslimische Kaufleute lebten früh in den Hafenstädten Chinas; der Admiral Zheng He, ein chinesischer Muslim, führte zwischen 1405 und 1433 große Flotten bis nach Arabien und Ostafrika. In Indien gewannen Sufis wie Mu'in ad-Din Tschischti in Adschmer die Herzen vieler Menschen.
Die Neuzeit
- 18. und 19. Jahrhundert – europäische Mächte gewinnen Einfluss über weite Teile der islamischen Welt; Reformbewegungen suchen nach Antworten
- 1924 – die türkische Nationalversammlung schafft das osmanische Kalifat ab
- 1932 – Ausrufung des Königreichs Saudi-Arabien
- 1945 – Indonesien erklärt seine Unabhängigkeit
- 1947 – Gründung Pakistans
- 1956 – Unabhängigkeit Marokkos und Tunesiens
- 1962 – Unabhängigkeit Algeriens
- 1969 – Gründung der Organisation der Islamischen Konferenz, heute Organisation für Islamische Zusammenarbeit
- 2004/2005 – die Amman-Botschaft bekräftigt die gegenseitige Anerkennung der Rechtsschulen
Das 19. und 20. Jahrhundert brachten für viele Muslime Kolonialherrschaft, Umbrüche und neue Staaten. Gleichzeitig erlebten Bildung, Buchdruck und später das Internet einen enormen Aufschwung, und Millionen Muslime leben heute in Europa, Amerika und Australien. Heute bekennt sich fast ein Viertel der Menschheit zum Islam, und die meisten Muslime leben in Asien. Wohin dieser Weg führen kann, beschreibt das Kapitel Die Bedeutung und die Zukunft des Islam.
Die Vereinigten Arabischen Emirate
Die Geschichte des Islam an der Küste des heutigen Emirats ist fast so alt wie der Islam selbst. Nach den Biografien sandte der Prophet ﷺ einen Brief an die Herrscher Omans, zu dessen Einflussbereich damals auch Teile der heutigen Emirate gehörten, und die Menschen der Region nahmen den Islam noch zu seinen Lebzeiten an. Unter Abu Bakr war Dibba an der Ostküste Schauplatz einer Schlacht in den Kämpfen nach dem Tod des Propheten ﷺ. Archäologen fanden auf der Insel Sir Bani Yas ein christliches Kloster, das noch in frühislamischer Zeit bewohnt war – ein frühes Zeugnis des Nebeneinanders.
Jahrhundertelang lebten die Menschen hier vom Perlentauchen, vom Fischfang, von Dattelpalmen und vom Seehandel. Aus Dschulfar, dem heutigen Ras al-Chaima, stammte nach der Überlieferung der berühmte Seefahrer Ahmad ibn Madschid (15. Jahrhundert).
- 1820 und 1853 – Seeverträge mit Großbritannien; die Küste wird als „Trucial States“ bekannt
- 1930er Jahre – der Perlenhandel bricht zusammen; harte Jahre für die Menschen an der Küste
- 1958 – Erdöl wird vor der Küste Abu Dhabis gefunden; 1962 erster Export
- 1966 – Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan wird Herrscher von Abu Dhabi
- 1968 – Großbritannien kündigt seinen Rückzug an; Scheich Zayed und Scheich Raschid bin Said Al Maktoum von Dubai vereinbaren eine Union
- 2. Dezember 1971 – sechs Emirate gründen die Vereinigten Arabischen Emirate; Scheich Zayed wird erster Präsident
- 10. Februar 1972 – Ras al-Chaima tritt als siebtes Emirat bei
- 2004 – Tod von Scheich Zayed; Scheich Khalifa bin Zayed wird Präsident
- 2019 – Jahr der Toleranz; in Abu Dhabi wird das Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen unterzeichnet
- 2021 – die emiratische Sonde al-Amal („Hoffnung“) erreicht die Umlaufbahn des Mars
- 2022 – Scheich Mohamed bin Zayed wird Präsident
- 2023 – Eröffnung des Abrahamic Family House in Abu Dhabi
Scheich Zayed, möge Allah ihm barmherzig sein, ist für viele Menschen das Bild eines gerechten und großzügigen Herrschers. Er förderte Bildung, baute Moscheen, Schulen und Krankenhäuser, ließ die Wüste ergrünen und setzte sich für Toleranz zwischen Menschen aller Religionen ein. Die Emirate stehen damit in einer langen Tradition: Wissen, Handel und Gastfreundschaft gehörten schon in Bagdad, Córdoba und Kairo zu den Stärken der islamischen Zivilisation. Was das Leben im Glauben hier heute ausmacht, erzählt das Kapitel Warum die Emirate ein wunderbarer Ort sind, um den Islam zu leben.
Was die Geschichte uns lehrt
Wer auf vierzehn Jahrhunderte blickt, erkennt einige Muster:
- Wissen trägt Kulturen. Die größten Zeiten der islamischen Welt waren Zeiten des Lernens, des Übersetzens und der offenen Bibliotheken.
- Einheit stärkt, Spaltung schwächt. „Haltet alle fest am Seil Allahs und spaltet euch nicht“ 3:103.
- Gerechtigkeit ist das Fundament. Herrscher wie Umar, Umar ibn Abd al-Aziz und Salah ad-Din werden bis heute wegen ihrer Gerechtigkeit erinnert, nicht wegen ihrer Paläste.
- Veränderung beginnt innen. „Allah ändert den Zustand eines Volkes nicht, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist“ 13:11.
Die Geschichte des Islam ist nicht abgeschlossen. Sie wird jeden Tag weitergeschrieben – auch von dir, wenn du den Koran liest, lernst und weitergibst. Beginne dort, wo alles begann: mit Sure al-Alaq, den ersten offenbarten Versen.
Häufige Fragen
Warum beginnt die islamische Zeitrechnung mit der Hidschra?
Nach den Geschichtsquellen beriet sich Umar ibn al-Khattab als Kalif mit den Gefährten, und man wählte die Auswanderung nach Medina als Beginn, weil mit ihr die muslimische Gemeinschaft entstand. Das Jahr 1 n. H. beginnt im Jahr 622. Da das islamische Jahr ein Mondjahr ist, ist es etwa elf Tage kürzer als das Sonnenjahr.
Was war das Haus der Weisheit?
Eine Einrichtung der Gelehrsamkeit im abbasidischen Bagdad, die unter al-Ma'mun (813–833) ihre Blüte erlebte. Dort wurden Werke aus dem Griechischen, Persischen und Indischen ins Arabische übersetzt und weiterentwickelt, etwa in Mathematik, Astronomie und Medizin.
Wie kam der Islam nach Indonesien?
Vor allem durch Kaufleute aus Arabien, Gudscharat und Persien, durch Gelehrte und Sufis, nicht durch Eroberung. Ein Grabstein von 1297 in Nord-Sumatra bezeugt ein frühes Sultanat. Heute ist Indonesien das Land mit den meisten Muslimen der Welt.
Wie lange gab es muslimische Herrschaft in Spanien?
Von 711 bis 1492, also fast acht Jahrhunderte. Das letzte muslimische Reich war das Emirat der Nasriden in Granada, das 1492 kapitulierte.
Wer waren die Fatimiden?
Eine ismailitisch-schiitische Dynastie, die 909 in Nordafrika ein Kalifat gründete, 969 Kairo gründete und die al-Azhar baute. 1171 beendete Salah ad-Din ihre Herrschaft in Ägypten; die al-Azhar wurde später zum großen Zentrum sunnitischer Gelehrsamkeit.
Wann wurden die Vereinigten Arabischen Emirate gegründet?
Am 2. Dezember 1971 von sechs Emiraten unter Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan als erstem Präsidenten; Ras al-Chaima trat am 10. Februar 1972 bei. Der 2. Dezember ist der Nationalfeiertag der VAE.
Quellen
- Koran 2:144, 2:256, 3:103, 3:140, 3:190–191, 5:3, 12:111, 13:11, 17:1, 48:1, 96:1
- Sahih al-Bukhari und Sahih Muslim (Beginn der Offenbarung; Offenbarung von 5:3 am Tag von Arafat)
- Ibn Hischam: as-Sira an-Nabawiyya; at-Tabari: Ta'rikh ar-Rusul wa-l-Muluk; Ibn Khaldun: al-Muqaddima
- Amman-Botschaft (2004/2005); Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen, Abu Dhabi 2019
- Offizielles Portal der Regierung der VAE (u.ae): Geschichte und Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate
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