Wer sind die Sahaba?
Ein Sahabi (Gefährte) oder eine Sahabiyya (Gefährtin) ist nach der verbreiteten Definition, die etwa der Gelehrte Ibn Hadschar al-Asqalani verwendet, ein Mensch, der dem Propheten ﷺ begegnet ist, an ihn geglaubt hat und als Muslim gestorben ist. Dazu gehören Männer und Frauen, Alte und Kinder, Kaufleute und Hirten, Angehörige mächtiger Familien und ehemals Versklavte. Bilal kam aus Abessinien, Salman aus Persien, Suhaib wurde „der Byzantiner“ genannt, weil er unter Byzantinern aufgewachsen war. Schon in diesem Kreis zeigt sich, was der Koran sagt: Vor Allah zählt nicht die Herkunft, sondern die Gottesfurcht 49:13.
Der Koran spricht mehrfach voller Anerkennung über sie. „Die Vorreiter, die Ersten der Auswanderer (Muhadschirun) und der Helfer (Ansar), und diejenigen, die ihnen in Rechtschaffenheit gefolgt sind – Allah hat Wohlgefallen an ihnen, und sie haben Wohlgefallen an Ihm“ 9:100. Über die Gläubigen, die dem Propheten ﷺ unter dem Baum bei Hudaibiya den Treueid leisteten, heißt es: „Allah hatte Wohlgefallen an den Gläubigen, als sie dir unter dem Baum den Treueid leisteten“ 48:18. Und die Gemeinschaft um den Propheten ﷺ beschreibt der Koran als Menschen, die „barmherzig untereinander“ sind und sich in Verbeugung und Niederwerfung Allahs Huld erhoffen 48:29. Der Prophet ﷺ sagte: „Die besten Menschen sind meine Generation, dann die, die ihnen folgen, dann die, die diesen folgen“ (al-Bukhari, Muslim).
Was wir den Gefährten verdanken, ist kaum zu überschätzen. Sie haben den Koran auswendig gelernt, aufgeschrieben und in einem Mushaf zusammengetragen. Sie haben die Worte und Taten des Propheten ﷺ weitergegeben, aus denen die Hadith-Sammlungen entstanden. Und sie haben den Islam in die Welt getragen, von Medina bis an den Indus und an den Atlantik.
Die Bruderschaft von Medina
Als der Prophet ﷺ im Jahr 622 nach Medina auswanderte, kamen viele Mekkaner mittellos an. Die Ansar, die Muslime Medinas, nahmen sie auf. Der Koran lobt sie: „Sie lieben diejenigen, die zu ihnen ausgewandert sind, … und ziehen sie sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel leiden“ 59:9. Der Prophet ﷺ verband jeweils einen Auswanderer und einen Helfer zu Brüdern. So bot Sa'd ibn ar-Rabi' seinem neuen Bruder Abd ar-Rahman ibn Auf die Hälfte seines Besitzes an. Abd ar-Rahman dankte ihm, bat um Segen für ihn und sagte nur: „Zeig mir den Weg zum Markt“ (al-Bukhari). Er wurde später einer der wohlhabendsten und großzügigsten Gefährten. In dieser Geschichte steckt beides: Großzügigkeit, die alles teilen will, und Würde, die nichts umsonst nehmen will.
Die ersten Gläubigen
Die erste Person, die an die Botschaft glaubte, war Khadidscha, die Frau des Propheten ﷺ. Unter den Jungen war es sein Cousin Ali ibn Abi Talib, der im Haus des Propheten ﷺ aufwuchs, unter den freien Männern sein Freund Abu Bakr und unter den Freigelassenen Zaid ibn Haritha. So fassen es viele Gelehrte zusammen. In der schiitischen Überlieferung und bei manchen sunnitischen Historikern wird besonders betont, dass Ali der erste Mann war, der den Islam annahm. Einig sind sich alle darin, dass der Islam in einem kleinen Kreis von Menschen begann, die dem Propheten ﷺ am nächsten standen und ihn am besten kannten.
Die vier rechtgeleiteten Kalifen
Nach dem Tod des Propheten ﷺ im Jahr 11 nach der Hidschra (632) führten nacheinander vier seiner engsten Gefährten die Gemeinschaft. Sunnitische Muslime nennen sie al-Khulafa' ar-Raschidun, die rechtgeleiteten Kalifen, und berufen sich auf das Wort des Propheten ﷺ: „Haltet euch an meine Sunna und an die Sunna der rechtgeleiteten Kalifen nach mir“ (Abu Dawud, at-Tirmidhi). Schiitische Muslime sehen in Ali den ersten Imam, den der Prophet ﷺ selbst bestimmt habe; diese unterschiedlichen Sichtweisen erklärt das Kapitel Sunniten und Schiiten. Hier erzählen wir, wofür diese vier Männer in Erinnerung geblieben sind.
Abu Bakr as-Siddiq (632–634)
Abu Bakr war der engste Freund des Propheten ﷺ. Seinen Beinamen as-Siddiq, „der Wahrhaftige“, der ohne Zögern bestätigt, erhielt er nach der Überlieferung, weil er dem Propheten ﷺ den Bericht von der Nachtreise sofort glaubte. Er begleitete ihn auf der Hidschra, und der Koran erinnert an die Nacht in der Höhle: „als er der Zweite von zweien war, als sie beide in der Höhle waren und er zu seinem Gefährten sagte: Sei nicht traurig, Allah ist mit uns“ 9:40. Mit seinem Vermögen kaufte er Versklavte frei, die wegen ihres Glaubens gequält wurden, unter ihnen Bilal; Umar sagte später: „Abu Bakr ist unser Herr, und er hat unseren Herrn befreit“ (al-Bukhari). In der letzten Krankheit des Propheten ﷺ leitete er auf dessen Anweisung das Gebet (al-Bukhari, Muslim).
Als der Prophet ﷺ starb, waren die Menschen fassungslos. Abu Bakr trat vor sie und sagte: „Wer Muhammad angebetet hat – Muhammad ist gestorben. Wer Allah anbetet – Allah lebt und stirbt nicht“, und er rezitierte: „Muhammad ist nur ein Gesandter; vor ihm sind schon Gesandte dahingegangen“ 3:144; al-Bukhari. In seiner kurzen Amtszeit hielt er die Gemeinschaft zusammen, und auf Anregung Umars ließ er den Koran durch Zaid ibn Thabit erstmals in einem Band sammeln (al-Bukhari). Er starb im Jahr 13 nach der Hidschra (634) und ruht neben dem Propheten ﷺ.
Umar ibn al-Khattab (634–644)
Umar war zunächst ein entschiedener Gegner des Islam – und wurde einer seiner stärksten Stützen. Ibn Mas'ud sagte: „Seit Umar den Islam angenommen hat, sind wir stark“ (al-Bukhari). Man nennt ihn al-Faruq, den, der Recht und Unrecht unterscheidet. Unter seiner Führung kamen Syrien, der Irak, Ägypten und Jerusalem unter muslimische Herrschaft. Nach den Berichten der Geschichtsschreiber reiste er selbst nach Jerusalem und gewährte den Christen der Stadt Sicherheit für ihr Leben, ihren Besitz und ihre Kirchen.
Umar baute die Verwaltung des jungen Staates auf: Register für die Unterstützung der Bedürftigen, neue Städte wie Kufa und Basra, und er führte die islamische Zeitrechnung ein, die mit der Hidschra beginnt. Berühmt ist er für seine Gerechtigkeit und Bescheidenheit; viele Erzählungen berichten, wie er nachts durch Medina ging, um zu sehen, wer Hunger litt. Im Jahr 23 nach der Hidschra (644) wurde er beim Morgengebet niedergestochen und starb an seinen Wunden. Vor seinem Tod setzte er einen Rat von sechs Gefährten ein, der seinen Nachfolger bestimmen sollte. Er ruht neben dem Propheten ﷺ und Abu Bakr.
Uthman ibn Affan (644–656)
Uthman gehörte zu den ersten Muslimen. Er war mit Ruqayya, einer Tochter des Propheten ﷺ, verheiratet und wanderte mit ihr nach Abessinien aus; nach ihrem Tod heiratete er ihre Schwester Umm Kulthum. Darum nennt man ihn Dhu n-Nurain, „den mit den zwei Lichtern“. Er war wohlhabend und freigebig: Er kaufte in Medina den Brunnen Ruma und stellte ihn allen Muslimen zur Verfügung (al-Bukhari, at-Tirmidhi), und er rüstete einen großen Teil des Heeres für den schweren Feldzug nach Tabuk aus (at-Tirmidhi). Bekannt war er für seine Schamhaftigkeit; der Prophet ﷺ sagte über ihn: „Soll ich mich nicht vor einem Mann schämen, vor dem sich sogar die Engel schämen?“ (Muslim).
Sein größtes Vermächtnis ist der einheitliche Mushaf: Weil sich in den neuen Provinzen Unterschiede in der Rezitation zeigten, ließ er auf der Grundlage der unter Abu Bakr gesammelten Blätter, die bei Hafsa aufbewahrt wurden, Abschriften anfertigen und in die großen Städte senden (al-Bukhari). Jeder Mushaf, den du heute in der Hand hältst, geht auf diese Arbeit zurück. Im Jahr 35 nach der Hidschra (656) wurde Uthman von Aufständischen in seinem Haus in Medina getötet – nach den Berichten, während er im Koran las.
Ali ibn Abi Talib (656–661)
Ali war der Cousin des Propheten ﷺ, wuchs in seinem Haus auf und wurde der Ehemann seiner Tochter Fatima. In der Nacht der Hidschra legte er sich in das Bett des Propheten ﷺ, damit dieser unbemerkt aufbrechen konnte. Vor Khaibar sagte der Prophet ﷺ: „Morgen gebe ich die Fahne einem Mann, der Allah und Seinen Gesandten liebt und den Allah und Sein Gesandter lieben“ – und er gab sie Ali (al-Bukhari, Muslim). Als er ihn während des Feldzugs nach Tabuk in Medina zurückließ, sagte er: „Bist du nicht zufrieden, für mich zu sein, was Harun für Musa war, nur dass es nach mir keinen Propheten gibt?“ (al-Bukhari, Muslim). Ali selbst berichtete, der Prophet ﷺ habe ihm versichert, dass nur ein Gläubiger ihn liebe und nur ein Heuchler ihn hasse (Muslim).
Bei Ghadir Khumm, auf dem Rückweg von der Abschiedswallfahrt, sagte der Prophet ﷺ: „Wessen Maula ich bin, dessen Maula ist auch Ali“ (at-Tirmidhi). Sunnitische Gelehrte verstehen dieses Wort als Ausdruck von Liebe, Nähe und Beistand, schiitische Gelehrte als die Einsetzung Alis zum Nachfolger. Ali war berühmt für sein Wissen, seine Beredsamkeit und seine Gerechtigkeit; seine Reden und Briefe, gesammelt im Nahdsch al-Balagha, werden bis heute wegen ihrer Sprache und Weisheit gelesen. Als Kalif regierte er von Kufa aus, in einer Zeit schwerer innerer Konflikte. Im Ramadan des Jahres 40 nach der Hidschra (661) wurde er in der Moschee von Kufa von einem Charidschiten mit dem Schwert getroffen und starb wenige Tage später. Sein Schrein steht in Nadschaf; mehr dazu im Kapitel über die Städte des Islam.
Al-Hasan und der Friede der Gemeinschaft
Nach Alis Tod huldigten viele Muslime seinem Sohn al-Hasan. Nach einigen Monaten verzichtete er zugunsten von Mu'awiya auf die Herrschaft, um weiteres Blutvergießen zu verhindern; das Jahr 41 nach der Hidschra (661) wurde darum 'Am al-Dschama'a, das „Jahr der Einheit“, genannt. Damit erfüllte sich ein Wort, das der Prophet ﷺ über ihn gesagt hatte: „Dieser mein Sohn ist ein Herr, und vielleicht wird Allah durch ihn zwischen zwei großen Gruppen der Muslime Frieden stiften“ (al-Bukhari). Viele sunnitische Gelehrte zählen seine Monate noch zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen; für die Schiiten ist er der zweite Imam.
Die Familie des Propheten ﷺ – Ahl al-Bait
Die Liebe zur Familie des Propheten ﷺ verbindet alle Muslime. In jedem Gebet sprechen Sunniten und Schiiten das Segensgebet „für Muhammad und für die Familie Muhammads“, so wie er es seine Gefährten lehrte (al-Bukhari). Imam asch-Schafi'i wird der Vers zugeschrieben: „O Familie des Gesandten Allahs, die Liebe zu euch ist eine Pflicht von Allah, im Koran herabgesandt.“
Wer gehört dazu?
Der Koran sagt: „Allah will nur die Unreinheit von euch entfernen, ihr Leute des Hauses, und euch vollständig reinigen“ 33:33. Aischa berichtet, dass der Prophet ﷺ eines Morgens in einem gemusterten Umhang hinausging; dann kamen al-Hasan, al-Husain, Fatima und Ali, und er nahm sie unter seinen Umhang und rezitierte diesen Vers (Muslim). Nach einem Bericht bei at-Tirmidhi geschah dies im Haus von Umm Salama. Man nennt diese fünf darum die Leute des Umhangs (Ahl al-Kisa'). Als der Vers über die gegenseitige Anrufung 3:61 offenbart wurde, rief der Prophet ﷺ Ali, Fatima, Hasan und Husain und sagte: „O Allah, das ist meine Familie“ (Muslim).
Wer genau zu den Ahl al-Bait gehört, verstehen die Traditionen unterschiedlich weit. Viele sunnitische Gelehrte zählen, auch wegen des Zusammenhangs der Verse 33:28–34, die Ehefrauen des Propheten ﷺ dazu, außerdem Ali, Fatima, ihre Kinder und Nachkommen sowie weitere Angehörige der Banu Haschim. Schiitische Gelehrte beziehen den Vers der Reinigung auf die fünf Leute des Umhangs und verstehen unter den Ahl al-Bait vor allem sie und die Imame aus der Nachkommenschaft al-Husains.
In Sahih Muslim berichtet Zaid ibn Arqam, dass der Prophet ﷺ an einem Wasserlauf namens Khumm eine Ansprache hielt und sagte: „Ich hinterlasse euch zwei gewichtige Dinge: das Buch Allahs, in dem Rechtleitung und Licht ist … und meine Familie. Ich erinnere euch an Allah in Bezug auf meine Familie“ – dreimal (Muslim). Diese Überlieferung, bekannt als Hadith ath-Thaqalain, findet sich in anderer Form auch bei at-Tirmidhi und ist Sunniten wie Schiiten teuer. Viele Kommentatoren beider Richtungen verstehen auch den Vers „Sag: Ich verlange von euch dafür keinen Lohn außer der Liebe zu den Verwandten“ 42:23 als Aufruf zur Liebe zur Familie des Propheten ﷺ.
Khadidscha – die erste Gläubige
Khadidscha bint Khuwailid war eine angesehene Kauffrau in Mekka. Als der Prophet ﷺ nach der ersten Offenbarung zitternd nach Hause kam, tröstete sie ihn mit Worten, die bis heute berühren: „Bei Allah, Allah wird dich niemals zuschanden machen. Du pflegst die Verwandtschaft, trägst die Last der Schwachen, gibst den Mittellosen, ehrst den Gast und stehst den Menschen in ihrer Not bei“ (al-Bukhari, Muslim). Sie glaubte als Erste an ihn und unterstützte ihn mit ihrem Vermögen. Er sagte über sie: „Die Beste ihrer Frauen war Maryam, die Tochter Imrans, und die Beste ihrer Frauen ist Khadidscha“ (al-Bukhari, Muslim). Dschibril brachte ihr Grüße des Friedens von ihrem Herrn und die frohe Botschaft eines Hauses im Paradies (al-Bukhari, Muslim). Sie starb einige Jahre vor der Hidschra, im „Jahr der Trauer“, und der Prophet ﷺ gedachte ihrer sein Leben lang: „Sie glaubte an mich, als die Menschen mich verleugneten“ (Ahmad).
Fatima az-Zahra
Fatima, die jüngste Tochter des Propheten ﷺ und Khadidschas, trägt die Beinamen az-Zahra, „die Strahlende“, und al-Batul. Der Prophet ﷺ sagte: „Fatima ist ein Teil von mir; wer sie erzürnt, erzürnt mich“ (al-Bukhari, Muslim), und er verkündete ihr, dass sie die Herrin der Frauen der Gläubigen sein werde (al-Bukhari, Muslim). Wenn sie zu ihm kam, stand er auf, küsste sie und ließ sie an seinem Platz sitzen (Abu Dawud, at-Tirmidhi).
Als Fatima ihren Vater um eine Dienerin bat, weil die Hausarbeit sie erschöpfte, lehrte er sie und Ali etwas, das „besser ist als eine Dienerin“: vor dem Schlafen vierunddreißigmal „Allahu akbar“ und je dreiunddreißigmal „Subhanallah“ und „Alhamdulillah“ zu sprechen (al-Bukhari, Muslim). Dieses Tasbih der Fatima sprechen Muslime bis heute, viele vor dem Schlafen; schiitische Muslime sprechen es nach jedem Pflichtgebet. Fatima starb wenige Monate nach ihrem Vater. Ihre Kinder waren al-Hasan, al-Husain, Zainab und Umm Kulthum.
Al-Hasan und al-Husain
Die beiden Enkel waren dem Propheten ﷺ unendlich lieb. Er nannte sie „meine beiden Basilikumzweige in dieser Welt“ (al-Bukhari) und sagte: „Al-Hasan und al-Husain sind die Herren der Jugend des Paradieses“ (at-Tirmidhi). Über al-Husain sagte er: „Husain ist von mir, und ich bin von Husain“ (at-Tirmidhi).
Im Jahr 61 nach der Hidschra (680) wurde al-Husain mit Angehörigen seiner Familie und Gefährten bei Kerbela getötet. Für alle Muslime ist das ein schmerzliches Ereignis; für die Schiiten, für die er der dritte Imam ist, steht es im Zentrum ihres Gedenkens. Seine Schwester Zainab überlebte Kerbela und wurde mit ihrer Standhaftigkeit und ihren Worten selbst zu einem Vorbild. Mehr über Aschura erfährst du im Kapitel Sunniten und Schiiten.
Die Mütter der Gläubigen
Der Koran nennt die Ehefrauen des Propheten ﷺ „Mütter der Gläubigen“ 33:6. Zu ihnen gehören neben Khadidscha unter anderen Sauda, Aischa, Hafsa, Umm Salama und Zainab bint Dschahsch. Jede hat ihre eigene Geschichte:
- Aischa bint Abi Bakr gehört zu den großen Gelehrten der Gefährten. In den Hadith-Sammlungen zählt sie zu denen, die am meisten überliefert haben, und auch ältere Gefährten fragten sie um Rat: Abu Musa al-Asch'ari sagte, wann immer ihnen ein Hadith unklar war, hätten sie bei Aischa Wissen darüber gefunden (at-Tirmidhi). Der Prophet ﷺ starb in ihrem Zimmer, sein Haupt an ihrer Brust (al-Bukhari).
- Umm Salama war für ihre Klugheit bekannt. Als die Gefährten nach dem Vertrag von Hudaibiya zögerten, ihre Opfertiere zu schlachten, riet sie dem Propheten ﷺ, selbst wortlos voranzugehen – und alle folgten ihm (al-Bukhari).
- Hafsa bint Umar bewahrte die unter Abu Bakr gesammelten Blätter des Korans auf, aus denen Uthman die Abschriften anfertigen ließ (al-Bukhari).
Bekannte Gefährtinnen und Gefährten
Bilal ibn Rabah
Bilal war ein versklavter Abessinier in Mekka. Als er den Islam annahm, ließ sein Herr ihn in der glühenden Sonne mit einem Stein auf der Brust liegen; die Biografien berichten, dass er nur immer wieder sagte: „Ahad, Ahad“ – „Einer, Einer“. Abu Bakr kaufte ihn frei. Der Prophet ﷺ machte ihn zum ersten Mu'adhdhin des Islam; „Bilal, lass uns durch das Gebet Ruhe finden“, sagte er zu ihm (Abu Dawud). Er erzählte Bilal, er habe im Paradies dessen Schritte vor sich gehört (al-Bukhari, Muslim). Bei der Rückkehr nach Mekka stieg Bilal auf die Kaaba und rief den Adhan. Ein Mann, der einst versklavt gewesen war, auf dem Dach des Hauses Allahs: ein Bild dafür, was der Islam aus Menschen macht.
Sumayya und Ammar ibn Yasir
Sumayya bint Khayyat und ihr Mann Yasir gehörten zu den Schwächsten in Mekka und wurden für ihren Glauben grausam gequält. Sumayya starb unter dieser Folter und gilt als erste Märtyrerin des Islam. Nach einem bekannten Bericht sagte der Prophet ﷺ, als er an ihnen vorüberging: „Geduld, Familie Yasirs, euer Treffpunkt ist das Paradies.“ Ihr Sohn Ammar überlebte; viele Kommentatoren beziehen den Vers über den, der gezwungen wird, „während sein Herz im Glauben Ruhe findet“ 16:106, auf ihn. Ammar half beim Bau der Moschee in Medina und fiel in hohem Alter bei Siffin an der Seite Alis.
Mus'ab ibn Umair
Mus'ab war ein verwöhnter junger Mann aus einer reichen mekkanischen Familie, bekannt für seine feine Kleidung und seinen Duft. Für den Islam verlor er alles. Der Prophet ﷺ sandte ihn noch vor der Hidschra nach Medina, um den Menschen dort den Koran zu lehren; die Medinenser erzählten später, er sei der Erste gewesen, der zu ihnen kam (al-Bukhari). Bei Uhud trug er die Fahne und fiel. Als man ihn begrub, war sein Mantel so kurz, dass er entweder den Kopf oder die Füße bedeckte; der Prophet ﷺ ließ den Kopf bedecken und die Füße mit Gras (al-Bukhari, Muslim).
Abu Huraira
Abu Huraira stammte aus dem Stamm Daus im Süden Arabiens und kam um die Zeit von Khaibar nach Medina. Seinen Beinamen, „Vater des Kätzchens“, verdankte er seiner Zuneigung zu einer kleinen Katze. Er lebte bei den Ahl as-Suffa, den Armen, die in der Moschee wohnten, und blieb ständig in der Nähe des Propheten ﷺ. Als er klagte, er vergesse vieles, bat ihn der Prophet ﷺ, sein Gewand auszubreiten, und danach, so berichtete er, habe er nichts mehr vergessen (al-Bukhari, Muslim). In den sunnitischen Hadith-Sammlungen ist er der Gefährte mit den meisten Überlieferungen.
Abdullah ibn Abbas
Ibn Abbas, ein Cousin des Propheten ﷺ, war beim Tod des Propheten ﷺ noch ein Junge. Der Prophet ﷺ hatte für ihn gebetet: „O Allah, lehre ihn das Buch“ (al-Bukhari) und ihm Verständnis in der Religion erbeten (al-Bukhari). Er wurde zum Turdschuman al-Qur'an, dem „Dolmetscher des Korans“. Er suchte die älteren Gefährten auf, wartete geduldig vor ihren Türen und lernte. Er stand Ali nahe und wurde unter ihm Statthalter von Basra; später lehrte er in Mekka, und seine Schüler wie Mudschahid, Ikrima und Sa'id ibn Dschubair prägten die Wissenschaft der Koranauslegung.
Abdullah ibn Mas'ud
Ibn Mas'ud war ein einfacher Hirte und einer der ersten Muslime. Nach den Biografien rezitierte er als einer der Ersten den Koran öffentlich an der Kaaba und wurde dafür geschlagen. Der Prophet ﷺ sagte: „Lernt den Koran von vier Männern“ und nannte ihn zuerst (al-Bukhari, Muslim). Einmal bat er ihn, ihm vorzutragen; Ibn Mas'ud rezitierte aus Sure an-Nisa', bis er zu dem Vers kam: „Wie wird es sein, wenn Wir aus jeder Gemeinschaft einen Zeugen bringen und dich als Zeugen über diese bringen?“ 4:41. Da sagte der Prophet ﷺ: „Genug“, und Ibn Mas'ud sah, dass ihm die Tränen herabliefen (al-Bukhari, Muslim). Umar sandte ihn als Lehrer nach Kufa, und seine Schule wurde eine der Wurzeln der hanafitischen Rechtsschule.
Salman al-Farisi
Salman stammte aus Persien. Die Biografien erzählen von seiner langen Suche nach der Wahrheit: Er verließ die Religion seiner Familie, lernte bei christlichen Gelehrten in Syrien und im Irak, geriet in Gefangenschaft und kam als Versklavter nach Medina – und fand dort den Propheten ﷺ, den sein letzter Lehrer ihm beschrieben hatte. Der Prophet ﷺ und die Gefährten halfen ihm, sich freizukaufen. Vor der Grabenschlacht soll er den Rat gegeben haben, einen Graben um Medina auszuheben. Als Sure al-Dschumu'a über „andere von ihnen, die sich ihnen noch nicht angeschlossen haben“ 62:3 offenbart wurde, legte der Prophet ﷺ die Hand auf Salman und sagte, selbst wenn der Glaube bei den Plejaden wäre, würden Männer aus seinem Volk ihn erreichen (al-Bukhari, Muslim). Ein Wort, das in sunnitischen wie schiitischen Quellen überliefert wird, nennt ihn sogar einen Angehörigen der Familie des Hauses. Er starb als Statthalter in al-Mada'in im Irak und lebte bis zuletzt bescheiden.
Abu Dharr al-Ghifari
Abu Dharr kam aus dem Stamm Ghifar und nahm den Islam schon in Mekka an. Er verkündete seinen Glauben laut an der Kaaba und wurde dafür geschlagen, bis al-Abbas ihn schützte (al-Bukhari). Der Prophet ﷺ sagte über ihn, es gebe niemanden, der aufrichtiger in seiner Rede sei als Abu Dharr (at-Tirmidhi). Er lebte asketisch und setzte sich leidenschaftlich für die Armen ein. Als er um ein Amt bat, sagte der Prophet ﷺ liebevoll und ehrlich: „Abu Dharr, du bist schwach, und es ist ein anvertrautes Gut“ (Muslim). Er starb in ar-Rabadha, einem einsamen Ort in der Wüste.
Khalid ibn al-Walid
Khalid war ein brillanter Heerführer der Mekkaner, bevor er im Jahr 8 nach der Hidschra den Islam annahm. In der Schlacht von Mu'ta übernahm er das Kommando, als drei Anführer gefallen waren, und der Prophet ﷺ nannte ihn „ein Schwert von den Schwertern Allahs“ (al-Bukhari). Unter Abu Bakr und Umar führte er Heere im Irak und in Syrien, etwa bei Yarmuk (636). Als Umar ihm den Oberbefehl entzog, diente er nach den Berichten ohne Groll weiter. Er starb in Homs in Syrien in seinem Bett, er, der so viele Schlachten überlebt hatte.
Und viele mehr
Die Liste ließe sich lange fortsetzen:
- Hamza, der Onkel des Propheten ﷺ, „der Löwe Allahs“, gefallen bei Uhud.
- Dscha'far ibn Abi Talib, der vor dem Negus in Abessinien so bewegend über den Islam sprach; der Prophet ﷺ sagte zu ihm: „Du gleichst mir im Aussehen und im Charakter“ (al-Bukhari).
- Mu'adh ibn Dschabal, den der Prophet ﷺ als Lehrer in den Jemen sandte und zu dem er sagte: „Bei Allah, ich liebe dich“ (Abu Dawud, an-Nasa'i).
- Zaid ibn Thabit, der Schreiber der Offenbarung.
- Abu Ubaida ibn al-Dscharrah, „der Vertrauenswürdige dieser Gemeinschaft“ (al-Bukhari, Muslim).
- Asma' bint Abi Bakr, die während der Hidschra ihren Gürtel teilte, um den Proviant festzubinden, und darum „die mit den zwei Gürteln“ heißt (al-Bukhari).
- Nusaiba bint Ka'b (Umm Umara), die nach den Biografien bei Uhud den Propheten ﷺ verteidigte.
- Suhaib, der seinen ganzen Besitz zurückließ, um auswandern zu dürfen.
Sunnitische und schiitische Sicht – mit Respekt
Sunnitische und schiitische Muslime lieben den Propheten ﷺ und seine Familie und ehren die Gefährten, die ihm in Treue beigestanden haben. Zugleich sehen sie Teile der frühen Geschichte unterschiedlich. Wir stellen beide Sichtweisen nebeneinander, ohne zu urteilen:
- In der sunnitischen Tradition gelten alle Gefährten als vertrauenswürdig in der Weitergabe der Religion. Man spricht nicht schlecht über sie und beruft sich auf das Wort des Propheten ﷺ: „Schmäht meine Gefährten nicht“ (al-Bukhari, Muslim). Die meisten sunnitischen Gelehrten sehen eine Rangfolge in der Reihenfolge Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali.
- In der schiitischen Tradition werden die Gefährten nach ihrem Glauben und ihren Taten gewürdigt. Besonders geliebt werden jene, die Ali treu zur Seite standen, wie Salman, Abu Dharr, al-Miqdad und Ammar. Für die Weitergabe der Religion stützen sich schiitische Gelehrte vor allem auf die Imame aus der Familie des Propheten ﷺ.
- Die inneren Konflikte nach Uthmans Tod, wie die Kamelschlacht und Siffin, betrauern beide Seiten. Viele sunnitische Gelehrte sehen Ali dabei im Recht und halten sich zugleich mit Urteilen über die anderen Beteiligten zurück; schiitische Gelehrte urteilen hier deutlicher. Es ist einer der Punkte, an denen die Sichtweisen auseinandergehen.
Bedeutende Gelehrte beider Richtungen haben erklärt, dass es verboten ist, das zu schmähen, was der anderen Seite heilig ist, darunter die Ehefrauen des Propheten ﷺ und die Gefährten, und die Familie des Propheten ﷺ wird von allen geehrt. Die Amman-Botschaft von 2004/2005 hat die gegenseitige Anerkennung der Rechtsschulen festgehalten; mehr dazu im Kapitel Die Rechtsschulen des Islam. Und manchmal erzählt schon ein Stammbaum, wie nah sich alles ist: Imam Dscha'far as-Sadiq, ein Urenkel al-Husains, war über seine Mutter Umm Farwa zugleich ein Nachfahre Abu Bakrs (siehe die Dscha'fari-Rechtsschule).
Der Koran lehrt ein Gebet, das zu diesem Kapitel passt wie kein anderes: „Unser Herr, vergib uns und unseren Brüdern, die uns im Glauben vorausgegangen sind, und lass in unseren Herzen keinen Groll gegen diejenigen sein, die glauben. Unser Herr, Du bist Gnädig und Barmherzig“ 59:10.
Was wir von ihnen lernen
Die Gefährten und die Familie des Propheten ﷺ waren keine Heiligenbilder, sondern Menschen mit Familien, Berufen, Sorgen und Stärken. Gerade darum sind sie Vorbilder für uns:
- Treue in schweren Zeiten – wie Khadidscha, Bilal und Sumayya.
- Großzügigkeit – wie Abu Bakr, Uthman und die Ansar von Medina.
- Gerechtigkeit und Bescheidenheit – wie Umar und Ali.
- Liebe zum Wissen – wie Aischa, Ibn Abbas und Ibn Mas'ud.
- Mut zum Frieden – wie al-Hasan.
- Standhaftigkeit für das Rechte – wie al-Husain und Zainab.
In der ganzen Welt nennen Eltern ihre Kinder nach ihnen: Ali und Umar, Fatima und Aischa, Hasan und Husain, Khadidscha und Bilal. Auch in den Emiraten tragen Moscheen ihre Namen, wie die Al-Farooq-Omar-bin-Al-Khattab-Moschee in Dubai. Wenn du ihre Geschichten im Koran wiederfinden möchtest, beginne mit Sure at-Tauba und Sure al-Fath – und lies über den, um den sie sich versammelten, im Kapitel Der Prophet Muhammad ﷺ.
Häufige Fragen
Wer zählt als Sahabi, als Gefährte des Propheten ﷺ?
Nach der verbreiteten Definition, die etwa Ibn Hadschar al-Asqalani verwendet, jeder Mensch, der dem Propheten ﷺ begegnet ist, an ihn geglaubt hat und als Muslim gestorben ist – Männer, Frauen und Kinder.
Wer sind die Ahl al-Bait?
Die Familie des Propheten ﷺ. Der Kern sind die fünf „Leute des Umhangs“: der Prophet ﷺ, Ali, Fatima, al-Hasan und al-Husain (Muslim; vgl. 33:33). Viele sunnitische Gelehrte zählen auch die Ehefrauen des Propheten ﷺ und weitere Angehörige der Banu Haschim dazu; schiitische Gelehrte beziehen den Begriff vor allem auf die Leute des Umhangs und die Imame aus der Nachkommenschaft al-Husains.
Wer waren die vier rechtgeleiteten Kalifen?
Abu Bakr as-Siddiq (632–634), Umar ibn al-Khattab (634–644), Uthman ibn Affan (644–656) und Ali ibn Abi Talib (656–661). Der Begriff stammt aus der sunnitischen Tradition; für schiitische Muslime ist Ali der erste Imam und rechtmäßige Nachfolger des Propheten ﷺ.
Warum sehen Sunniten und Schiiten Teile der frühen Geschichte unterschiedlich?
Vor allem wegen der Frage, wer die Gemeinschaft nach dem Propheten ﷺ führen sollte, und wegen der Bewertung der Konflikte nach Uthmans Tod. Beide Traditionen lieben den Propheten ﷺ und seine Familie; bedeutende Gelehrte beider Seiten verbieten es, das zu schmähen, was der anderen heilig ist.
Wer nahm als Erstes den Islam an?
Khadidscha, die Frau des Propheten ﷺ. Viele Gelehrte fassen zusammen: unter den Jungen Ali, unter den freien Männern Abu Bakr, unter den Freigelassenen Zaid ibn Haritha. In der schiitischen Überlieferung wird besonders betont, dass Ali der erste Mann war, der glaubte.
Was ist das Tasbih der Fatima?
Ein Gedenken, das der Prophet ﷺ Fatima und Ali für die Zeit vor dem Schlafen lehrte: vierunddreißigmal „Allahu akbar“ und je dreiunddreißigmal „Subhanallah“ und „Alhamdulillah“ (al-Bukhari, Muslim). Viele Muslime sprechen es vor dem Schlafen; schiitische Muslime sprechen es außerdem nach jedem Pflichtgebet.
Quellen
- Koran 3:61, 3:144, 4:41, 9:40, 9:100, 16:106, 33:6, 33:28–34, 33:33, 42:23, 48:18, 48:29, 49:13, 59:9–10, 62:3
- Sahih al-Bukhari (beste Generation, Sa'd ibn ar-Rabi' und Abd ar-Rahman ibn Auf, Abu Bakr und Bilal, die Rede beim Tod des Propheten, Sammlung und Abschrift des Korans, Khaibar, Harun und Musa, al-Hasan als Friedensstifter, Basilikumzweige, Khadidscha, Fatima, Tasbih, Aischa, Umm Salama, Bilals Schritte, Mus'ab, Ibn Abbas, Ibn Mas'ud, Salman, Abu Dharr, Khalid, Dscha'far, Abu Ubaida, Asma', „Schmäht meine Gefährten nicht“)
- Sahih Muslim (Hadith des Umhangs, Mubahala, Hadith ath-Thaqalain bei Khumm, Uthmans Schamhaftigkeit, Liebe zu Ali, Abu Dharr und das Amt, sowie Parallelberichte zu al-Bukhari)
- Dschami' at-Tirmidhi (rechtgeleitete Kalifen, Ghadir Khumm, Brunnen Ruma, Tabuk, al-Hasan und al-Husain, Husain, Aischas Wissen, Abu Dharrs Aufrichtigkeit, Fatima); Sunan Abi Dawud (rechtgeleitete Kalifen, Bilal, Fatima, Mu'adh); Sunan an-Nasa'i (Mu'adh); Musnad Ahmad (Khadidscha)
- Ibn Hadschar al-Asqalani: al-Isaba fi Tamyiz as-Sahaba (Definition des Gefährten); Ibn Hischam: as-Sira an-Nabawiyya
- asch-Scharif ar-Radi: Nahdsch al-Balagha; Amman-Botschaft (2004/2005)
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