Kindheit in Oberägypten
Scheich Abdul Basit Abdul Samad, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde 1927 in Armant in der Nähe von Luxor in Oberägypten geboren. Er wuchs in einer Familie auf, in der der Qur'an geliebt und gelernt wurde, und lernte ihn schon als Kind auswendig. Bereits als Jugendlicher fiel er mit seiner außergewöhnlichen Stimme auf, und in seiner Heimatregion wurde er zu Festen und Anlässen eingeladen, um zu rezitieren.
Der Weg nach Kairo und in die Welt
Sein Durchbruch kam in Kairo, wo man seine Stimme schnell als etwas Besonderes erkannte. Er wurde in den ägyptischen Rundfunk aufgenommen, und von da an verbreitete sich seine Rezitation in der gesamten islamischen Welt und weit darüber hinaus. Er reiste in zahlreiche Länder Asiens, Afrikas, Europas und Amerikas; für viele Muslime in der Ferne war seine Stimme oft die erste, mit der sie den Qur'an live hörten.
Er hinterließ vollständige Aufnahmen sowohl im Murattal- als auch im Mujawwad-Stil. Seine Mujawwad-Aufnahmen einzelner Suren, oft bei Live-Rezitationen mitgeschnitten, gehören zu den bekanntesten Qur'an-Aufnahmen überhaupt.
Sein Stil
Berühmt ist Abdul Basit für seinen schier endlosen Atem: Er konnte lange Passagen in einem einzigen Bogen vortragen und dabei die Stimme sanft auf- und absteigen lassen. Seine Stimme ist hell, kraftvoll und zugleich zärtlich; sie füllt einen Raum, ohne laut zu wirken. Im Mujawwad nimmt er sich Zeit, wiederholt Verse, verweilt bei einzelnen Worten und lässt den Hörer ihre Schönheit spüren. Sein Murattal dagegen ist ruhig, gleichmäßig und sehr gut zum Mitlesen geeignet.
Was du von ihm lernen kannst
Für Lernende ist sein Murattal eine schöne Begleitung beim Hifz, weil das Tempo angenehm und die Aussprache klar ist. Sein Mujawwad öffnet eine andere Tür: Es zeigt, wie viel Ehrfurcht und Freude in einem einzigen Vers liegen können. Höre einmal bewusst darauf, wo er Luft holt und wo er anhält – seine Pausen folgen dem Sinn des Textes, und daraus kann man viel über Waqf und Ibtida' lernen.
Er verstarb 1988. Bis heute erklingt seine Stimme in Häusern, Moscheen und Autos auf der ganzen Welt – ein stiller Beweis dafür, wie sehr Allah seine Rezitation angenommen hat, so Allah will.