Herkunft und Kindheit
Scheich Mohamed Siddiq Al-Minshawi, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde 1920 in Oberägypten in der Gegend von Sohag geboren. Er wuchs in einer Familie von Qur'an-Rezitatoren auf: Schon sein Vater, Scheich Siddiq Al-Minshawi, war ein bekannter Qari. So hörte Mohamed den Qur'an von klein auf, lernte ihn früh auswendig und wurde in der Kunst des Vortrags gewissermaßen zu Hause erzogen.
Sein Weg
Seine Stimme wurde bald über seine Heimat hinaus bekannt. Er rezitierte im ägyptischen Rundfunk und auf Einladung in vielen Ländern. Al-Minshawi hinterließ vollständige Aufnahmen des Qur'an sowohl im ruhigen Murattal-Stil als auch im feierlichen, ausgeschmückten Mujawwad-Stil. Außerdem nahm er einen Mushaf Mu'allim auf, bei dem Kinder seine Rezitation Abschnitt für Abschnitt nachsprechen – eine Aufnahme, die vielen Familien beim Lernen geholfen hat.
Er verstarb 1969, noch nicht einmal fünfzig Jahre alt. Und doch hat seine Stimme in diesen wenigen Jahrzehnten eine Spur hinterlassen, die bis heute nicht verblasst ist.
Was seine Rezitation besonders macht
Wer Al-Minshawi zum ersten Mal hört, spürt sofort etwas: eine stille Traurigkeit, eine Demut, als würde er jedes Wort für sich selbst lesen und dabei vor seinem Herrn stehen. Diese Ehrfurcht (Khushu') ist das Herz seines Vortrags. Seine Stimme ist warm, leicht melancholisch und sehr klar. Bei den Versen über Gericht und Barmherzigkeit wird sie besonders bewegend, ohne je ins Theatralische abzugleiten. Gleichzeitig ist sein Tajwid sauber und zuverlässig.
Was du von ihm mitnehmen kannst
Al-Minshawi lehrt nicht nur, wie man liest, sondern auch, mit welchem Herzen. Höre ihn, wenn du dich auf die Bedeutung eines Verses einlassen möchtest: Lies die Übersetzung mit, lass seine Pausen wirken und achte darauf, wie er den Klang dem Inhalt anpasst. Sein Murattal eignet sich gut zum Mitlesen und Wiederholen; sein Mujawwad ist ideal für stille Momente, in denen man einfach zuhören will.
Viele Menschen erzählen, dass sie durch seine Stimme zum ersten Mal beim Qur'an geweint haben. Möge Allah ihn dafür mit dem Paradies belohnen.