Alle Rezitatoren

Muhammad Rifat

محمد رفعت

Der blinde Rezitator aus Kairo, dessen Stimme 1934 den ägyptischen Rundfunk eröffnete und zu einem Grundstein der ägyptischen Rezitationsschule wurde.

Land
Ägypten
Lebensdaten
1882 – 1950
Stil
Mujawwad

Kindheit in Kairo

Scheich Muhammad Rifat, möge Allah ihm barmherzig sein, wurde 1882 in Kairo geboren. Schon als kleines Kind verlor er sein Augenlicht. Doch was ihm an Sehkraft genommen wurde, schenkte Allah ihm an Gedächtnis und Stimme: Er lernte den Qur'an in jungen Jahren auswendig und widmete sein ganzes Leben dem Vortrag des Buches Allahs.

Rezitator einer Moschee und Stimme einer Nation

Schon als junger Mann wurde er Rezitator an einer Moschee in Kairo, wo er über viele Jahre den Qur'an vortrug. Die Menschen kamen von weit her, um ihn zu hören, besonders zum Freitagsgebet.

Als der ägyptische Staatsrundfunk 1934 seinen Betrieb aufnahm, war es die Stimme von Scheich Muhammad Rifat, die ihn mit Versen aus der Sure Al-Fath eröffnete. Von da an hörten Menschen in ganz Ägypten und darüber hinaus seine Rezitation im Radio; sie gehörte für viele Familien fest zum Alltag, besonders im Ramadan.

In seinen letzten Lebensjahren erkrankte er an einem Leiden, das ihm das Rezitieren schließlich unmöglich machte. Er trug diese Prüfung mit großer Geduld. Er verstarb 1950.

Seine Stimme

Von Muhammad Rifat sind nur relativ wenige Aufnahmen erhalten, und ihre Tonqualität verrät ihr Alter. Und doch hört man sofort, warum er so geliebt wurde: Seine Stimme ist sanft und zugleich durchdringend, voller Demut und Sehnsucht. Er rezitierte ohne jede Effekthascherei; die Melodie floss ruhig und natürlich aus dem Text heraus. Viele spätere ägyptische Rezitatoren sahen in ihm einen Wegbereiter, dessen Art, Schönheit und Ehrfurcht zu verbinden, die ganze Rezitationskunst des Landes geprägt hat.

Was du von ihm mitnehmen kannst

Höre ihn nicht wegen der perfekten Tonqualität, sondern wegen der Seele, die darin liegt. Seine Aufnahmen erinnern daran, dass die Rezitation zuerst ein Gebet ist – ein Gespräch mit Allah – und erst danach eine Kunst. Wer ihn hört, versteht auch besser, woher die große ägyptische Tradition kommt, die später Namen wie Al-Husary, Al-Minshawi oder Abdul Basit hervorgebracht hat.

Und seine Geschichte macht Mut: Ein Kind, das früh erblindete, wurde zu einer Stimme, die eine ganze Nation mit dem Qur'an verband. Möge Allah ihn mit Licht in seinem Grab belohnen.

Muhammad Rifat – Biografie | Quran Masterclass