Ein Kind des alten Kairo
Scheich Ali Mahmoud – möge Allah ihm barmherzig sein – wurde 1878 in Kairo geboren, in den alten Vierteln rund um die Al-Hussein-Moschee und die Azhar. Schon als kleines Kind verlor er durch einen Unfall sein Augenlicht. Wie bei vielen blinden Gelehrten und Rezitatoren jener Zeit wurde der Qur'an zu seinem Licht: Er lernte ihn vollständig auswendig und vertiefte sich in die Wissenschaft der Rezitation.
Ein Meister der Melodie
Ali Mahmoud beschäftigte sich nicht nur mit dem Tadschwid, sondern auch mit der Kunst der Melodie, den Maqamat, und mit dem religiösen Gesang (Inschad und Ibtihalat). Er beherrschte diese Kunst in einer Tiefe, die selbst Musiker seiner Zeit bewunderten. Doch er stellte sie in den Dienst des Qur'an: Seine Melodien sollten die Bedeutung der Verse tragen, nicht überdecken.
Rezitator der Al-Hussein-Moschee
Über viele Jahre war Scheich Ali Mahmoud Rezitator und Muezzin an der Al-Hussein-Moschee im Herzen des alten Kairo. Besonders sein Gebetsruf zum Freitagsgebet ist in die Erinnerung der Stadt eingegangen. Menschen kamen von weit her, um ihn zu hören, und viele, die später selbst große Rezitatoren und Sänger wurden, saßen als junge Männer in seiner Nähe und lernten von ihm.
Ein Lehrer vieler
Sein Einfluss reicht weit über seine eigenen Aufnahmen hinaus, von denen leider nur sehr wenige erhalten sind. Zu seinen bekanntesten Schülern gehört Scheich Taha Al-Fashni, der in seiner Gruppe begann und später selbst ein Meister wurde. Die sogenannte goldene Ära der ägyptischen Rezitation im 20. Jahrhundert ist ohne Ali Mahmoud kaum zu verstehen: Viele ihrer Stimmen standen in seiner Schule oder ließen sich von ihr inspirieren.
Was du als Lernende oder Lernender mitnehmen kannst
- Wurzeln kennen: Wer verstehen möchte, warum ägyptische Rezitation so klingt, wie sie klingt, findet bei ihm einen Ursprung.
- Kunst im Dienst des Textes: Sein Weg zeigt, dass Melodie dem Qur'an dienen soll – eine wichtige Haltung für jeden, der schön rezitieren möchte.
- Ermutigung: Trotz seiner Blindheit wurde er zu einem der großen Lehrer seiner Zeit. Kein Hindernis muss uns vom Qur'an fernhalten.
Vermächtnis
Scheich Ali Mahmoud starb 1946. Er hinterließ wenige Aufnahmen, aber eine ganze Schule. Jedes Mal, wenn ein ägyptischer Rezitator einen Vers mit Hingabe und Melodie gestaltet, klingt etwas von ihm nach. Möge Allah ihm barmherzig sein und ihn mit dem Licht belohnen, das er anderen geschenkt hat.