Aus Oberägypten nach Kairo
Scheich Taha Al-Fashni – möge Allah ihm barmherzig sein – wurde 1900 in Al-Fashn im Gouvernement Beni Suef geboren; von diesem Ort hat er seinen Beinamen. Als Kind lernte er im Kuttab den Qur'an auswendig, und schon früh fiel seine außergewöhnliche Stimme auf. Später zog er nach Kairo, um sein Wissen zu vertiefen – in die Stadt, die damals das Zentrum der Rezitationskunst in der islamischen Welt war.
In der Schule von Ali Mahmoud
In Kairo fand Al-Fashni den Weg zu Scheich Ali Mahmoud, dem großen blinden Meister der Al-Hussein-Moschee. In dessen Gruppe von Sängern religiöser Hymnen lernte er die Kunst der Maqamat und der Ibtihalat, der feierlichen Lobpreisungen und Bittgesänge. Diese Schulung prägte ihn für sein ganzes Leben, und er wurde selbst zu einem der bekanntesten Vertreter dieser Kunst.
Rezitator und Munschid
Al-Fashni war beides: ein Rezitator des Qur'an und ein Meister der religiösen Hymnen. Ab den 1930er-Jahren hörte man ihn im ägyptischen Radio, und seine Ibtihalat gehören bis heute zum Klang des Ramadan in Ägypten – besonders in den Stunden vor dem Morgengebet. Als Rezitator las er im Mujawwad-Stil, mit einer hellen, kraftvollen Stimme, großen melodischen Bögen und erstaunlicher Sicherheit in den hohen Lagen.
Was seinen Stil besonders macht
Seine Stimme hatte etwas Strahlendes. Er konnte eine Melodie langsam aufbauen, sie in die Höhe tragen und dann sanft wieder zurückführen, ohne dass die Klarheit der Worte verloren ging. Dabei blieb er stets dem Text verpflichtet. Wer seine Aufnahmen hört, versteht, warum viele Ägypter seine Zeit als goldene Ära bezeichnen.
Was du als Lernende oder Lernender mitnehmen kannst
- Die Verbindung von Rezitation und Hymne: Seine Ibtihalat zeigen, wie religiöse Sprache und Melodie zusammenfinden. Für die Rezitation gilt dabei immer: Tadschwid geht vor Melodie.
- Hören, wie Stimmen wachsen: Achte darauf, wie er einen Vers aufbaut. Das schärft dein Ohr für die Gestaltung längerer Passagen.
- Geschichte erleben: Seine Aufnahmen sind ein Fenster in eine Zeit, in der das Radio die Rezitation in jedes Haus brachte.
Vermächtnis
Scheich Taha Al-Fashni starb 1971. Seine Stimme ist bis heute in Ägypten präsent, besonders in den Nächten des Ramadan. Möge Allah ihm barmherzig sein und ihn für jede Seele belohnen, die durch seine Stimme dem Gedenken Allahs näherkam.